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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Franco Colapinto

Die Formel 1 ist in Japan glimpflich davongekommen: Der Unfall von Oliver Bearman hatte anders ausgehen können, Franco Colapinto dürfte daher gut geschlafen haben

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Franco Colapinto

Franco Colapinto dürfte gut geschlafen haben, weil der Bearman-Unfall glimpflich ausging

Foto: Getty Getty

Liebe Leser,

die Formel 1 ist beim Großen Preis von Japan glimpflich davongekommen: Als Oliver Bearman beim Versuch, dem Alpine von Franco Colapinto auszuweichen, mit seinem Haas von der Strecke abkam und im Gras landete, fuhr der Brite mit der Geschwindigkeit eines Shinkansen, also eines japanischen Hochgeschwindigkeitszuges.

Bearman hatte kaum abgebremst, bevor er Augenblicke später in die Mauer krachte. Eine Prellung am rechten Knie infolge eines Aufpralls mit 50 g ist das bestmögliche Ergebnis nach solch einem Unfall, nur wenige Kurven von der Stelle entfernt, an der die Formel 1 einst ihren zukünftigen Ferrari-Superstar verloren hatte.

An dem, was Franco Colapinto unmittelbar davor tat, war nichts Ungewöhnliches. "Als ich in den Spiegel geschaut habe, hat er sich im Gras gedreht", erinnerte sich der Argentinier direkt nach dem Rennen im sogenannten "Media-Pen" und deutete an, dass er den Angriffsversuch von Bearman gar nicht hatte kommen sehen.

Kurve eigentlich kein Ort zum Überholen

Wahrscheinlich dachte er nicht einmal daran, sich zu verteidigen, denn der Rechtsknick vor Spoon ist nicht gerade ein Ort zum Überholen. Oder zumindest war er das nicht bis zur Saison 2026, abgesehen von einigen verzweifelten Versuchen, wie etwa von Sebastian Vettel gegen Max Verstappen im Jahr 2018, die in einer vorhersehbaren Kollision endeten.

Fünf Sekunden bevor der Haas neben den Alpine zog, hätte Colapinto Bearman wahrscheinlich nicht einmal in seinen Spiegeln gesehen, so weit hinten war der Haas-Pilot, bevor er "einen Pilz nahm". Doch selbst wenn Franco den im Godzilla-Design lackierten Haas herankommen sah, war an seinem Verhalten nicht viel auszusetzen.

Ja, er zog nicht zur inneren weißen Linie, aber links war wahrscheinlich immer noch gerade genug Platz für Bearman ... vorausgesetzt, er wäre mit einer Geschwindigkeit unterwegs gewesen, die für ein Formel-1-Auto bis vor nicht allzu langer Zeit normal gewesen wäre.

Stattdessen betrug der Geschwindigkeitsunterschied massive 45 km/h, was es für Bearman nahezu unmöglich machte, sich in die Lücke links zu committen, ohne die Kontrolle über das Auto zu verlieren. "Ich habe ehrlich gesagt seine Onboard nicht gesehen", sagte Colapinto zu den Journalisten.

"Ich denke, das ist etwas, das man sich für die Zukunft anschauen muss, denn manchmal ist es ein bisschen gefährlich. Vor allem, wenn man kein Gefühl dafür hat, wie viel schneller das andere Auto ist, weil wir keine Möglichkeit haben, das zu wissen."

Bearman-Unfall ist ein Weckruf für die Formel 1

"Wir schauen einmal in den Spiegel - und plötzlich ist das andere Auto schon an dir vorbei. Das ist etwas verwirrend", erklärt der Alpine-Pilot. Er wirkte so ruhig und gefasst, wie man es von ihm kennt, doch er dürfte sich später einige Zeit genommen haben, die Onboards anzuschauen, sowohl von Bearman als auch seine eigene.

Hat er darüber nachgedacht, was hätte passieren können? Hat er sich schwierige Fragen gestellt? Zum Glück dürfte er, selbst wenn das der Fall war, Trost darin gefunden haben, wie weit sich die Sicherheit in der Formel 1 entwickelt hat - bevor er schlafen ging.

Für den Sport selbst sollte es jedoch ein Weckruf sein. Die ersten drei Rennen der neuen Saison liefern wahrscheinlich noch keine ausreichende Datengrundlage für ein endgültiges Urteil darüber, was als Nächstes zu tun ist, doch Bearmans Unfall könnte durchaus als Katalysator dienen, um den Prozess zu beschleunigen.

Für die Formel 1 und den Automobil-Weltverband FIA gibt es viel abzuwägen, wenn es darum geht, Unterhaltung und Sicherheit in Einklang zu bringen. Doch Suzuka scheint einige klare Hinweise darauf geliefert zu haben, was zuerst angegangen werden muss. Und das genau rechtzeitig vor der fünfwöchigen Pause.

Der Kurs mag aus den falschen Gründen in den Fokus geraten sein, könnte nun aber als Gelegenheit dienen, unmittelbare Probleme anzugehen: das Qualifying und die massiven Geschwindigkeitsdifferenzen. Fünf Wochen mögen ausreichend erscheinen, doch Zeit zu verlieren gibt es trotzdem nicht. Denn in Miami sind die Mauern deutlich näher.

Euer,

Oleg Karpow

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