Warum Max Verstappen nicht an eine Überraschung in Madrid glaubt
Bleibt Max Verstappen ein ganzes Jahr ohne Formel-1-Sieg? Diese Möglichkeit rückt immer näher, zumindest glaubt er in Madrid nicht an ein Wunder
Max Verstappen gibt sich keinen Illusionen über einen Erfolg hin
Foto: circuitpics.de circuitpics.de
Als Max Verstappen während der niederländischen Medienrunde in Monza gefragt wurde, ob er inzwischen befürchte, in dieser Formel-1-Saison vielleicht keinen einzigen Sieg einzufahren - was das erste Mal seit seinem Debütjahr 2015 der Fall wäre -, folgte eine vielsagende Antwort: "So etwas werde ich natürlich nie laut sagen."
Im vergangenen Jahr hatte Verstappen diese Aussage allerdings tatsächlich getätigt - und scheinbar hat es funktioniert. Nach diesem Statement fuhr der Red-Bull-Pilot in der zweiten Saisonhälfte bei jedem Grand Prix aufs Podium und verpasste seinen fünften Weltmeistertitel in Folge am Ende um mickrige zwei Punkte.
Verstappen weiß jedoch besser als jeder andere, dass die Ausgangslage in diesem Jahr eine völlig andere ist und eine Wende nahezu ausgeschlossen scheint. Eine komplette Saison ohne einen einzigen Sieg - zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt - ist daher ein realistisches Szenario.
"Jedes Mal, wenn ich im Auto sitze, hole ich das Maximum heraus. Wenn sich die Chance bietet, ein Rennen zu gewinnen, werde ich natürlich alles auf eine Karte setzen", sagt er. "Aber so wie die Dinge im Moment stehen, ist diese Chance nicht besonders groß."
Eine neue Rennstrecke bringt naturgemäß zusätzliche Fragezeichen mit sich. Der Fokus richtet sich dabei schnell auf Ausnahmefahrer wie Verstappen, Fernando Alonso oder Lewis Hamilton, die sich extrem schnell anpassen und daraus einen Wettbewerbsvorteil ziehen können.
"Man braucht immer noch ein schnelles Auto"
Verstappen bezweifelt jedoch, ob ihm rund um den IFEMA-Komplex in Madrid etwas Besonderes gelingen kann - selbst wenn der Kurs als Rennstrecke beschrieben wird, auf der der Fahrer mehr bewirken kann als etwa in Monza.
"Ich meine, man kann die Geschichte so schön schreiben, wie man möchte, oder? Fahrerstrecke hin oder her: Am Ende des Tages braucht man in der Formel 1 immer noch ein schnelles Auto."
Das gilt nicht nur für den Madring, sondern für Verstappens gesamte Saison. Der Niederländer ist überzeugt, dass er auf einem extrem hohen Niveau fährt, sich das in den Ergebnissen aber schlicht nicht widerspiegelt: "Als Fahrer fühle ich mich dieses Jahr gut, aber ich gewinne eben keine Rennen. Heiße das etwa, dass ich ein schlechter Fahrer oder nicht schnell genug bin? Ich glaube kaum."
"Es ist nicht so, dass man plötzlich viel besser abschneidet, nur weil das hier mehr eine Fahrerstrecke ist als Monza oder sonst wo", meint der Niederländer.
Verstappen: Madring kann gefährlich sein
Im Vorfeld des ersten Grand Prix auf dem Madring drehten sich viele Diskussionen um die Gefahren des Kurses. Der Formel-3-Test brachte nicht weniger als 19 Rote Flaggen hervor, während Williams-Teamchef James Vowles den neuesten Kalenderzuwachs als echten "Materialzerstörer" bezeichnete.
Auf die Frage, ob der Madring wirklich so gefährlich sei, antwortet Verstappen: "Nun, das könnte er durchaus sein. An manchen Stellen kann schon ein winziger Rutscher im Crash enden. Aber ich meine: Dschidda ist genauso, und darüber haben wir in der Vergangenheit auch schon gesprochen."
"Man muss damit umgehen und versuchen, die Limits auszuloten, um das Auto unter Kontrolle zu halten. Aber klar: Wenn man am absoluten Limit unterwegs ist, passiert ein kleiner Fehler extrem schnell."
Verstappen erwähnt Dschidda keineswegs ohne Grund. Aus seiner Sicht ist das der treffendste Vergleich zum Madring - ein weiterer Straßenkurs, auf dem jeder Fahrfehler gnadenlos bestraft wird: "Vom Fahrgefühl her: Ja. Natürlich gibt es hier deutlich mehr langsame Kurven, aber das Gesamtgefühl ist dem recht ähnlich, ja."
Mauern mit Dschidda vergleichbar
Red-Bull-Ersatzfahrer und temporärer Teamkollege Liam Lawson zieht denselben Vergleich - vor allem wegen der vielen blinden Kurven, die beide Kurse charakterisieren: "So wie diese Straßenkurse gebaut sind, folgen die Mauern einfach dem Streckenverlauf, wodurch die Sicht an vielen Stellen extrem eingeschränkt ist", erklärt der Neuseeländer am Donnerstag.
"Es gibt viele schnelle, flüssige Passagen, hinter denen sich Schikanen verstecken, die man vorher nicht einsehen kann. Dschidda hat davon zwar noch mehr als dieser Kurs, aber in gewisser Weise ist es vergleichbar."
Viele Streckenabschnitte des Madrings könnten den Fahrern zum Verhängnis werden, doch die Schikane aus den Kurven 5 und 6 sticht als eine der kniffligsten hervor: "Wenn man den ersten Kerb zu hart räubert, wird das Auto über den zweiten Kerb katapultiert - und von dort direkt in die Mauer. Es ist extrem schwer, in so einer Passage präzise zu bleiben", räumt Lawson ein.
"Ich habe viele Videos von Formel-3-Autos gesehen, die voll über beide Kerbs gerumpelt sind und damit entweder durchgekommen sind oder eben nicht. Es ist definitiv eine tückische Stelle. Die Anbremszone verläuft außerdem nicht gerade, sodass es verdammt schwer wird, das Anbremsen auf den Punkt zu treffen, ohne dass die Räder blockieren."
Abschließend glaubt Lawson nicht, dass die Fahrer in Madrid ans absolute Limit gehen können, ohne von den Grenzen der Power-Units der Generation 2026 eingebremst zu werden.
"Nicht wie in Monaco, nein. Monaco ist ein Kurs, auf dem wir voll pushen können und keinerlei Einschränkungen haben. Ich würde sagen, das wird hier anders sein - aber ich denke trotzdem, dass man hier eher als in Monza als Fahrer den Unterschied machen kann."
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