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Was steckt wirklich hinter der "russischen" Lackierung des Haas-Teams?

Jetzt untersucht die Welt-Anti-Doping-Agentur die russisch anmutende Lackierung des Haas-Teams, die in Wahrheit ein Signal an Wladimir Putin sein könnte

Was steckt wirklich hinter der "russischen" Lackierung des Haas-Teams?

Die neue Lackierung des Haas-Teams, in dem Mick Schumacher 2021 sein Debüt in der Formel 1 feiert, steht auf der "Watchlist" der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Das hat die WADA jetzt offiziell bestätigt. Man habe das Thema auf dem Schirm und werde es gemeinsam mit den dafür zuständigen Verbänden untersuchen, heißt es auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com'.

Konkreter Untersuchungsgegenstand ist die offensichtliche Reminiszenz an die russische Flagge. Das ist insofern problematisch, als der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne im Dezember entschieden hat, dass russische Athleten in den nächsten beiden Jahren nicht unter russischer Flagge an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfen.

Hintergrund der Sanktion war der russische Dopingskandal rund um die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, und umfasst ist auch der russische Formel-1-Pilot Nikita Masepin, bei Haas Teamkollege von Mick Schumacher. Masepin darf an der Formel-1-WM 2021 zwar teilnehmen, allerdings nicht unter russischer Flagge und nicht mit russischer Lizenz.

Haas-Teamchef Günther Steiner kann in den neuen Farben allerdings kein Problem erkennen: "Wir haben diese Lackierung schon entwickelt, bevor die ganze Sache mit der WADA und der russischen Flagge rausgekommen ist. Wir können die russische Flagge natürlich nicht als russische Flagge verwenden." Aber man könne sehr wohl die Farben Weiß, Blau und Rot verwenden, sagt er.

Steiner: Regeln der WADA sind klar

"Es gibt Regularien von der WADA, die ziemlich klar sind, was man machen kann und was nicht", erklärt Steiner. "Es ist der Athlet, der die russische Flagge nicht zeigen darf, und nicht das Team. Das Team ist ein amerikanisches Team. Auf Nikitas Gürtelschnalle wird die russische Flagge nicht da sein, und auch am Auto nicht. Aber die Farben der Lackierung kann man nicht limitieren."

Das CAS-Urteil besagt konkret, dass "auf Kleidung, Ausrüstung oder persönlichen Gegenständen" russischer Sportler "weder ein nationales Emblem noch ein anderes nationales Symbol der Russischen Föderation" abgebildet sein darf. Ob auf dem Haas VR-21 die russische Flagge abgebildet ist oder nicht, ist letztendlich eine Ermessensfrage.

Für Steiner ist der Fall klar. Es sei zwar womöglich für Medienvertreter offensichtlich, dass auf dem Auto die russische Flagge abgebildet ist, sagt er, von 'Motorsport-Total.com' konkret auf das Thema angesprochen. Aber die Farben der russischen und der US-amerikanischen Farbe seien die gleichen, und Haas sei schließlich ein amerikanisches Team.

FIA legt gegen Haas-Lackierung kein Veto ein

Bevor die Lackierung offiziell präsentiert wurde, hat Haas die Lackierung mit dem Automobil-Weltverband FIA abgeklärt. Der hat offensichtlich keine Bedenken: "Die CAS-Entscheidung verbietet nicht die Verwendung der Farben der russischen Flagge", heißt es auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' aus Paris.

Steiner legt in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass sein Rennstall ab 2021 offiziell als "Uralkali Haas F1 Team" an den Start geht. Uralkali ist das Unternehmen von Nikita Masepins Vater Dmitri, und die Farben des Uralkali-Logos waren ursprünglich Rot und Grün.

Doch ausgerechnet am 4. März, am Tag der Haas-Präsentation, versendete Uralkali eine in diesem Zusammenhang spannende Pressemitteilung. "Im Zuge eines Sponsoringprojekts" präsentiere man ein neues Logo, um den Wiedererkennungswert für das Unternehmen zu verbessern.

Praktisch: Das Uralkali-Logo ist jetzt nicht mehr rot-grün, sondern rot-blau - und passt damit wunderbar zur Lackierung des Haas VR-21. Das könnte hilfreich sein bei der Argumentation, dass auf dem Auto nicht in erster Linie die russischen Nationalfarben abgebildet sind, sondern die des neuen Titelsponsors.

Spekulation: In Wahrheit ein Signal in Richtung Putin?

Doch was von westlichen Medien bisher zumeist als ausgeprägter Nationalstolz der Masepin-Familie interpretiert wurde, könnte in Wahrheit ein Vorbote eines russischen Investments bei Haas sein - auch wenn Steiner klarstellt: "Momentan gibt es keine Gespräche darüber." Das Team gehöre Gene Haas und stehe nicht zum Verkauf, heißt es.

Doch ein ausgerechnet amerikanisches Team auf einer globalen und prestigeträchtigen Bühne wie der Formel 1, das ist ein Projekt, das dem mächtigen russischen Präsidenten Wladimir Putin gefallen dürfte - noch mehr in Zeiten, in denen der gedemütigte russische Sport nicht unter eigener Flagge antreten darf.

Gut möglich, dass die Haas-Lackierung in Wahrheit ein Signal in Richtung Kreml sein könnte - und falls das bei Putin auf Gefallen stößt und er darüber ein lobendes Wort in der russischen Öffentlichkeit verliert, würde das für Masepin die Suche nach finanzstarken russischen Partnern für eine Übernahme des Teams mutmaßlich signifikant erleichtern.

Doch das bleibt Stand heute Spekulation. Keine Spekulation war die Story von 'Motorsport-Total.com', dass zwischen dem österreichischen Unternehmen BWT und Haas Gespräche über ein Sponsoring stattgefunden haben. Steiner relativiert jedoch die Idee, dass Mick Schumacher um ein Haar in Pink Formel 1 gefahren wäre: "Wir sprechen mit vielen Leuten", winkt er ab.

"Wenn ich sagen müsste, mit wie vielen Leuten wir keinen Deal zusammenbekommen haben, wird's langweilig", sagt er und ergänzt: "BWT ist eine gute Firma. Was sie gemacht haben, war super. Sie hatten den Mut, mit einem rosa Auto zu kommen. Das finde ich gut. Ich kenne viele Leute, die Firmen leiten, und man spricht mit allen. Aber wir sind nie nahe an einen Deal mit BWT gekommen."

Mit Bildmaterial von Haas/Uralkali.

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