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Formel 1 Monza

Warum die Startplatzstrafe für Antonelli eigentlich ein Glücksfall ist

Kimi Antonelli muss bei seinem Heimrennen in Monza von hinten starten, doch ausgerechnet die Strafe könnte dem Mercedes-Fahrer gleich doppelt helfen

Ronald Vording

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Bearbeitet: 03.09.2026, 19:10

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Warum die Antonelli-Strafe für Mercedes zum Glücksfall werden könnte

Mercedes-Fahrer Kimi Antonelli bei seiner Ankunft in Monza 2026

Foto: LAT Images

Kimi Antonelli bestreitet an diesem Wochenende sein erstes Heimrennen mit einem Auto, das potenziell siegfähig ist. Doch eine Strafversetzung in der Startaufstellung nimmt vor seinem Heimpublikum sofort Druck von ihm. Sie könnte sogar verhindern, dass sich das Szenario von 2024 wiederholt.

Es ist eine Geschichte, über die die Mercedes-Pressesprecher noch immer lachen können: Vor zwei Jahren verkündete Toto Wolff Antonellis Aufstieg in die Formel 1 mehr oder weniger vorzeitig - während Wolffs inzwischen berühmter Medienrunde mit der niederländischen Presse in Zandvoort.

Die Atmosphäre bei diesen Gesprächen in kleiner Runde ist immer ungezwungen. Das niederländische Wort "gezellig" könnte sogar passend sein. Doch Wolff sollte die Neuigkeit natürlich nicht schon eine Woche vor der eigentlich geplanten Bekanntgabe in Antonellis Heimatland ausplaudern.

Der große Wirbel um Antonelli 2024 in Monza

Verständlicherweise stürzten sich alle Anwesenden sofort auf die Antonelli-Schlagzeile. Für die Mercedes-Pressesprecher bedeutete das einige Telefonate - unter anderem mit dem Autor dieses Textes, der bereits drei Anrufe verpasst hatte, während er das tägliche Fahrerlager-Video aufzeichnete. Zu diesem Zeitpunkt war die Geschichte bereits bei Autosport erschienen, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com und Formel1.de bei Motorsport Network.

Denn eigentlich sollte der große Moment für den Grand Prix von Italien aufgehoben werden. Und so kam es eine Woche später in Monza auch: Die Mercedes-Hospitality war bei der Medienrunde mit Antonelli brechend voll. Passend zum Anlass durfte Antonelli einen Tag später außerdem bei seinem ersten Formel-1-Training ans Steuer des Mercedes W15.

Wie das endete, ist bekannt. Angetrieben von einer Mischung aus jugendlichem Enthusiasmus und dem Wunsch, sich auf heimischem Boden sofort zu beweisen, flog Antonelli bereits nach zehn Minuten in der "Parabolica"-Kurve ab. Bei seinem Unfall wurde eine Belastung von nicht weniger als 52 g gemessen. Wolff räumte anschließend ein, es sei ein Fehler gewesen, Antonelli ausgerechnet in Monza sein Trainingsdebüt zu ermöglichen.

Wie Toto Wolff den Unfall damals kommentierte

Der Österreicher scherzte, das Auto habe ausgesehen wie eine Lego-Kiste, die auf den Boden gefallen sei. Ernsthafter fügte er jedoch hinzu, dass solche Zwischenfälle bei einem Rookie zu erwarten seien und das Team seine eigene Entscheidung ebenfalls hinterfragen müsse.

"Solche Momente passieren, und sie werden auch im nächsten Jahr weiter passieren. Aber es wird auch viele Höhepunkte geben", sagte Wolff damals.

"Ich glaube, heute haben wir gesehen, dass unser Problem vielleicht eher darin bestehen könnte, ihn einzubremsen, als ihn schneller zu machen. Denn was wir in eineinhalb Runden gesehen haben, war erstaunlich."

Warum Wolff heute von Antonelli überrascht ist

Zwei Jahre später sieht die Situation ganz anders aus, und Antonelli hat bereits enorme Fortschritte gemacht. Ja, 2025 verlief genau so, wie Wolff es in seinem damaligen Zitat vorhergesagt hatte: Glanzmomente wechselten sich mit Rookie-Fehlern und Wochenenden ab, an denen sich Antonelli sehr schwertat.

2026 hat Antonelli jedoch einen Schritt nach vorne gemacht, der selbst Wolff überraschte. Der 54 Jahre alte Teamchef bezeichnete Antonellis Entwicklung als eine der größten Überraschungen seiner Formel-1-Karriere. Angesichts all dessen, was Wolff im Fahrerlager bereits erlebt hat, ist das eine bemerkenswerte Aussage.

Im Rückblick kann er diesen enormen Entwicklungsschritt allerdings erklären: "Wenn ich es analysiere und mich frage, warum er in den Nachwuchsserien und im Kartsport einen so guten Ruf hatte, dann glaube ich, dass es an seiner Verarbeitungsgeschwindigkeit liegt", erklärte Wolff.

"Ich glaube, er brauchte einfach den Winter [von 2025 auf 2026], um alles zu verarbeiten. Warum war es gut? Warum war es schlecht? Was muss ich tun? Und das bedeutet, dass es jetzt einfach ums Fahren und um die Vorbereitung geht, anstatt wie 2025 wie ein Reh im Scheinwerferlicht dazustehen und sich zu fragen: 'Was passiert hier gerade?' Aber ja, es ist noch immer eine der wirklich schönen Überraschungen."

