Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Max Verstappen

Warum sich Max Verstappen nach P2 im Russland-Grand-Prix wie der große Sieger fühlen darf und wer sonst noch als Gewinner in Frage gekommen wäre

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Max Verstappen

Liebe Leser,

wer hat nach diesem turbulenten Russland-Grand-Prix wohl am allerbesten geschlafen? Gar nicht so einfach zu beantworten. Es gibt ein paar Kandidaten …

Kimi Räikkönen zum Beispiel. Er hat nach seiner Corona-Zwangspause gleich beim Comeback-Rennen das bisher beste Alfa-Romeo-Ergebnis in diesem Jahr erzielt. Und das in einem Rennen, in dem kein Topauto ausgefallen ist. Muss man erst mal so ins Ziel bringen.

Oder Fernando Alonso. P6 in der Startaufstellung markierte seine beste Formel-1-Ausgangslage seit 2014. Und wäre das Rennen ohne den heftigen Regen zu Ende gegangen, Alonso hätte sich im eigentlich unterlegenen Alpine vielleicht aus eigener Kraft einen Podestplatz erkämpft, im "besten Rennen" der Saison für sein Team.

Auch McLaren-Boss Zak Brown hat allen Grund zur Zufriedenheit, obwohl Lando Norris die ganz große Sensation und den Sieg in Sotschi verpasst hat. Aber: McLaren hätte beinahe zwei Rennen in Folge gewonnen, und dieses Mal mit dem anderen Fahrer. Was zeigt: Der Aufschwung im Traditionsteam ist echt, die Cockpitbesetzung ausgezeichnet. Bei McLaren läuft weiterhin vieles richtig.

Lewis Hamilton wäre ebenfalls ein Kandidat, für seinen hundertsten Sieg in der Formel 1. Eine unfassbare Zahl, eine beeindruckende Karriereleistung!

P2 nach Startplatz 20 hält Verstappen im Titelkampf

Der Blick auf das große Ganze an diesem Montagmorgen aber sagt mir: Es kann nur einen geben, der nach diesem Rennen eine besonders gute Nachtruhe verbracht hat, und das ist Max Verstappen. (Wer schlecht geschlafen hat, das erfahren Sie wie immer in der Schwesterkolumne von Christian Nimmervoll auf Motorsport-Total.com, hier klicken!)

Denn nicht vergessen: Sein Wochenende stand eigentlich unter keinem guten Stern, nach dem Wechsel des kompletten Antriebsstrangs und der Strafversetzung ganz nach hinten in der Startaufstellung. Entsprechend gering waren die Erfolgsaussichten für das Rennen, aber am Ende steht P2. Und das hält Verstappen im Titelkampf gegen Lewis Hamilton.

Ja, die WM-Führung ist (wieder) futsch und Verstappen in der Tabelle auf Platz zwei abgerutscht. Aber: Unzufrieden hat Verstappen nach dem Rennen nicht gewirkt, im Gegenteil. Er weiß genau: Platz zwei ist unter diesen Umständen ein Geschenk, das seinen wahren Wert vielleicht erst in einigen Wochen beweisen wird.

Ein weiterer Motor im Pool, aber praktisch ohne Punkteverlust

Klar: Erst der einsetzende Regen hat das Rennen für Verstappen gedreht und zu einem Erfolg gemacht. Sonst hätte er in Sotschi nur kleine Punkte mitgenommen, wäre Siebter geworden oder noch weiter hinten gelandet. So aber hat er noch das Beste aus der Situation gemacht.

Wie wertvoll P2 für ihn ist, das hat man nach dem Rennen erlebt. Oder wie oft haben Sie Verstappen nach einem zweiten Platz mal so ausgiebig grinsen gesehen? Eben.

Für ihn ist dieser Podestplatz von sehr großer Bedeutung. Hamilton hätte er in Sotschi vielleicht eh nicht gebogen, also hätte P2 das Maximum sein können, so oder so.

Jetzt aber hat Verstappen einen neuen Antrieb in seinem Pool, ohne dass sich das Handicap der Strafversetzung nach ganz hinten auf das Ergebnis niedergeschlagen hätte. Das kann man Schadensbegrenzung nennen, aber in der Deluxe-Version!

Aufholjagd in Sotschi auch aus eigener Kraft

Und so kann Verstappen mit guten Aussichten in die restlichen Saisonrennen gehen. Eine echte "Angststrecke" für Red Bull ist nicht mehr dabei, Motorensorgen hat er jetzt auch keine mehr. Dafür die Gewissheit, schon mal vorgelegt zu haben, sollte auch Hamilton bei Mercedes in die Verlegenheit kommen, einen zusätzlichen Antrieb zu brauchen. Ausgeschlossen ist das nicht.

Nur glückliche Gesichter auf dem Podium, das gibt es auch nicht immer ...

Nur glückliche Gesichter auf dem Podium, das gibt es auch nicht immer ...

Foto: Steve Etherington / Motorsport Images

Kurzum: Die besonderen Umstände von Sotschi halten Verstappen im Titelkampf, aber es war nicht nur Glück. Denn Verstappen hat sich auf zunächst trockener Strecke selbst in eine gute Position gebracht, ganz im Gegenteil zu Valtteri Bottas, der ebenfalls von hinten startend wesentlich weniger Fortschritte erzielte.

Zum Vergleich: In Runde 13 wurde der von P20 gestartete Verstappen schon auf P10 notiert. Bottas, von P16 kommend, lag an P14. Und als Verstappen in Runde 22 in den Top 5 auftauchte, hatte Bottas gerade mal die Top 10 erreicht. Das ist halt der Unterschied, den ein potenzieller Weltmeister auf der Strecke machen kann.

Und so ist es die Gesamtsituation, die Verstappen nach dem Sotschi-Rennen am besten hat schlafen lassen. Da bin ich mir sicher!

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Und wer nach dem Rennen in Monza gar nicht gut geschlafen hat? Das erfahren Sie wie immer in der Schwesterkolumne meines Kollegen Christian Nimmervoll auf Motorsport-Total.com. Hier ist der Artikel!

Ihr
Stefan Ehlen

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