Vettel übt Öko-Kritik: Formel 1 muss sich kontrollieren lassen!

Sebastian Vettel findet, dass sich die Formel 1 bei der Gestaltung des Rennkalenders 2023 nicht an ihre eigenen Versprechen gehalten hat

Vettel übt Öko-Kritik: Formel 1 muss sich kontrollieren lassen!
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Sebastian Vettel wird 2023 zwar nicht mehr selbst als Rennfahrer mit der Formel 1 um die Welt reisen, hat aber trotzdem Kritik am neuen Terminkalender geübt. Dieser halte sich nicht an das Versprechen, die Rennen so zu planen, dass die CO2-Bilanz der Logistik rund um die Formel 1 minimiert werden kann, sagt er.

Die ursprüngliche Idee war, die Rennen nach geografischen Gesichtspunkten zu gruppieren, um zum Beispiel die Transportwege zu reduzieren und auch zu ermöglichen, dass das Personal der Formel 1 etwa bei Übersee-Back-to-Backs nicht jedes Mal nach Hause fliegen muss, sondern auch mal vor Ort bleiben und so CO2 eingespart werden kann.

Doch das scheint den Verantwortlichen nur sehr bedingt gelungen zu sein. So wurden am Saisonbeginn zwei Wochen Pause zwischen den Nachbarländern Bahrain und Saudi-Arabien eingeplant, im April/Mai gibt's ein fragwürdiges Back-to-Back mit Baku in Aserbaidschan und Miami in den USA, und am Saisonende eins mit Las Vegas und Abu Dhabi.

Besonders der Saisonbeginn im Nahen Osten ist Vettel ein Dorn im Auge: "Alle gehen dorthin und fliegen drei Wochen hintereinander wieder nach Hause. Verstehe ich auch, denn die meisten haben ihre Familie zu Hause. Man kann nicht erwarten, dass die Leute gleich mal acht Wochen hintereinander vor Ort bleiben."

Vettel zeigt Verständnis für Schwierigkeiten

Dass die Formel 1 nicht nur auf maximalen Umwelt- und Klimaschutz achten kann, sondern auch wirtschaftliche Überlegungen in Betracht ziehen muss, versteht Vettel: "Das Interesse an der Formel 1 wächst, und damit auch die Möglichkeiten, damit Geld zu verdienen. Aber wenn ich mir die ersten drei Rennen anschaue, hätte man halt viele Flüge einsparen können."

Die Aufgabe, den Rennkalender zu planen, ist für die Formel 1 komplex. Termine können nicht beliebig vergeben werden, sondern sind oftmals an nationalen Feiertagen oder Ferien auszurichten, oder auch aufgrund von zu erwartenden Wetterbedingungen.

Dazu kommt, dass die lokalen Promoter mutmaßlich wenig Freude damit haben, wenn nur eine Woche später in unmittelbarer Nähe schon wieder ein Rennen angesetzt ist. Das macht es schwieriger, die Tickets zu verkaufen. Zwei geografisch nahe gelegene Grands Prix zeitlich weiter auseinander zu legen, ergibt rein in dieser Hinsicht mehr Sinn.

Wäre eine Prüfstelle der richtige Weg?

Vettel fordert nun, dass eine unabhängige Prüfstelle damit beauftragt werden sollte, die Klimaversprechen der Formel 1 zu überprüfen: "Große Organisationen, egal ob im Business oder im Sport, brauchen eine andere Organisation, die sie kontrolliert. Und wenn sie sich nicht an das halten, was sie sich selbst auferlegen, dann braucht's Konsequenzen."

"Auf ein Plakat oder auf einen Zettel Papier kann ich viel hinschreiben. Das klingt dann alles wunderbar. Aber was, wenn sich niemand dran hält? Was passiert dann?", hält Vettel der Formel 1 einen Spiegel vor.

Er geht weiter und sagt: "Oder nehmen wir das Pariser Klimaabkommen. Die Länder unterschreiben eine Vereinbarung, dass die globale Erwärmung eineinhalb Grad nicht überschreiten darf. Aber was, wenn sie das nicht schaffen, was sind dann die Konsequenzen? Ja, da gibt's Maßnahmen, aber dann treten die Länder halt einfach aus dem Abkommen aus, wenn sie wollen."

Übersetzt auf die Formel 1 würde das seiner Meinung nach bedeuten: "Die transparenteste Art und Weise wäre, ein Organ zu finden, das sie kontrolliert, eine externe, unabhängige Instanz, die sich genau anschaut, ob die Ziele erreicht werden oder nicht. Ich finde, das ist die einzig glaubwürdige Art und Weise, das zu regeln."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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