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Viel Drama für 30 Meter: Das kuriose F1-Debüt von Perry McCarthy

Bei Andrea Moda hatte Perry McCarthy nie eine faire Chance auf ein Formel-1-Rennen: So chaotisch verlief sein erster Qualifying-Versuch in Barcelona 1992

Verschlafen, verbrannt, gestrandet: Die Barcelona-Odyssee des Perry McCarthy

Perry McCarthy kam bei seinem ersten F1-Versuch nur wenige Meter weit

Foto: Mike Mike

Perry McCarthy gilt als einer der unglücklichsten Piloten der Formel-1-Geschichte - obwohl er nie an einem Formel-1-Rennen teilnahm. Der Brite versuchte zwar mehrfach, sich für einen Grand Prix zu qualifizieren, allerdings hatte er die wohl schwierigsten Umstände zu meistern, denen sich je ein Pilot stellen musste. Denn im Grunde schien sein Team gegen ihn zu arbeiten.

McCarthy schloss sich 1992 dem Team Andrea Moda an, das als einer der schlechtesten Rennställe der Geschichte gilt. Zur kurzen Einordnung: Das Team hatte seine beiden Stammfahrer nach den ersten beiden Rennen gefeuert, weil sie die Vorbereitung kritisiert hatten - Andrea Moda hatte an keinem dieser Rennen überhaupt teilnehmen können.

Also bekam McCarthy einen Anruf, der sich nach einem Start in den üblichen Nachwuchsformeln als Sportwagenpilot in den USA einen Namen gemacht hatte. Er sollte neben Roberto Moreno einer der neuen Stammfahrer werden.

Doch auch beim nächsten Rennen in Brasilien war sein Auto nicht fertig, sodass der Brite keinen einzigen Meter fahren konnte. In Spanien sollte allerdings McCarthys große Chance auf den ersten Formel-1-Einsatz kommen. Zunächst stand dafür aber das Pre-Qualifying am Freitag an, bei dem es darum ging, ob man überhaupt zum Qualifying zugelassen wird.

Kein fertiges Auto, kein Luxushotel

Noch am Tag zuvor war das Auto aber wieder einmal nicht fertig, sodass McCarthy Zweifel bekam, ob er früh um 8 wirklich auf die Strecke gehen kann. "Ich habe gewartet und gewartet und gewartet, und es wurde 22:30 Uhr. Ich dachte mir: 'Herrje, ich soll morgen früh um 8 Uhr auf der Strecke sein. Ich muss langsam mal zurück ins Hotel'", erinnert er sich im Podcast Beyond the Grid.

Teameigner Andrea Sassetti, eigentlich ein Schuhdesigner, der das Team von Coloni gekauft hatte, willigte schließlich ein, dass McCarthy quer durch Barcelona zum Hotel gefahren wird.

Perry McCarthy (Andrea Moda)

Andrea Moda arbeitete nicht gerade wie ein professionelles Team

Foto: Motorsport Images

"Jedenfalls bin ich in meiner Luxusunterkunft vorgefahren - ich bin ja jetzt ein Formel-1-Superstar, versteht sich", sagt er. "Ich komme also an meinem Hotel an und erwarte Wunder und Reichtümer, öffne die Tür, und das Zimmer, in dem ich übernachten sollte, hatte etwa sieben Betten. Ich und das ganze Team übernachteten also im selben Zimmer. Ich musste lachen."

Das sei ihm aber in dem Moment völlig egal gewesen. McCarthy legte sich hin und nach und nach kam auch der Rest des Teams zum Hotel. "Ich dachte mir: 'Ich fahre dann morgen früh mit dem Team mit.'"

Doch als er morgens aufwachte, war die Überraschung groß: Keiner war mehr da.

Im Eiltempo durch Barcelona

"Ich rief unten an der Rezeption an und fragte: 'Wie spät ist es?' Sie sagten: 'Halb acht.' Und ich sollte um 8 Uhr auf der Strecke sein, wusste nicht, wo ich war, und habe mich schneller gewaschen und angezogen als Superman, glaub mir", schildert er.

"Ich bin die Treppe runtergerannt, in völliger Panik. Wie professionell bin ich eigentlich? Bei meinem ersten Grand Prix tauche ich nicht mal auf. Alles geht schief. Ich stehe da und denke: 'Oh mein Gott, wie kriege ich ein Auto? Wie kriege ich ein Auto?' Niemand half mir."

In dem Moment kam Sassettis Bruder herein, der gerade aus einem Nachtclub kam, und brachte McCarthy an die Strecke - und das auf spezielle Weise. "Sie haben den falschen Fahrer gewählt; sie hätten ihn unter Vertrag nehmen sollen", meint McCarthy. "Der Typ war wahnsinnig. Wir sind mit Vollgas quer durch Barcelona geheizt. Über rote Ampeln, über alles, bam - wir hielten vor dem Fahrerlager."

