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Warum die Magie von Monaco in der Formel 1 immer noch da ist

Inmitten der viel diskutierten Schwächen der Formel 1 2026: Diese Autos durch die Straßen von Monaco jagen zu sehen, war dennoch so beeindruckend wie eh und je

Warum die Magie von Monaco in der Formel 1 immer noch da ist

In Monaco kann man die Formel-1-Autos noch richtig erleben

Foto: circuitpics.de circuitpics.de

Wir wollen euch nicht mit den üblichen Monaco-Floskeln und -Klischees langweilen, aber die Zeit, in der die Straßen von Monte Carlo groß genug für Grand-Prix-Rennsport waren, ist längst vorbei - sowohl mit Blick auf das Spektakel auf der Strecke als auch auf die ständig wachsenden Gästescharen, die dem Personal die Arbeit erschweren, das einfach nur seinen Job machen will.

Es gibt viele praktische Gründe, warum Monaco nicht funktionieren sollte, und viele kommerzielle Gründe, warum es funktioniert. Doch während die Gespräche über den Feinschliff des Reglements für 2026 andauern, bot der Blick auf die echten Autos an der Strecke eine willkommene Erinnerung an Monacos Daseinsberechtigung im Kalender mit seinen 24 Rennen.

Nirgendwo kommt man den Autos so nah wie in den engen Gassen dieses glitzernden Urlaubsortes, was einen privilegierten Einblick in das bietet, womit es die Fahrer wirklich zu tun haben.

Im Tunnel spürt man die Kraft

Beim Gang durch die Fußgängerzone hinter Portier bahnen wir uns den Weg vorbei an Anwohnern, die genüsslich ihre Linguine alle Vongole schlürfen und dem ersten Freien Training auf dem Fernseher hinter ihnen kaum Beachtung schenken.

Der Aufstieg über die Stufen hinauf zu Mirabeau lohnt sich jedoch, denn dort lässt sich wirklich beobachten, wie die Autos auf drei Rädern balancieren, während die Innenseite der Strecke abfällt. Die Leitplanken fast touchierend, peitschen die Fahrer ihre Autos um die Fairmont-Haarnadelkurve, bevor sie den Gehweg nutzen, um das Auto in Richtung des berühmten Tunnels zu positionieren.

Nico Hülkenberg (Audi R26) beim Formel-1-Rennen in Monaco 2026

Im Tunnel wird die Kraft der Formel-1-Fahrzeuge noch spürbar

Foto: circuitpics.de

Die heutige Motorenformel mag viel leiser sein als in vergangenen Zeiten, aber wer durch den klaustrophobischen Tunnel geht, kommt an dem widerhallenden Brüllen der V6-Power-Units nicht vorbei. Colapinto, Sainz, Piastri, Lindblad - sie alle jagen ihre 1.000 PS kurz nacheinander um die blinde Kurve. Eine urwüchsige, fast schon vulgäre Zurschaustellung von Kraft.

Weiter geht es hinunter zur Nouvelle Chicane, während die Autos aus den langen Schatten des Tunnels auftauchen. Hier erwacht die Jubiläumslackierung von McLaren, die auf dem Papier eher unspektakulär wirkte, erst richtig zum Leben, wenn ihre metallic-orangefarbenen Töne in der Sommersonne glitzern.

Millimeterarbeit gefragt

Wenn man auf dem schmalen Kai steht, der die Strecke von einer Reihe von Luxusyachten trennt, zeigt sich die enge Schikane als einer der Orte, an denen die 2026er-Fahrzeuggeneration sichtlich lebendiger wirkt als ihre Vorgänger, da die etwas kleineren und leichteren Boliden flink über die hohen Randsteine jagen.

Wie Audis Gabriel Bortoleto später im Qualifying demonstrieren sollte, ist nichts weniger als absolute Millimeterarbeit gut genug, da die kleinste Berührung der Leitplanken katastrophale Folgen haben kann.

Doch von da an wird es nicht einfacher, denn eine weitere blinde Kurve in der Tabac führt hin zur mächtigen Schwimmbad-Passage, dem neuesten Filetstück Monacos, das als Heimat für luxuriöses Sponsoren-Branding dient.

Irgendwie fühlt es sich surreal an, an der Außenseite des ersten Vollgasknicks zu stehen - als ob unser Unterbewusstsein uns sagen wollte, dass die rasanten Richtungswechsel, die die Autos vollziehen, physikalisch eigentlich unmöglich sein sollten.

Es folgt die Rascasse, Anthony Nogues und die Start-Ziel-Gerade, die jedoch nur eine sehr kurze Atempause bietet, bevor die tückische Sainte Devote und die geschwungene Bergaufpassage zum opulenten Casino erneut volle Konzentration voraussetzen.

Fahrer unter Strom

"Es bringt Adrenalin mit sich, Stress", sagte ein strahlender Pierre Gasly, als wir ihn baten, zu beschreiben, wie es sich wirklich anfühlt, diese perfekte Qualifying-Runde hinzulegen, die ihn ins Q3 brachte - ein Gefühl, das Normalsterbliche niemals erleben werden.

"Es steht viel auf dem Spiel, weil man nicht wirklich mit Kerbs oder Tracklimits spielt. Man spielt mit Mauern. Du versuchst einfach, diesen einen Meter später zu bremsen, etwas früher ans Gas zu gehen und die paar Zentimeter Spielraum zu nutzen, die du am Ausgang zur Mauer hast. Ich stehe immer noch unter Strom, bin immer noch voller Adrenalin."

Nicht einen Moment lang haben wir in diesem Augenblick an Motorenformeln, Superclipping oder Batteriemanagement gedacht.

Dieser Fahrzeuggeneration könnten noch weitere Probleme bevorstehen, wie die scharfe Kritik von Fernando Alonso und Lando Norris nach dem Qualifying zeigte. Viele ihrer seltsamen Fahreigenschaften sind nach wie vor in den engen Grenzen des Cockpits verborgen, selbst wenn sie für das bloße Auge nicht direkt sichtbar sind.

Aber nach Wochen und Monaten, in denen über dieses Reglement gesprochen, geschrieben und gelesen wurde, war es erfrischend, dass all dieses Gerede vom urwüchsigen Motorensound übertönt wurde.

Für einen Moment ist alles vergessen

Das Erlebnis an der Strecke von Monaco war eine willkommene Erinnerung daran, warum wir hier sind. Warum Monaco trotz all seiner vielen Schwächen immer noch einen Platz im Kalender hat und warum die Fahrer in dem, was sie tun, so einzigartig gut sind.

Es zeigt auch, warum ein Charles Leclerc als Kind voller Begeisterung seinem Jugendidol Michael Schumacher dabei zusah, wie er im roten Auto durch die Straßen fegte, in der Hoffnung, dem großen Deutschen eines Tages nachzueifern - und warum es im Jahr 2024 eine so emotionale Reaktion hervorrief, genau das zu tun.

Das Beste am Erlebnis an der Strecke von Monaco ist, dass man kein privilegiertes Medien-Leibchen braucht, um nah am Geschehen zu sein, da man selbst als normaler Zuschauer zwangsläufig hautnah dabei ist. Diesen Freitag an der Strecke zu verbringen, war eine wohltuende Medizin für einen erschöpften Formel-1-Fan. Für eine Stunde war die Welt völlig in Ordnung.

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