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Warum Saudi-Arabien so stark in den Motorsport investiert

Prinz Abdulaziz, Sportminister Saudi-Arabiens, erklärt, warum sich das Königreich Motorsport-Events wie Formel 1, Formel E, Rallye Dakar und mehr ins Land geholt hat

Warum Saudi-Arabien so stark in den Motorsport investiert

Es gibt wohl kein Land auf der Welt, das derzeit mehr in den Motorsport investiert als Saudi-Arabien. In wenigen Wochen werden die Anstrengungen des Landes auf die Weltbühne projiziert, denn am 5. Dezember ist der brandneue Stadtkurs in Dschidda der Austragungsort für das vorletzte Rennen der spannenden Formel-1-Saison 2021.

Die Formel 1 hat mit Saudi-Arabien einen langfristigen Vertrag abgeschlossen. Mittelfristig wird der Grand Prix auf eine eigens gebaute, permanente Rennstrecke in Qiddiya umziehen. Die Premiere aber findet in wenigen Wochen auf dem Stadtkurs in Dschidda statt. Abgesehen von der Formel 1 finden in Saudi-Arabien auch die Rallye Dakar sowie Rennen der Formel E und der Extreme E statt.

Warum ist das so? Um das herauszufinden haben wir im Rahmen der jüngsten Ausgabe unserer Interviewreihe #ThinkingForward mit Prinz Abdulaziz, dem Sportminister Saudi-Arabiens, gesprochen. Er erzählt von den Ambitionen des Landes in Bezug auf den Motorsport und davon, wie die Formel-1-Botschaft #WeRaceAsOne in Bezug auf soziale Gerechtigkeit in Saudi-Arabien umgesetzt werden soll.

"Es geht nicht nur um den Motorsport. Aber der Motorsport hat wohl einen großen Teil des Rampenlichts eingenommen" sagt Prinz Abdulaziz und erklärt: "Wir investieren im Königreich wirklich in viele Sportarten. Die Regierung hat verstanden, dass der Sport eine sehr wichtige Rolle für die Zukunft der Jugend spielt."

"70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 40 Jahre. Wir müssen sie also dazu bringen, aktiv zu werden. Wir müssen sie mehr für Sport begeistern und sicherstellen, dass wir es richtig machen. 2017 hatten wir 32 (Sport-)Verbände. Heute haben wir 92 Verbände. Das zeigt, dass im Königreich große Investitionen getätigt werden", so der Prinz.

Das saudische Modell, das Teil der Vision 2030 für das Land ist, besteht darin, in den Sport zu investieren und das Niveau der Wettkämpfe auf internationales Niveau anzuheben, sodass saudische Sportler von internationalen Athleten lernen und ihr Niveau verbessern können. Der Motorsport hat in diesem Zusammenhang bereits ein frühes Beispiel geliefert.

Dania Akeel

Dania Akeel aus Saudi-Arabien fährt 2022 die Rallye Dakar in ihrem Heimatland

Foto: Motorsport Images

Im Cross-Country-Weltcup der FIA hat Saudi-Arabien mehrere Fahrertitel errungen, darunter in der Kategorie T3. Diese wurde im vergangenen Jahr von einer saudischen Fahrerin, Dania Akeel, gewonnen. Sie wird im Januar 2022 an der Rallye Dakar teilnehmen.

"Noch vor vier Jahren durften Frauen [in Saudi-Arabien] nicht Auto fahren", bemerkt der Prinz. "Daran sieht man, dass es in puncto Entwicklung um viel mehr geht als nur um Sport. Es geht um Lebensqualität. Es geht darum, der Jugend eine Chance zu geben. Es geht darum, auf der internationalen Bühne präsent zu sein."

Mit der zunehmenden Präsenz auf der internationalen Bühne wird das Land aber auch genauer unter die Lupe genommen. Genau das wird in den kommenden Wochen in den Fokus rücken, wenn die Formel-1-Gemeinde mit ihrer Botschaft #WeRaceAsOne für soziale Gerechtigkeit in Saudi-Arabien eintrifft. Wie werden die Menschen im Land diese Botschaft aufnehmen?

"Jeder ist in diesem Land willkommen", sagt Prinz Abdulaziz. "Wir haben unsere Kultur und unsere Gewohnheiten, wie sie jedes andere Land auch hat, und wie wir sie überall respektieren. Darum geht es. Wir freuen uns darauf, in Zukunft noch viele weitere Veranstaltungen auszurichten. Und wir wollen alle Menschen aus der ganzen Welt dazu einladen, Saudi-Arabien zu besuchen und zu sehen, was es ausmacht."