"Ich bin durchs Paddock gerannt, direkt zur Rückseite des Trucks, habe mich umgezogen, bin runtergerannt", erzählt der damalige Andrea-Moda-Fahrer weiter. Punkt acht Uhr war er in der Garage. "Mein Herz schlug mit 200 Schlägen pro Minute. Ich sprang ins Auto, wurde festgeschnallt und alles." Und dann? Nichts.

Viel Drama für ... nichts.

"Sie kriegten das Auto nicht gestartet", sagt er. "Also sprühten sie Unmengen an Starthilfe-Spray in die Airbox. Mengenweise, Mengen, Mengen", so der Brite. "Es war so viel, dass sich beim Anlassen des Motors das ganze Zeug in der Airbox entzündete. Ein Lichttunnel aus Flammen schoss um meinen Kopf und das Cockpit herum heraus."

"Sie warfen dann Decken über mich, um das Feuer zu löschen. Dann hoben sie die Decken ab, kriegten den Motor zum Laufen und sagten: 'Okay, fahr los.'

Im Nachhinein beschreibt McCarthy sein erstes Formel-1-Abenteuer als eine eigene Version von Kevin - Allein zu Haus. "Ich wäre fast bei mehreren Unfällen quer durch Barcelona gestorben, um rechtzeitig da zu sein. Dann saß ich im Auto, sie hätten mich fast verbrannt, und nun war es an der Zeit, rauszufahren und zu versuchen, mich für meinen ersten Grand Prix überhaupt zu qualifizieren."

"Ich rollte aus der Garage, kam an die [Boxenausfahrt-]Linie. Ich versuchte, mich zu beruhigen. Mein Herz flatterte wie ein wilder Motor. Und sie sagten: 'Los.' Ich fuhr über die Linie, der Motor ging aus, das Auto rollte aus und blieb stehen - das war's."

"Ich stieg aus dem Auto aus und starrte es einfach nur an. Ich erinnere mich, wie ich aufblickte und ein Teil von mir einfach nur lachte und dachte: 'Ich kann das einfach nicht glauben.'"

Immerhin ein Rekord ...

Dabei hatte sich McCarthy im Vorfeld immer eingeredet, dass er Rekorde aufstellen würde, wenn er einmal in die Formel 1 kommt. "Das habe ich jedem gesagt, und ich habe es getan", lacht er. "Der kürzeste Versuch aller Zeiten, sich für einen Grand Prix zu qualifizieren: Ich glaube, es waren 30 Meter."

Teamkollege Moreno kam immerhin drei Runden weit, bevor sein Motor den Geist aufgab und er es in McCarthys Auto noch einmal versuchen durfte - erfolglos. Am Ende fehlten ihm mehr als elf Sekunden auf die Bestzeit der Session - in einem Feld aus sechs Autos, die sich erst für das Qualifying qualifizieren müssen.

Roberto Moreno und Perry McCarthy (Andrea Moda)

Roberto Moreno und Perry McCarthy fuhren 1992 für Andrea Moda

Foto: LAT Images (Getty Images)

Doch das sollte erst der Anfang einer wahren Leidenszeit von McCarthy in der Formel 1 sein, dessen Auto eher als Ersatzteillager für seinen Teamkollegen herhalten musste und der teilweise viel zu spät oder mit Regenreifen bei trockenen Bedingungen herausgeschickt wurde, um die vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen.

Andrea Moda wurde von der FIA gewarnt, McCarthy eine ernsthafte Chance auf eine Qualifikation zu geben, doch in Belgien baute man ihm eine beschädigte Lenkung ein, die man bei Moreno ausgebaut hatte - einen schweren Unfall konnte der Brite in Raidillon gerade so vermeiden. Es sollte der letzte Auftritt von McCarthy und Andrea Moda in der Formel 1 sein: Das Team wurde gesperrt.

Keine Reue bei McCarthy

Heute blickt der 65-Jährige mit einem Lachen darauf zurück. Er sei nie auf andere neidisch gewesen und sehe sich auch nicht als armen Kerl, wie er häufig bezeichnet wird. "Ich glaube immer, dass die Dinge da draußen sind, damit man sie sich holt oder eben nicht. Das ist alles", sagt er.

"Es ging schief. Pech gehabt. Staub abwischen, aufstehen, weitermachen. Und ich blicke selbst auf diese wahnsinnigen Dinge zurück, fange an zu lachen und denke nur: 'Oh mein Gott'", so McCarthy.

Immerhin sind er und das Team so in Erinnerung geblieben, weil es eben so unglaublich schlecht war. "Wir waren nicht einfach nur irgendwo auf Platz 15 oder 16 im Mittelfeld unterwegs und haben meine Karriere so beendet", sagt er.

"Bei mir war es wohl eher 'Alles oder Nichts'. Ich glaube fast, ich war dazu bestimmt, entweder unglaublich erfolgreich zu sein oder eben die Karriere zu haben, die ich letztlich hatte."

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