Weil Antonelli inzwischen alles schon einmal erlebt hat, ist er nach Wolffs Worten nicht mehr "wie ein Reh im Scheinwerferlicht". Der Antonelli, der die Weltmeisterschaft inzwischen mit 59 Punkten Vorsprung anführt, ist als Fahrer und als Mensch deutlich erfahrener als jener Youngster, der vor zwei Jahren in der "Parabolica" so heftig verunglückte.

Unter welchem Druck Antonelli wirklich steht

Den enormen Druck in Italien gibt es dennoch. Zugegeben: Noch größer ist dieser Druck bei Ferrari. Doch auch im Zusammenhang mit Antonelli hat Wolff seit Jahresbeginn immer wieder darüber gesprochen.

Es war kein Zufall, dass Wolff der italienischen Presse nach Antonellis erstem Formel-1-Sieg in China gleich vorgab, wie die Schlagzeilen am nächsten Tag lauten sollten: "piedi per terra" - beide Füße auf dem Boden.

Nach Ansicht des Mercedes-Teamchefs würde niemand von dem ganzen Hype profitieren. Doch genau dieser Hype droht nun zu entstehen, da Antonelli erstmals mit einem potenziell siegfähigen Auto vor heimischem Publikum antritt.

Wie anders die Ausgangslage 2026 ist

Obwohl Antonelli inzwischen deutlich reifer ist, birgt der zusätzliche Druck eines Heimrennens weiterhin das Risiko einer Wiederholung des Szenarios von 2024. Die Startplatzstrafe nimmt dieser Gefahr jedoch viel von ihrer Brisanz.

Wie sehr die Strafe den Druck reduzierte, zeigte sich auch deutlich bei Antonellis Medienrunde mit der italienischen Presse vor dem Monza-Wochenende. Ohne die Startplatzstrafe hätten sich die Fragen der heimischen Presse verständlicherweise vor allem um einen möglichen Sieg vor eigenem Publikum gedreht.

Diesmal lauteten die ersten beiden Fragen stattdessen:

"Hast du inzwischen eine klarere Vorstellung davon, welches Ergebnis du an diesem Wochenende anpeilen kannst, wenn du vom Ende der Startaufstellung losfährst?"

"Das Qualifying wird für dich keine besonders große Bedeutung haben. Weil der Windschatten auf dieser Strecke so wichtig ist: Könnte man dich bitten, George zu helfen?"

Warum Mercedes die Strafe in Monza in Kauf nimmt

Das veränderte die gesamte Gesprächsdynamik und nahm Druck von Antonelli. Die Strafe könnte sich damit als Glück im Unglück erweisen. Allerdings muss betont werden, dass die Entscheidung, die Strafe ausgerechnet in Monza in Kauf zu nehmen, in erster Linie strategische Gründe hat.

Überholen ist hier vergleichsweise einfach - mit den 2026er-Autos wahrscheinlich sogar unnatürlich einfach. Die kommenden Rennen eignen sich dagegen weniger dafür, vom Ende des Feldes zu starten: Madrid ist eine große Unbekannte, Baku ist chaotisch, Malaysia ist bei seiner Rückkehr in den Formel-1-Kalender ebenfalls ein Fragezeichen, und beim Sprint-Wochenende in Singapur ist Überholen praktisch unmöglich.

Hinzu kommt, dass Mercedes bereits das ADUO-Upgrade berücksichtigt, das im Oktober eingeführt werden soll. Weil in Monza nun sämtliche Komponenten gewechselt werden, muss Antonelli nach eigener Aussage später nur noch eine Startplatzstrafe von fünf Positionen hinnehmen, um das ADUO-Upgrade einsetzen zu können.

Das sind natürlich die Hauptgründe dafür, die Startplatzstrafe für Antonelli ausgerechnet im "Temple of Speed" in Kauf zu nehmen - wobei angesichts der 2026er-Autos vielleicht "Temple of Losing Speed" die passendere Bezeichnung wäre.

Dass der junge Italiener damit bereits entlastet wurde, bevor er an diesem Wochenende auch nur einen einzigen Meter gefahren ist, kann zumindest als willkommener Nebeneffekt bezeichnet werden.

Wie Antonelli die besondere Situation wahrnimmt

Antonelli sieht das ganz ähnlich - allerdings mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er am Medientag vor dem Italien-Grand-Prix erklärte: "Es hilft natürlich, den Druck abzubauen. Es entspannt mich. Ich gehe etwas lockerer ins Wochenende, aber ich würde natürlich viel lieber um die Poleposition kämpfen und von vorne starten."

Gleichwohl weiß er die besondere Ausgangslage zu schätzen: "Wir können dieses Mal etwas anderes ausprobieren und vor allem im Freien Training eine andere Arbeitsweise verfolgen - weil wir [durch die Strafversetzung] die Gelegenheit dazu haben. Ich glaube, damit kann ich das Fahren an diesem Wochenende auch mehr genießen", sagte Antonelli.

Der aktuelle WM-Spitzenreiter ist dennoch auf Erfolg gepolt. Er wolle das Ergebnis "maximieren", kündigte Antonelli an. "Wenn es gut läuft", dann könne am Sonntag noch ein Top-5-Resultat für ihn herausspringen. "Das hängt von unserer Pace und von den Abständen zwischen den Autos ab. Wir werden sehen."

Theoretisch sei er durch die frischen Antriebskomponenten und das spezielle Energiemanagement in Monza sogar im Vorteil: "Die verfügbare Energie ist besonders knapp. Es gibt viele Stellen, an denen man die Energie unterschiedlich einsetzen kann. Deshalb bietet uns Monza die besten Chancen, uns durch das Feld zu arbeiten. Wir hielten es für die beste Lösung. Hoffentlich geht diese Rechnung auf."

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