Verstappen weicht Frage nach "Aggressions-Vorteil" im WM-Duell aus

Keine Zurückhaltung, weil im Vorteil nach Punkten? Wie Max Verstappen auf die Frage nach der Aggressivität im Titelkampf gegen Lewis Hamilton reagiert

Verstappen weicht Frage nach "Aggressions-Vorteil" im WM-Duell aus

Nur Max Verstappen hat beim Saudi-Arabien-Grand-Prix in Dschidda die Möglichkeit, die Formel-1-WM 2021 vorzeitig für sich zu entscheiden. Denn er liegt vorne in der Fahrerwertung - und könnte deshalb auch mehr riskieren in einem etwaigen direkten Duell mit seinem Titelrivalen Lewis Hamilton auf der Strecke.

Auf die entsprechende Frage, ob er das in sein weiteres Vorgehen werde einfließen lasse, sagte Verstappen in der Pressekonferenz von Dschidda aber schlicht: "Ich denke natürlich gar nicht darüber nach. Ich konzentriere mich hier nur darauf, die beste Leistung aus mir und dem Auto herauszuholen. Und dann sehen wir, wo wir damit landen."

Valtteri Bottas als Mercedes-Teamkollege von Hamilton kann sich ohnehin nicht vorstellen, dass ein Fahrer im Zweikampf den "Taschenrechner" anwerfen würde: "In dieser Situation würde Max eher nicht berechnen, was das für die Gesamtwertung bedeuten könnte", sagt Bottas. Sein Fazit: "Es ändert also wohl nichts daran, wie wir unsere Rennen fahren."

Bottas selbst gibt an, "so hart und professionell wie möglich" fahren zu wollen bei den beiden noch ausstehenden Grands Prix. "Wir alle wissen ja: In dieser Meisterschaft ist jeder einzelne Punkt sehr wichtig." Man werde daher alles für die eigene Chancenmaximierung tun, aber auch den Respekt vor dem Gegner bewahren, versichert Bottas.

Verstappen: Einfach so weitermachen wie bisher

Und auch Verstappen betont: Er werde in Saudi-Arabien einfach an seine bisherige Saison anknüpfen und "nichts anders" machen als sonst. O-Ton: "Es ist eine neue Strecke, die wir im ersten Traning erstmal kennenlernen müssen. Aber ansonsten konzentriere ich mich an diesem Wochenende darauf, so schnell wie möglich zu sein."

Die Berichterstattung rund um seine Person und den WM-Titelkampf mit Hamilton lasse ihn kalt. Gleiches gelte für die verbalen Sticheleien zwischen den Teamchefs Christian Horner bei Red Bull und Toto Wolff bei Mercedes. "Ich verhalte mich da sehr neutral, lese weder das Positive noch das Negative", meint Verstappen. "Ich lese generell nicht zu viel und beschäftige mich lieber mit anderen Dingen."

Das bedeute nicht, dass ihm die Formel 1 egal sei, fügt Verstappen hinzu. "Natürlich konzentriere ich mich darauf und gehe auch abseits der Rennstrecke meinen Aufgaben nach, sitze im Simulator. Es gibt aber auch andere Sachen, die mich beschäftigen. Und das hilft viel."

Warum 2020 "langweilig" war für Verstappen

Außerdem sei das gesamte Red-Bull-Team "sehr motiviert" für den Endspurt in der Formel-1-Saison 2021. Es sei bisher schon ein "großartiges Jahr" für ihn und seine Mannschaft gewesen, sagt Verstappen. Man habe gemeinsam schon viel erreicht und "Spaß gehabt".

"Vergangenes Jahr ist ziemlich langweilig gewesen, weil ich praktisch immerzu Dritter geworden bin, auch wenn ich [im Rennen mal] einen zusätzlichen Stopp eingelegt habe. Da ist nicht viel passiert, weil ein Team eben sehr, sehr dominant war. Dieses Jahr haben wir die Trendwende geschafft, indem wir unser Auto verbessert haben. Dass wir bis zum Ende im Titelkampf stecken, ist sehr beeindruckend für uns."

