Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat
Stefan Ehlen
Autor: Stefan Ehlen
23.07.2018, 05:19

Ein Doppelsieg beim Heimrennen, wieder WM-Tabellenführer und Valtteri Bottas als gefügige Nummer zwei bei Mercedes: Markenchef Dieter Zetsche darf zufrieden sein

Liebe Leser,

auch wenn es zunächst nicht danach aussah: Das dickste Grinsen dürfte am Sonntagabend Mercedes-Boss Dieter Zetsche im Gesicht getragen haben. Und das hatte viele Gründe. Allen voran natürlich der Doppelsieg beim Heimrennen seines Silberpfeil-Teams in Hockenheim durch Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Doch das war nur die Krönung für ein aus Mercedes-Sicht höchst erfreuliches Rennwochenende.

Zur Schwesterkolumne: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Aber der Reihe nach: Los ging die Grand-Prix-Woche am Hockenheimring nämlich mit der lange erwarteten Vertragsverlängerung von Hamilton, die am Donnerstag publik gemacht wurde. Der viermalige Weltmeister hat für zwei weitere Jahre im Mercedes-Werksteam unterschrieben. Tags darauf verkündete die Marke auch den Verbleib von Bottas im Rennstall, für 2019 plus Option auf 2020. Damit kehrte endlich Ruhe an der Personalfront ein – und damit Planungssicherheit für und mit dem aktuellen Formel-1-Weltmeister: Hamilton bleibt!

Zwar folgte am Samstag ein herber Rückschlag, weil Ferrari-Pilot Sebastian Vettel auf die Pole-Position fuhr, Bottas 0,204 Sekunden auf die Bestzeit fehlten und Hamilton bereits in Q1 mit Technikdefekt ausgeschieden war, doch der Sonntag entschädigte Mercedes für diese Niederlagen: Platz eins für Hamilton von Startplatz 14 kommend, Platz zwei für Bottas. Es war der zweite Silberpfeil-Doppelsieg des Jahres nach Barcelona, womit sich Mercedes wieder an die Spitze der WM-Gesamtwertung setzte. Und es war eine gelungene "Revanche" für die Pannen in Spielberg, wo Technikdefekte Mercedes einen Doppelsieg gekostet hatten.

 

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Auch in der Fahrerwertung wendete sich das Blatt: Hamilton übernahm mit seinem Sieg erneut den Spitzenplatz und profitierte noch dazu vom Ausfall seines Hauptrivalen Vettel, der erstmals in diesem Jahr punktelos blieb. Und so wurde aus einem Acht-Punkte-Rückstand ein Vorsprung von 17 Zählern für Hamilton. Damit einhergehen dürfte das sogenannte Momentum: Häufig, wenn Hamilton unter Druck stehend ein Befreiungsschlag gelang, setzte er anschließend zu einer Siegesserie an. In jedem Fall hat sich der Weltmeister mit diesem Ergebnis eindrucksvoll zurückgemeldet.

Und: In Hockenheim hat sich auch gezeigt, dass Mercedes keinen Stallkrieg zu fürchten braucht. Denn im Rennen zeigte sich Bottas nur einmal angriffig und schickte sich nach dem Restart an, Hamilton zu überholen. Mit dem berühmten Kommando "hold positions" ging Mercedes jedoch dazwischen und untersagte weitere Attacken. Mit Erfolg: Bottas unterwarf sich dieser Stallregie, wurde Zweiter hinter Hamilton.

Auch wenn Sportchef Toto Wolff hinterher betonte, im umgekehrten Fall genau gleich handeln zu würden, es bleibt der Eindruck: Es war Mercedes ganz recht, dass mit Hamilton der vermeintliche Nummer-1-Fahrer vorne war, und mit Bottas die Nummer 2 dahinter. Alleine die Größe der jeweiligen Lohntüte lässt ein solches Ergebnis aus Teamsicht erstrebenswert erscheinen – und Bottas als den Wasserträger, der trotz einer Steigerung in diesem Jahr bei Mercedes wohl weiterhin nur die zweite Geige spielen wird. Also kein "Krieg der Sterne", sondern alles nach Fahrplan, könnte man sagen.

 

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Zu guter Letzt hat Mercedes mit dem Doppelsieg in Deutschland wieder die Initiative im Titelkampf zurückgewonnen – nachdem zuletzt vor allem Ferrari mit starken Leistungen aufgetrumpft hatte. Haben wir im elften Rennen der Saison 2018 den großen Wendepunkt erlebt? In jedem Fall darf Dieter Zetsche mit seiner Mannschaft erst einmal hochzufrieden sein. Zumal Hamilton nach seinem Regelverstoß im Rennen (aus der Boxeneinfahrt zurück auf die Rennstrecke gefahren) lediglich verwarnt wurde. Gerade noch mal gut gegangen …

Wer sonst noch gut geschlafen hat:

Ein Deutscher hat beim Heimspiel geglänzt: Nico Hülkenberg erzielte mit Platz fünf für Renault sein bisher bestes Ergebnis in diesem Jahr und stellte die Team-Bestleistung von Carlos Sainz aus Baku ein. Hülkenberg festigte damit seine Position als "Best oft he Rest" auf Platz sieben der Fahrerwertung hinter den Piloten von Mercedes, Ferrari und Red Bull. Mehr geht nicht!

Romain Grosjean fuhr für Haas zum zweiten Mal in dieser Saison in die Punkte und verbesserte sich damit auf Platz 13 in der Formel-1-Fahrerwertung. Wichtig vor allem, weil Force India dieses Mal wieder beide Fahrzeuge in die Punkte brachte und nun punktgleich mit Haas auf Tabellenrang fünf der Konstrukteurswertung notiert wird. Ein Lob verdient haben sich auch Marcus Ericsson und Sauber: Der Schwede steuerte sein Fahrzeug zum dritten Mal in diesem Jahr in die Top 10, für Sauber war es bereits die siebte Punktefahrt im elften Rennen.

 

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Als Gewinner dürfen sich auch die Veranstalter am Hockenheimring fühlen: Mit rund 71.000 Zuschauern am Renntag war das Motodrom zum ersten Mal seit Jahren nahezu ausverkauft und voll besetzt. Und die Stimmung auf den Rängen und im Fahrerlager war klasse! Okay, nicht so sehr bei den heftigen Gewittern nach Rennende am Sonntag, aber auf jeden Fall beim Qualifying-Finale am Samstag mit der Pole-Fahrt von Vettel. Dabei kehrten Gänsehaut-Momente ins Motodrom zurück. Beim vorerst letzten Deutschland-Grand-Prix dachten sich einige: Genau so war's in den Jahren der Schumi-Ära! Das war beste Werbung für künftige Formel-1-Rennen in Hockenheim!

PS: Diese Kolumne ist das Schwesterformat zur traditionellen Montags-Kolumne von Markus Lüttgens auf unseren Schwesterportalen Motorsport-Total.com und Formel1.de. "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat" (nämlich finnische Formel-1-Fans), können Sie hier nachlesen!

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Urheber Stefan Ehlen
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