Völlig neues Fahren: Was Formel-1-Ingenieure plötzlich fordern
Das neue Formel-1-Reglement bringt komplexes Energiemanagement - und deutlich mehr Funkverkehr zwischen Ingenieuren und Fahrern während der Rennen
Max Verstappen mit seinem Renningenieur Gianpiero Lambiase
Foto: Getty Getty
Mit dem großen Reglementwechsel 2026 verändert sich nicht nur die Technik der Formel-1-Autos - auch die Arbeitsweise der Fahrer wird komplexer. Besonders das Energiemanagement rückt stärker in den Mittelpunkt. Dadurch steigt auch der Funkverkehr zwischen Fahrer und Renningenieur deutlich an.
Darauf weisen mehrere Teamvertreter nach den ersten Testfahrten hin. Vor allem der deutlich größere Anteil elektrischer Energie in den neuen Antrieben stellt Teams und Fahrer vor neue Herausforderungen.
50 Prozent elektrische Energie: Neue Komplexität im Cockpit
Wie komplex die neue Generation der Formel-1-Autos ist, erklärt Racing-Bulls-CEO Peter Bayer: "Die Wichtigkeit vom elektrischen Anteil, der jetzt am Motor dabei ist - 50 Prozent sind ja elektrische Energie", sagt er bei Sky. Genau daraus entstehe eine völlig neue Komplexität für Fahrer und Team.
"Für den Fahrer geht es vor allem um die Energie: Wann muss er aufladen, wie muss er aufladen und wann verwendet er diese Energie?"
Gerade in der Anfangsphase könne es dabei auch zu Problemen kommen. Bei einem Testlauf trat etwa ein Softwareproblem auf, das zunächst für Schwierigkeiten sorgte. Die Lösung war letztlich vergleichsweise simpel: "Im Prinzip so wie so oft bei diesen Geräten: Ausschalten, einschalten, neu programmieren - dann geht es wieder."
Mehr Funkverkehr während der Runden
Das komplexere Energiemanagement führt auch dazu, dass Fahrer stärker von ihren Ingenieuren unterstützt werden müssen. Gerade zu Beginn der Tests sei der Funkverkehr deutlich intensiver gewesen.
"Am Anfang ging sehr viel Kommunikation in Richtung Fahrer", erklärt Bayer. Erst mit zunehmender Erfahrung sei es ruhiger geworden. "Der Fahrer fängt an zu verstehen, wo er Performance rausholen kann."
Dabei ändern sich auch klassische Fahrmuster. Selbst Brems- und Beschleunigungspunkte können sich verschieben. "Die Bremspunkte sind zum Teil anders", sagt Bayer. "Für Fahrer, die die Strecken vom letzten Jahr kennen, verändert sich viel von den Verhaltensmustern."
Zusätzlich kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Nach einer schnellen Runde muss der Fahrer teilweise sofort wieder mit hoher Drehzahl fahren, um den Ladevorgang für die Batterie zu starten. "Es ist komplexer", gibt Bayer zu - ergänzt aber: "Ich habe das Gefühl, dass es funktioniert und langsam in Schwung kommt."
Simulator wird zum Schlüssel der Vorbereitung
Durch diese neue Komplexität gewinnt auch die Vorbereitung im Simulator weiter an Bedeutung. "Wir versuchen noch mehr Zeit im Simulator zu verbringen, weil es wirklich um diese Prozesse geht", erklärt Bayer. Fahrer und Ingenieure müssten dort lernen, die Energieflüsse und Abläufe im Auto perfekt zu koordinieren.
Auch die Technik der Simulatoren entwickelt sich stetig weiter. "Die Modelle werden von Jahr zu Jahr besser", sagt Bayer. Mittlerweile helfe sogar künstliche Intelligenz dabei, die Simulationen weiter zu verbessern.
Dass Simulatorarbeit immer wichtiger wird, bestätigt auch Ferrari-Botschafter Marc Gene. Aus Gesprächen mit den Fahrern habe sich vor allem ein Thema herauskristallisiert: Energie.
"Der größte Unterschied ist, dass es viel Feedback von den Ingenieuren an die Fahrer gibt, darüber, wie sie die Energie besser nutzen können", erklärt Gene. Manchmal gebe der Ingenieur sogar sehr konkrete Anweisungen: "Zum Beispiel, wie er starten soll, wo er Vollgas geben kann oder wie er eine bestimmte Kurve fahren soll."
Das könne sich für den Fahrer teilweise ungewohnt anfühlen. "Manchmal fragt der Fahrer sogar: 'Warum willst du, dass ich das so mache?‘ Deshalb wirkt manches Fahrverhalten nicht immer ganz natürlich."
Strategiearbeit wichtiger als Fahrzeugentwicklung
Die Vorbereitung im Simulator hat sich dadurch ebenfalls verändert. Früher stand häufig die Fahrzeugentwicklung im Mittelpunkt - heute geht es stärker um Strategie und Abläufe.
"Simulatoren dienen heute nicht so sehr der Autoentwicklung, sondern der Strategieentwicklung", erklärt Gene. Gerade bei eng getakteten Rennwochenenden könne das entscheidend sein.
Deshalb verbringen die Fahrer inzwischen deutlich mehr Zeit im Simulator als früher. Während früher meist ein Vorbereitungstag pro Rennen üblich gewesen sei, habe sich das inzwischen deutlich ausgeweitet. "Ich erinnere mich, Charles und Lewis oft in Maranello gesehen zu haben", sagt Gene. "Viel mehr als letztes Jahr im Simulator."
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