Für ihn und Red Bull gehe es daher vorrangig darum, die Grands Prix in Saudi-Arabien und in Abu Dhabi "noch zu genießen", so Verstappen. Vom möglichen WM-Titelgewinn spricht er gar nicht, sondern meint: "Es spielt keine Rolle, wie es ausgeht. Wir hatten als Team eine wirklich gute Saison. Darauf kann man sehr stolz sein."

WM-Duell mit Hamilton "gut für den Sport"

Man habe es schließlich geschafft, das bisher dominierende Mercedes-Team über eine Saison hinweg zu fordern. "Wir hatten es jedes Jahr darauf abgesehen, sie zu schlagen. Und wenn es dieses Jahr möglich ist, dann wären wir hochzufrieden", sagt Verstappen. "Aber: Wann auch immer du die WM gewinnst, es ist immer eine herausragende Leistung."

Aber würde sein möglicher Titelgewinn gegen Hamilton nicht einen besonderen Stellenwert haben, weil er ihn gegen den erfolgreichsten Formel-1-Fahrer bisher erzielen würde? Laut Verstappen ist dieses Szenario vor allem etwas, was die Saison 2021 für die Öffentlichkeit interessant macht. Das Duell Verstappen vs. Hamilton sei "gut für den Sport".

Verstappen erklärt: "Da tritt ein junger Kerl gegen den mehrmaligen Weltmeister an. Das an sich ist schon sehr aufregend. Mir selbst ist es egal, ob ich gegen jemanden in meinem Alter fahre oder ob er einen WM-Titel hat oder nicht. Wir beide sind gute Fahrer. Einer mag vielleicht etwas mehr Glück haben, über längere Zeit in einem guten Auto zu sitzen. Das mindert aber nicht, dass er ein klasse Fahrer ist."

Vorteil Hamilton, weil erfahren im Titelkampf?

Er sehe aber nicht notwendigerweise einen Vorteil bei Hamilton, nur weil dieser bereits etliche Male einen Formel-1-Titelkampf bestritten hat. "Ich glaube aber nicht, dass es einen Riesenunterschied macht", meint Verstappen. "Sonst hätte sich das bereits während der Saison bemerkbar gemacht."

Max Verstappen, Lewis Hamilton

In der Saison 2021 kam es schon mehrfach zu engen Szenen zwischen Hamilton und Verstappen

Foto: Motorsport Images

"Als Fahrer lernst du ohnehin ständig dazu. Du lernst, indem du Erfahrungen machst. Damit wirst du nicht automatisch schneller, aber vielleicht versteht du besser, wie du mit manchen Situationen umzugehen hast und kannst dich besser darauf vorbereiten."

Deshalb halte er sich selbst "nicht notwendigerweise für einen stärkeren Fahrer" als 2020, sagt Verstappen weiter. Begründung: "Schon vergangenes Jahr hatte ich eine sehr gute Saison. Du lernst aber natürlich jedes Jahr dazu, was du besser machen kannst. Das hat bisher wirklich gut funktioniert. Ich bin ziemlich konstant unterwegs gewesen und bin zufrieden mit meiner Leistung."

"Man ist aber nie völlig zufrieden. Selbst wenn du ein Rennen gewinnst, fragst du dich: Was hätte noch besser laufen können? Ich schaue immer nach vorne, wie es noch besser gehen könnte."

Für das bevorstehende Rennen in Saudi-Arabien aber beschäftige ihn vor allem ein Gedanke: "Dass wir hoffentlich konkurrenzfähig sind", so Verstappen. Er sagt weiter: "Eine solche Strecke schafft unterschiedliche Möglichkeiten für alle hier, nicht nur für uns. Für eine Einschätzung ist es aber noch zu früh."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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