Valtteri Bottas: Neun Jahre Druck? "Frisst dich irgendwann auf"

Valtteri Bottas hat bei Alfa Romeo erstmals in seiner Formel-1-Karriere einen langfristigen Vertrag erhalten - Wie der Druck ihn all die Jahre belastete

Valtteri Bottas: Neun Jahre Druck? "Frisst dich irgendwann auf"
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Dass die neue Situation für Valtteri Bottas in der Formel 1 eine Befreiung ist, daraus machte der Finne schon einige Male keinen Hehl. Endlich bekam er ab 2022 bei Alfa Romeo einen mehrjährigen Vertrag in der Königsklasse, nachdem er von Mercedes über all die Jahre nur mit Einjahresverträgen ausgestattet worden war. Und auch zuvor bei Williams hatte Bottas nie diese Planungssicherheit.

Doch wie stark dieser Leistungsdruck und der alljährliche Kampf um seinen Job tatsächlich an ihm zehrten, das gab Bottas im offiziellen Formel-1-Podcast 'Beyond the Grid' preis. "Man versucht, sich selbst davon zu überzeugen, dass es keinen Einfluss hat und alles Negative auszublenden. Aber all die Nebengeräusche, die in der Formel 1 passieren können, helfen nicht", sagt Bottas.

Vor allem während seiner Zeit bei Mercedes sah sich Bottas jährlich mit potenziellen Nachfolgern konfrontiert. "Das ist eine Ablenkung, aber man versucht, diese Ablenkung zu minimieren. Ich war öfters nicht in einer einfachen Situation, mit den Verträgen, mit den Gesprächen und den Nebengeräuschen", schildert er offen.

Wolff: Druck kann Diamanten erschaffen

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat bereits öfters seinen Führungsstil so erklärt, dass Druck nicht zwingend etwas Negatives sein müsse. Druck könne auch Diamanten erschaffen, so das Credo des Österreichers. Eine Ansicht, die Bottas zu einem gewissen Grad teilt. "Für eine gewisse Zeit ist Druck eine gute Sache und er kann mehr aus dir herausholen", sagt Bottas einerseits.

Andererseits jedoch gibt der 32-Jährige zu: "Wenn du neun Jahre lang während deiner Formel-1-Karriere kontinuierlich Druck hast, Jahr für Jahr, dann frisst es dich irgendwann innerlich auf."

Wolff selbst glaubt, dass Bottas der stete Druck gutgetan habe. Allerdings sei die Situation für Bottas eher aufgrund seines Teamkollegen Lewis Hamilton problematisch gewesen. "Ich denke, dass auch die Jahre mit Lewis sehr anstrengend sein können", sagt Wolff.

Bottas habe teilweise grandiose Rennwochenenden wie dieses Jahr in der Türkei gehabt. "Aber dann gibt es manchmal Schwankungen, und ich frage mich, ob das am Druck liegt oder an einem anderen Phänomen. Aber das lässt sich leicht sagen, wenn dein Teamkollege Lewis Hamilton ist, ein siebenfacher Weltmeister, und du Höhen und Tiefen hattest", so Wolff weiter.

Bottas nach Mercedes-Aus "befreit"

Seit feststeht, dass Bottas im kommenden Jahr nicht mehr für Mercedes fahren und durch George Russell ersetzt wird, bemerkt der Finne bei sich eine deutliche Befreiung. "Ich bin freier und habe weniger Druck, es fühlt sich fast so an, als wäre eine Last von meinen Schultern gefallen", sagt er.

So etwas habe er "nie zuvor erlebt", dass er sich auf ein neues Abenteuer langfristig fokussieren könne. "Normalerweise war es so, dass ich sechs Monate um meinen Sitz kämpfen musste. Jetzt einfach dieses Vertrauen zu haben von einem Team, das genau weiß, dass ich mehrere Jahre mein Bestes geben werde, fühlt sich einfach gut an", betont er. Inzwischen könne er sich schlicht auf seinen Job konzentrieren.

Doch mit dem Abgang von Mercedes wird sich Bottas auch von regelmäßigen Platzierungen an der Spitze der Formel 1 verabschieden müssen. Sofern Alfa Romeo keine Wunderwaffe für 2022 gelingt, lautet die Realität dann wohl eher Kampf um Punkte. Das große Ziel WM-Titel hat er bei Mercedes nie erreicht. Spürt er deshalb eine Enttäuschung?

Verpasster WM-Titel eine Art "Versagen"

"Natürlich, ja", gibt er zu: "Seit ich ein Kind war, war es mein Traum und mein Ziel. Ich hatte dieses Ziel immer vor Augen und es war mein Antrieb, hart zu arbeiten. Alles, was ich in diesem Sport mache, dreht sich nur darum: Ich will Weltmeister werden."

Entsprechend spüre er eine Art "Versagen, dass ich das mit Mercedes nicht geschafft habe. Aber auf der anderen Seite habe ich alles versucht und alles gegeben. Es sollte einfach nicht sein, zumindest bis jetzt noch nicht", sagt Bottas.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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