Warum Lewis Hamilton nach P3 immer noch guter Dinge ist

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Warum Lewis Hamilton nach P3 immer noch guter Dinge ist
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper
31.03.2019, 08:17

Ferrari hat das Rennwochenende in Bahrain bisher dominiert, aber Lewis Hamilton sieht Indizien, die dafür sprechen, dass Mercedes gewinnen kann

Nach dem Mercedes-Doppelsieg in Australien setzte es für die Silberpfeile im Qualifying zum Grand Prix von Bahrain im Duell mit dem großen Konkurrenten Ferrari die erste Niederlage der Saison 2019. Lewis Hamilton hatte am Ende 0,324 Sekunden Rückstand auf Polesetter Charles Leclerc. Nach dem Verlauf des Wochenendes fast ein moderater Abstand.

In Q1 hatte Hamilton noch 0,767, in Q2 0,532 Sekunden eingebüßt. Aber während sich Ferrari das ganze Wochenende (bereits am Freitag) konsequent auf das Qualifying vorbereitete und von Beginn an mit leistungsstärkeren Motorenmodi unterwegs war, drehte Mercedes das "Dampfrad" erst dann voll auf, als es in Q3 um die Startpositionen ging.

Ferrari habe in Bahrain ein "unglaubliches Tempo" angeschlagen, sagt Hamilton. "Aber das bedeutet nicht, dass wir sie nicht schlagen können." Die Bestzeit von Leclerc, gibt er zu, "hätte ich nicht fahren können. Aber die drei Hundertstel auf Sebastian, die wären drin gewesen." Das scheint ihn jedoch nicht weiter zu stören: "Die Punkte gibt's im Rennen."

Und für das ist man bei Mercedes durchaus optimistisch. Der Longrun von Valtteri Bottas am Freitag war der konstanteste im Feld. Und einer der schnellsten. Leclerc konnte speziell zu Beginn seiner Stints teilweise schneller fahren. Aber der Reifenverschleiß scheint nicht zu den Stärken des 2019er-Ferrari zu gehören.

Reifen im Rennen der entscheidende Faktor?

"Im Rennen wird es morgen mehr auf den Abbau und die Haltbarkeit der Reifen ankommen als auf die ultimative Pace", vermutet Andrew Shovlin, der leitende Renningenieur des Mercedes-Teams. "Mit unseren Rennvorbereitungen waren wir zufrieden." Und: Mercedes sehe "eine Reihe an Strategiemöglichkeiten", sagt er.

 

Teamchef Toto Wolff erklärt: "Wenn du es schaffst, mit einem Stopp auszukommen, kann das eine sehr schnelle Strategie sein. Aber auch mit zwei Stopps gibt es mehrere Möglichkeiten mit dem Medium und dem Soft." Letztendlich werde in der Wüstenhitze viel davon abhängen, "wie lang du den ersten Stint ausdehnen kannst". Und da sehen viele Mercedes im Vorteil.

2018 war Sieger Sebastian Vettel eigentlich auf eine Zweistoppstrategie gepolt. Diese wurde jedoch während des Rennens umgestellt. Der Ferrari-Pilot fuhr 39 Runden auf einem Reifensatz - und verteidigte sich im Finish gegen den heranstürmenden Bottas, der trotz besserer Reifen keine zwingende Attacke mehr reiten konnte.

"Der Unterschied zum vergangenen Jahr", sagt Bottas, "ist der Asphalt. Der wird jedes Jahr ein bisschen rauer. Und wir haben jetzt dünnere Laufflächen auf den Reifen. In der Theorie sollte die Lebensdauer der Reifen also kürzer sein." Mit einem Stopp durchzukommen, schätzt er daher als "sehr schwierig" ein.

Die erste Chance für Mercedes, glaubt er, ist der Start. Da sollte Vettels Vorteil gegenüber Hamilton überschaubar sein. Hamilton steht auf der richtigen, sauberen Seite der Startaufstellung. Das macht gerade im verstaubten Bahrain einiges aus.

Und dann sei die große Frage, "wie viel Leistung sie im Rennen fahren können", sagt Bottas. "Im Training war unser Renntempo sehr gut, vor allem auf dem weichen Reifen. Unser Abbau war sicher nicht schlechter als bei den anderen. Ich glaube, dass wir ein gutes Tempo gehen und um den Sieg kämpfen können. Aber heute war Ferrari schneller."

Mercedes fehlen fünf km/h Topspeed

Woran das lag, schlüsselt die Topspeed-Tabelle auf. Vettel wurde mit 327,7 km/h Spitze "geblitzt". Am gleichen Messpunkt war Hamilton um fünf km/h langsamer. "Wir verlieren alleine auf den Geraden eine halbe Sekunde", befürchtet Toto Wolff. Und Hamilton sagt: "Die waren auf den Geraden richtig schnell. Da haben wir unsere Zeit verloren."

Denn in den Kurven, das belegen die GPS-Daten von Mercedes, ist der Silberpfeil in Bahrain eines der schnellsten Autos - wenn nicht das schnellste. Drei DRS-Zonen sollten im Rennverlauf den Jägern mehr helfen als den Gejagten. Aber mit dem Topspeed-Defizit hat Mercedes nicht die beste Ausgangslage. Also soll es über den Reifenverschleiß gehen.

"Ich habe noch einen extra Reifensatz", zählt Hamilton auf. Vettel hatte seinen wegen einer schlecht getimten ersten Runde bereits in Q2 verballert. Der Weltmeister analysiert: "Im ersten Sektor verlieren wir zwei, drei Zehntel nur auf der Geraden. Das ist signifikant. Aber Valtteris Renntempo am Freitag war besser. Auf dem Soft war es der beste im Feld. Daher glaube ich, dass wir im Rennen besser aussehen werden."

"Ich weiß ehrlich nicht, wo unsere Performance hingekommen ist", sagt Hamilton. "Viel liegt auf den Geraden - wenn nicht sogar alles. Irgendwie haben sie da mehr Topspeed gefunden. Aber unser Auto fühlt sich gut an. Diese Strecke hat unserem Auto die letzten Jahre nie besonders gut gelegen. So gesehen war das heute kein so schlechtes Ergebnis."

Und: Bahrain war bisher Bottas-Land - der Finne hatte auf dieser Strecke bis 2019 noch nie ein teaminternes Qualifying-Duell verloren. "Das ist eine meiner schwächeren Strecken", räumt Hamilton ein. "Darum bin ich auch so gut gelaunt: Ich war am Freitag drei Zehntel hinter Valtteri und habe das heute umgedreht."

"Das Rennen im Vorjahr", erinnert er sich, "war stark. Ich hatte eine Getriebestrafe, sonst hätte ich besser mitkämpfen können. Bahrain ist ein sehr, sehr hartes Rennen. Hart für die Reifen, körperlich anstrengend - und auch eine Herausforderung für das Auto. Ich hoffe, dass es ein aufregendes Rennen wird. So oder so."

Mit Bildmaterial von LAT.

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