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Vettel nimmt Ferrari in Schutz: "Finde nicht fair, das Team zu kritisieren"

Sebastian Vettel fährt im Monaco-Qualifying auf den vierten Platz, fast wäre allerdings schon in Q1 Endstation gewesen - Vorderreifen das große Problem

Vettel nimmt Ferrari in Schutz: "Finde nicht fair, das Team zu kritisieren"

Für Sebastian Vettel hätte das Monaco-Qualifying schon fast im ersten Abschnitt geendet. Mit einem späten zweiten Versuch kegelte er hingegen noch seinen eigenen Teamkollegen aus dem Zeittraining. Am Ende muss er sich mit Startplatz vier begnügen.

"Sorry! Ich habe alles versucht. In Kurve 12 habe ich es verloren", funkt Vettel kurz nach seiner Q3-Runde. Am Ende schafft er eine 1:10.947 Minuten, damit ist er um 0,781 Sekunden langsamer als Lewis Hamilton.

In der angesprochenen Kurve 12, Tabac, touchierte er die Leitplanke mit dem rechten Hinterrad. Schon zuvor verschätzte sich Vettel zweimal auf der engen Strecke und küsste die Mauer. Am Vormittag setzte er den SF90 in der ersten Kurve in die Tecpro-Barriere.

In Q1 "Strecke deutlich schneller verbessert" als erwartet

"Der Zwischenfall heute Vormittag hat damit nichts zu tun. Da will ich die Schuld nicht abschieben. Am Nachmittag musste ich in den ersten beiden Runden erst wieder in den Rhythmus kommen", gesteht er. Sein Vorteil dabei ist sein großer Erfahrungsschatz auf dem Kurs.

Bereits im ersten Qualifying-Abschnitt lag Ferrari im Hintertreffen. Vettel befand sich gut vier Minuten vor Sessionende auf dem zehnten Rang. Doch die Strecke verbesserte sich so stark, dass er innerhalb von zwei Minuten aus den Top 15 purzelte.

Ein schneller zweiter Versuch rettete ihn vor dem vorzeitigen Aus. Damit besiegelte er allerdings auch das Schicksal seines Teamkollegen Charles Leclerc. Der Monegasse wurde durch Vettels verbesserte Zeit rausgekegelt.

 

Während Experten, wie Alexander Wurz, von einer "Fehleinschätzung" der Ferrari-Crew sprechen, verteidigt Vettel seine Mannschaft. "Ich finde das nicht fair, das Team so zu kritisieren", hält er fest.

"Ich denke, im ersten Qualifying-Abschnitt hat sich die Strecke deutlich mehr verbessert, als wir es hätten erahnen können. So wurde dann jeder zum Ende hin noch einmal deutlich schneller. Das war dann natürlich eng, den Reifensatz draufzumachen und rauszufahren war die richtige Entscheidung."

Ferrari sei nicht das einzige Team gewesen, dass mit einer solch starken Verbesserung nicht gerechnet habe, betont der Heppenheimer. "Aber bis zu dem Zeitpunkt waren die anderen einfach schneller." Und das sei Ferraris großes Problem gewesen.

"Mit den Reifen tun wir uns extrem schwer"

Wie ein roter Faden habe sich die fehlende Pace durch das Qualifying gezogen, analysiert Vettel. Wieder sei der SF90 "einfach nicht schnell genug" gewesen. Den Speed, den Leclerc im dritten Training zeigte, konnte man nicht reproduzieren. Zwar liegt Ferrari bei den Topspeeds (291,6 km/h Spitzenwert) deutlich voran, in den Kurven verlieren die Roten jedoch enorm viel Zeit.

"Das ist das Problem, dass wir rein- und rausfallen aus diesem Fenster." Konkret meint Vettel damit das Arbeitsfenster der Pirelli-Reifen. Selbst auf der weichsten Mischung (C5) schafft es die Scuderia nicht, das optimale Temperaturfenster zu treffen.

"Mit den Reifen tun wir uns extrem schwer. Wir probieren sehr viele Sachen und manchmal scheint es uns auf die richtige Fährte zu locken und dann wieder nicht. Ich glaube, es liegt einfach daran, dass das Produkt sehr schwer zu verstehen ist", übt Vettel leise Kritik am Reifenhersteller. Pirelli-Manager Mario Isola hat sich bereits zur Wehr gesetzt.

 

Foto: Andy Hone / LAT Images

Er verstehe nicht, warum man Ferrari Probleme bereiten soll. Alex Wurz schildert im 'ORF' konkrete Bereiche, die die Reifentemperatur beeinflussen können. Zum einen sei das mechanische Set-up dafür verantwortlich, aber auch die Geometrie, die Bremsen, die Kühlung oder auch der Luftfluss durch die Felgen.

"Da gibt's viele Dinge, die mitspielen. Der Wurm ist drinnen, aber die Temperatur nicht", fasst der Österreicher pointiert zusammen. Interessant: In den Vorjahren war dies ausgerechnet Mercedes' Schwäche. Die haben die Silberpfeile nun ausgemerzt.

"Sie bekommen den Vorderreifen relativ gut und schnell in dieses berühmte Temperaturfenster. Und wenn du das irgendwo brauchst, dann hier. Als Fahrer, dass du dich wohlfühlst beim Einlenken. Da muss die Vorderachse da sein", weiß Wurz.

Sechs Zehntelsekunden Rückstand im Durchschnitt

"Speziell die Vorderreifen haben für uns heute nicht funktioniert", bestätigt Vettel. Er schildert, dass er das Auto auf der Vorderachse nicht "gespürt" habe und nicht merken konnte, wo er wie viel Grip zur Verfügung habe.

"Ich glaube, dass war bei anderen nicht so der Fall und kam dann irgendwie natürlicher zustande. Wir tun uns da im Moment schwer, wir fallen manchmal rein- und raus aus diesem Fenster und verstehen noch nicht so ganz, warum das so ist."

Die Konkurrenz, vor allem Mercedes, schaffe es hingegen regelmäßiger, die Reifen zu verstehen. Die Statistik zeigt: Ferrari hat in den fünf Rennen (exklusive Bahrain) im Durchschnitt sechs Zehntelsekunden Rückstand im Qualifying aufgerissen.

 

Foto: Zak Mauger / LAT Images

"Wenn unser Auto vielleicht insgesamt ein bisschen besser funktionieren würde, was es jetzt noch nicht tut, woran wir mit Hochdruck arbeiten, dann würden wir uns leichter tun mit den Reifen."

Derzeit fühle er sich "wie in einem Teufelskreis", manchmal erwische er das Arbeitsfenster, manchmal nicht. "Und deswegen kommen dann so Sachen zustande, wofür man im Nachhinein dann kritisiert wird oder solche Fragen gestellt bekommt."

In der Hitze des Gefechts könne es eben passieren, dass man fast an Q1 scheitert. "Auch wenn's nicht gut aussieht." Der vierfache Champion appelliert daher an sein Team: "Wir müssen uns das noch genauer anschauen. Das ist eben derzeit so. Wir müssen das akzeptieren, auch wenn wir das nicht wollen."

Mit Bildmaterial von LAT.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Event Monte Carlo
Subevent Qualifying
Fahrer Sebastian Vettel
Teams Ferrari
Urheber Maria Reyer