Überholproblematik: Technikchefs lehnen Sofortmaßnahmen ab

Simplere Frontflügel und ein verstärkter DRS-Effekt fielen durch: Bis 2021 könnte in der Formel 1 alles beim Alten bleiben, wenn es nicht gerade um Sponsorenaufkleber geht

Für die Überholproblematik in der Formel 1 wird es keine schnelle Abhilfe geben. Ein infolge des langweiligen Australien-Grand-Prix einberufenes Treffen der Technischen Arbeitsgruppe am Samstagmorgen in Bahrain endete ohne Ergebnis, weil den Teams – ausgenommen Williams - Änderungen an den Regeln für 2019 zu kurzfristig gekommen wären. Vorschläge des Liberty-Beraters Pat Symonds und des FIA-Kollegen Nikolas Tombazis fielen durch, doch Formel-1-Sportchef Ross Brawn kämpft weiter.

Diskutiert wurde nach Informationen von 'auto motor und sport' die Verstärkung des DRS-Effekts durch eine Vergrößerung der Heckflügel-Endplatte. So würde durch das Umklappen der Luftwiderstand stärker reduziert als bisher. Ergo wäre der Vorteil bei der Höchstgeschwindigkeit prozentual größer und das Überholen einfacher. Die Rede ist von 25 statt 20 km/h Steigerung durch Betätigung des Systems.

Auch die DRS-Nutzung auf der ganzen Strecke (nicht nur in der vorgesehenen Zone), wenn sich ein Auto in dem Fenster von einer Sekunde zum Vordermann befindet, stand zur Debatte – was nicht nach dem Geschmack Brawns gewesen sein dürfte, der sich in der Vergangenheit für die Abschaffung des Systems stark gemacht hatte. Die Überholmanöver seien zu künstlich, so der Tenor aus dem Liberty-Lager.

 

 

Dazu ging es um eine Vereinfachung des Frontflügels, um die Autos beim Hinterherfahren in der sogenannten "dirty Air" weniger sensibel zu machen. Die komplizierten Aufbauten an den seitlichen Endplatten würden verboten werden. Es würde aber bedeuten, dass in die Technik investiertes Geld verbrannt wäre. Auch eine Änderung für 2020 ist den Teams zu kostspielig, weil ein neuer Frontflügel für nur eine Saison hätte entwickelt werden müssen, wenn 2021 bei den Vorschriften ohnehin eine große Zäsur folgt.

Ein Ausweg bleibt der Formel 1: Die Strategiegruppe könnte sich – nach den informellen Diskussionen in der Technischen Arbeitsgruppe – doch auf einige der skizzierten Maßnahmen einigen und sie der Formel-1-Kommission zur Beschlussfassung vorlegen. Anschließend müssten sie vom Motorsport-Weltrat der FIA verabschiedet werden. Deadline ist der 30. April, falls im Jahr 2019 etwas geschehen soll.

Brawn scheint weiter hinter den Vorschlägen zu stehen: "Wenn wir den Frontflügel vereinfachen würden, würde es in die richtige Richtung gehen. Alles, was wir in den vergangenen Jahren unternommen haben, war kontraproduktiv", sagt er im Gespräch mit 'Sky Sports F1'.

 

 

Doch Mercedes-Sportchef Toto Wolff zweifelt an Vorteilen für das Überholen: "In der Technischen Arbeitsgruppe wurde nicht klar genug dargestellt, dass das der Fall gewesen wäre. Ich will die Karten nicht neu mischen, komplett neue Autos entwickeln lassen und schauen, ob es etwas bringt. Das wurde in der Vergangenheit zu häufig getan."

Auf andere Punkten einigten sich die Technikchefs hingegen in Bahrain: eine Abschaffung der Schlitze in den Heckflügel-Endplatten und niedrigere, dafür aber längere Luftleitbleche zwischen Vorderachse und Seitenkasten. So soll mehr Platz für gut sichtbare Sponsorenaufkleber entstehen – nicht aber auf einem Segel im Bereich der Motorabdeckung und hinter der Airbox. Seine Wiedereinführung wurde abgelehnt.

Weitere konsensfähige Ideen: verschärfte Belastungstests für die Verbindung zwischen Frontflügel und Nase sowie ein Verbot, die Auspuff-Endrohre nach oben anzuwinkeln und mit ihnen den Heckflügel anzuströmen. Ein Rückschlag für die Renault-Mannschaft, die sich zuletzt dieses Tricks bediente.

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Tags 2019, regeln, réglement, überholen