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Vasseur bremst Titel-Debatte: Wird Ferrari jetzt auf Hamilton setzen?

Lewis Hamilton ist zurück im Titelkampf, doch Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur will von einer Nummer-1-Debatte nichts wissen

Vasseur bremst Titel-Debatte: Wird Ferrari jetzt auf Hamilton setzen?

Frederic Vasseur hält nichts von einer Nummer-1-Diskussion bei Ferrari

Foto: circuitpics.de circuitpics.de

Lewis Hamiltons Sieg beim Großen Preis von Barcelona-Catalunya hat die Diskussion um Ferraris Titelchancen neu entfacht. Nach schwierigen Monaten gelang dem siebenmaligen Weltmeister sein erster Grand-Prix-Erfolg für die Scuderia, womit er sich in der Fahrerwertung auf Platz zwei nach vorne schob.

Plötzlich stellt sich eine Frage, die Ferrari lange nicht beantworten musste: Sollte das Team seine Ressourcen nun auf Hamilton konzentrieren und den Briten zur klaren Nummer eins im Titelkampf machen? Teamchef Frederic Vasseur wollte von dieser Debatte unmittelbar nach dem Rennen allerdings nichts wissen.

Vasseur verweigert sich der Nummer-1-Diskussion

Nach Hamiltons Sieg wurde der Franzose direkt gefragt, ob Ferrari bereit sei, alles auf den Briten zu setzen, falls sich die Chance auf dessen achten WM-Titel konkretisieren sollte. Vasseur reagierte zurückhaltend. "Ich bin nicht sicher, ob ich auf diese Art von Frage antworten möchte", erklärte der Ferrari-Teamchef.

Der Grund dafür liegt vor allem im bisherigen Saisonverlauf. Noch vor wenigen Wochen habe sich die öffentliche Wahrnehmung komplett anders dargestellt. "Vor zwei Wochen hieß es noch, alles sei eine Katastrophe. Und jetzt sprechen wir über die Weltmeisterschaft."

Für Vasseur ist genau diese Denkweise problematisch. "Das wäre der schlechteste Ansatz, den ich verfolgen könnte."

Ferrari will sich nicht vom Titelkampf treiben lassen

Der Franzose macht deutlich, dass er sich nicht von Momentaufnahmen leiten lassen möchte. Barcelona sei zwar ein wichtiger Erfolg gewesen, ändere aber nichts an der grundsätzlichen Arbeitsweise des Teams. "Der Ansatz ist, nach Österreich mit exakt derselben Herangehensweise zu fahren wie nach Barcelona."

Prognosen über den Titelkampf lehnt Vasseur deshalb kategorisch ab. "Ich werde jetzt nicht anfangen, über die Meisterschaft nachzudenken oder mir auszumalen, was passiert, wenn wir noch 25 Rennen gewinnen."

Die Aussage zeigt, wie sehr Ferrari bemüht ist, die Euphorie nach dem ersten Saisonsieg zu kontrollieren. Intern weiß man zwar, dass das Upgrade-Paket einen großen Schritt nach vorne gebracht hat, doch gleichzeitig liegen noch immer 15 Grands Prix vor dem Team.

Hamilton plötzlich Ferraris Speerspitze

Trotz Vasseurs Zurückhaltung sprechen die Zahlen eine klare Sprache. Noch vor wenigen Rennen lag Hamilton lediglich auf Rang fünf der Weltmeisterschaft. Nach den Podiumsplätzen in Monaco und Kanada sowie dem Sieg in Barcelona hat sich die Situation deutlich verändert.

Der Brite überholte in der Gesamtwertung Lando Norris, Charles Leclerc und George Russell und rückte auf Platz zwei vor. Vor allem innerhalb des Teams ist die Entwicklung bemerkenswert. Während Hamilton zuletzt konstant punktete, verlor Leclerc mit zwei Ausfällen deutlich an Boden. Der Monegasse liegt inzwischen rund 40 Punkte hinter seinem Teamkollegen zurück.

Leclerc erlebt schwierige Wochen

Für Leclerc kam die Trendwende zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. In Monaco schied er nach einem Bremsproblem aus, in Barcelona sorgte ein Unfall im Qualifying für einen weiteren Rückschlag. Im Rennen verhinderten anschließend mutmaßliche Hydraulikprobleme ein besseres Ergebnis.

Während Hamilton das Potenzial des neuen Upgrade-Pakets voll ausschöpfen konnte, verlief das Wochenende für Leclerc enttäuschend. Der Monegasse selbst zeigte sich nach dem Rennen dennoch sportlich. "Es ist großartig für das Team und großartig für Lewis", sagte er.

Vor allem die Entwicklungsarbeit der Mannschaft hob er hervor. "Das Team hat enorm gepusht, um die Upgrades zu bringen, und es scheint zu funktionieren." Sein eigener Anspruch ist jedoch klar. "Jetzt muss ich dort oben mit ihm kämpfen. Das war seit Kanada nicht mehr der Fall."

Villeneuve fordert klare Priorisierung

Während Vasseur die Diskussion vermeiden möchte, sieht Jacques Villeneuve die Situation deutlich eindeutiger. Der Weltmeister von 1997 ist überzeugt, dass Ferrari die Entscheidung eigentlich bereits treffen müsste. "Ferrari muss sich auf Lewis konzentrieren, wenn sie eine kleine Chance auf den Titel haben wollen", erklärt Villeneuve.

Die Rechnung des Kanadiers ist simpel: Hamilton befindet sich mitten im Titelkampf, Leclerc dagegen hat bereits deutlich an Boden verloren. "Die Entscheidung ist einfach, weil Leclerc ziemlich weit zurückliegt." Bemerkenswert ist diese Einschätzung auch deshalb, weil Villeneuve in den vergangenen Jahren zu den schärfsten Kritikern Hamiltons gehörte.

Vom Kritiker zum Befürworter

Noch Ende 2025 hatte Villeneuve argumentiert, Hamilton habe viele seiner WM-Titel unter besonders günstigen Umständen gewonnen. Damals stellte er sogar die Frage, ob der Brite nach den schwierigen Jahren bei Mercedes überhaupt noch in der Lage sei, ein Team um sich herum aufzubauen.

Nach den vergangenen Wochen hat sich seine Meinung offenbar grundlegend geändert. "Lewis weiß, wie man gewinnt", sagt Villeneuve heute. Und genau darin sieht er den entscheidenden Unterschied. "Wenn er eine Chance riecht, dann gibt es keine Geschenke."

Nach Ansicht des Kanadiers hat Hamilton inzwischen genau das geschafft, woran viele zunächst gezweifelt hatten: Er habe sich das Team zu eigen gemacht und die Strukturen bei Ferrari zunehmend auf seine Bedürfnisse zugeschnitten.

Gleichzeitig spart Villeneuve nicht mit Kritik an Leclerc. Der Kanadier glaubt, dass Ferrari seinen langjährigen Stammfahrer über Jahre hinweg zu sehr geschützt habe. "Leclerc hatte Zeit, das Team um sich herum aufzubauen, und er hat es nicht getan."

Nach Villeneuves Ansicht profitierte der Monegasse lange davon, dass Ferrari ohnehin kein ernsthafter Titelkandidat war. Einige Rennsiege und Siege gegen die jeweiligen Teamkollegen hätten genügt, um seine Position intern zu festigen. Mit Hamiltons Wiedererstarken habe sich die Situation jedoch grundlegend verändert. "Leclerc war nicht darauf vorbereitet", urteilt Villeneuve.

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