Warum McLaren den "Macarena"-Heckflügel in Österreich nicht fährt
McLaren hat den geplanten Test des "Macarena"-Flügels in Spielberg abgesagt und wird das Element am Wochenende nicht mehr fahren
Kein Macarena: McLaren nutzt in Spielberg nur den normalen Heckflügel
Foto: LAT Images
Eigentlich wollte McLaren am Formel-1-Wochenende in Spielberg eine eigene Version des "Macarena"-Flügels am Auto von Lando Norris ausprobieren, doch diese Pläne hat das Weltmeister-Team erst einmal verworfen: Man hat den Flügel im Training nicht eingesetzt und wird ihn auch im weiteren Wochenendverlauf nicht einsetzen.
Der Grund: McLaren entschied, dass die Komponente noch mehr Entwicklungsarbeit benötigt, bevor man sie auf der Strecke ausprobiert, wo jeder Defekt wertvolle Fahrzeit kosten würde. Frühestens nach dem Formel-1-Rennen in Silverstone am kommenden Wochenende wird man den Flügel am Auto sehen.
Der Macarena-Flügel hatte zu Saisonbeginn zuerst am Ferrari SF-26 für Aufsehen gesorgt. Er verfügt über einen anderen Betätigungsmechanismus für den oberen Heckflügel-Flap, wenn der "Straight-Line-Mode" aktiviert wird. Anstatt den Flap flacher in die Horizontale zu ziehen, wie es beim alten DRS der Fall war, rotiert der Aktivator das gesamte Blatt und stellt es auf den Kopf.
Dem Vernehmen nach bietet der schwenkbare Flügel eine größere Wirkung bei der Reduzierung des Luftwiderstands als ein herkömmlich betätigter Flügel. Allerdings erfordert der Mechanismus enorm viel Entwicklungsarbeit, um robust genug für den häufigen Einsatz im Rennbetrieb zu sein.
Zudem gibt es einen Lernprozess bezüglich der Auswirkungen auf die aerodynamische Kennlinie des Autos während der Übergangsphase - sprich, während des Rotierens -, da dies sekundäre Effekte auf die Reifenbelastung und das Abtriebsniveau beim Anfahren von Kurven hat.
Norris am Donnerstag noch gespannt
"Wir müssen die Fehler ausbügeln, wir müssen versuchen sicherzustellen, dass es funktioniert, und vielleicht können wir es in ein paar Rennen richtig einführen", sagte Norris am Donnerstag in Österreich, als er noch davon ausging, den neuen Flügel zu testen.
"Es ist einfach gute Arbeit des Teams, zu versuchen, so schnell wie möglich nach vorne zu pushen. Es ist kein einfaches Projekt. Es braucht Zeit, einen so komplizierten Flügel zu durchschauen", so der Brite.
"Aber es ist cool, es ist innovativ, es ist schön zu sehen. Es war ziemlich cool, Ferrari zu Beginn des Jahres zu beobachten, und es ist erstaunlich, wie jemand, der die Regeln, das Reglement und den genauen Wortlaut versteht, diese Bereiche quasi umgeht."
"Und ich denke, das ist etwas, das die Formel 1 so besonders macht - wie Leute diese Art von Konzepten erschaffen können. Ich wünschte, wir hätten es schon vor drei Monaten gehabt", so der McLaren-Pilot.
Vor dem Start der Saison 2026 deutete McLarens Technikchef Rob Marshall an, dass sein Team die ersten Rennen damit verbringen würde, das Verhalten des MCL40 zu verstehen und die Innovationen der anderen zu beobachten, bevor man sich auf einen endgültigen Entwicklungspfad für das Auto festlegt.
Die Absage der Großen Preise von Bahrain und Saudi-Arabien verschob den Zeitplan etwas, da sie die Saison nach nur drei Läufen praktisch pausieren ließ, bot aber gleichzeitig einen ganzen Monat ohne Rennen, um sich voll auf die technische Entwicklung zu konzentrieren.
Wohl auch kein Einsatz in Silverstone
Die Vorlaufzeiten für Forschung und Fertigung sind so lang, dass wir erst jetzt die Ergebnisse der Teams sehen, die sich von großen, hochentwickelten Innovationen inspirieren ließen, die andere zu Beginn der Saison eingeführt haben. Und bei Bauteilen wie diesem gibt es angesichts der Einschränkungen durch die Budgetobergrenze der Formel 1 immer ein Abwägen von Risiko und Nutzen.
McLaren muss daher sehr zuversichtlich sein, dass es sich lohnt, diesen Weg weiterzuverfolgen. Gleichzeitig muss das Team diese Risiken jedoch abwägen - vor allem mit Blick auf seine Position in der Konstrukteursmeisterschaft im Vergleich zu Mercedes und Ferrari.
Norris liegt in der Fahrerwertung bereits weit abgeschlagen auf dem fünften Rang und hat nicht einmal halb so viele Punkte wie der WM-Führende Kimi Antonelli.
Der neue Heckflügel mag zwar einen Performance-Vorteil bringen, aber in der modernen Formel 1 gibt es kein einzelnes Bauteil, das man an ein Auto schrauben kann, um mal eben eine halbe Sekunde pro Runde zu finden. Man kann weitaus mehr verlieren, wenn man Fahrzeit im Training einbüßt - und wie es der Zufall wollte, verzögerte ein Hydraulikleck Norris' erste Ausfahrt in Österreich ohnehin.
Da es an einem Sprint-Wochenende nur eine einzige Stunde Training gibt, ist es höchst unwahrscheinlich, dass McLaren den neuen Flügel in Silverstone testen wird. Er wird wahrscheinlich nicht vor Belgien in der Öffentlichkeit zu sehen sein.
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