Jeddah Street Circuit in Dschidda, Saudi-Arabien

Auf dem Stadtkurs in Dschidda, der noch nicht ganz fertig ist, fährt am 5. Dezember die Formel 1

Foto: Motorsport Images

"Jeder ist willkommen und wir respektieren jeden. Wir müssen eine Show bieten, die wirklich für jeden ist, und wir müssen sicherstellen, dass wir das erreichen. Hoffentlich schaffen wir es, dass alle, die kommen und dieses Rennen besuchen, etwas erleben, das anders ist als irgendwo sonst", sagt der Prinz.

Und er merkt an, dass es die erste Austragung des Formel-E-Rennens im Jahr 2018 in Riad war, die den Anstoß zur Einführung eines Touristenvisums gab. Ein solches nämlich war zuvor für Saudi-Arabien nicht verfügbar gewesen.

"Ein Touristenvisum, das überall auf der Welt akzeptiert würde, gab es 2017 in Saudi-Arabien nicht. Durch die Formel E aber wurde ein Prozess eingeleitet. Innerhalb von drei Monaten hat das Tourismusministerium das System übernommen, das wir im Sportbereich eingeführt haben", so der Prinz und weiter: "Heute haben mehr als 50 Länder die Möglichkeit, bei der Ankunft ein Visum zu erhalten. In der Vergangenheit konnten wir keine Veranstaltungen ausrichten, weil das Land dafür nicht offen war."

Jeddah Street Circuit in Dschidda, Saudi-Arabien

In Dschidda wurde viel in Bewegung gesetzt, aber schon bald wird in Qiddiya gefahren

Foto: Motorsport Images

Was die Formel 1 betrifft, so hat die jüngste globale Fan-Umfrage gezeigt, dass das Publikum immer jünger und weiblicher wird und dass es in der Altersgruppe der unter 24-Jährigen eine starke Überschneidung mit dem Games-Sektor gibt.

"Ich glaube, es ist der richtige Zeitpunkt für uns, einzusteigen", sagt Prinz Abdulaziz. "Und ich glaube wirklich, dass die Formel 1 mit dem neuen Management ihre Philosophie darüber, was die Formel 1 ist, geändert hat und sich mehr mit den Fans beschäftigt. Wir sehen, wie sie in den sozialen Medien sehr aktiv sind. Wir sehen Dinge wie die Netflix-Serie."

"Das hat viele Leute auf die Formel 1 aufmerksam gemacht. Leute, die sich eigentlich gar nicht für den Rennsport interessieren, haben sie sich angesehen. Und jetzt sind sie Formel-1-Fans. Ich glaube, dass dieser Ansatz der Formel 1 den Ausschlag gibt, um die Jugend, die nächste Generation, an Bord zu holen und damit Teil der Zukunft der Formel 1 zu sein. Für uns ist das großartig. Denn wie bereits erwähnt sind 70 Prozent unserer Bevölkerung noch keine 40 Jahre alt. Und sie sind sehr technikaffin."

E-Sport: 24h Le Mans virtuell

Laut Prinz Abdulaziz ist die Bevölkerung Saudi-Arabiens für E-Sport prädestiniert

Foto: Xynamic

Abdulaziz ist der Meinung, dass Gaming und E-Sport aufgrund der demografischen Zusammensetzung der Bevölkerung und der Leidenschaft für Sport eine große Chance für das Königreich darstellen.

"Das Schöne am Gaming ist, dass man es überall und zu jeder Zeit betreiben kann. Wir haben die virtuellen 24 Stunden von Le Mans gesponsert, die während des Lockdowns stattfanden. Bei dieser Gelegenheit trafen wir auf eine Menge Leute, die Interesse daran hatten, dass das Königreich daran teilnimmt."

"Es ist so wichtig, dass wir einen eigenen Verband haben, der das Thema Games im Königreich verwaltet", sagt Prinz Abdulaziz weiter. "Ich glaube, das ist die Welle der Zukunft. Und ich glaube, dass wir diesem Thema genauso viel Bedeutung beimessen sollten wie jeder anderen Sportart. Das Thema ist für die Jugend und für die Zukunft sehr wichtig. Und wir sollten Teil dieser Entwicklung sein."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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