Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Robert van Overdijk

Warum nach dem Niederlande-Grand-Prix der Formel 1 2021 nicht Max Verstappen eine besonders ruhige Nacht verbracht hat, sondern mit Robert van Overdijk ein Landsmann Verstappens

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Robert van Overdijk

Liebe Leser,

gebt ruhig zu: Ihr habt heute morgen an dieser Stelle einen anderen Namen erwartet. Max Verstappen natürlich, nachdem der Red-Bull-Fahrer beim Niederlande-Grand-Prix einen viel umjubelten Heimsieg erzielt und die WM-Führung von Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton zurückerobert hat.

Und ja, das war stark, soll aber nur ein kleiner Aspekt meiner heutigen Kolumne sein. Denn ich habe mir einen anderen Protagonisten ausgesucht: Robert van Overdijk.

(Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat, das hat mein Kollege Christian Nimmervoll in der Schwesterkolumne auf Motorsport-Total.com aufgearbeitet - hier klicken!)

Schon mal von Robert van Overdijk gehört? Bestimmt. Er tauchte in den vergangenen Monaten wiederholt in unseren Berichten zum Comeback des Niederlande-Grand-Prix auf. Denn er ist der Streckenchef in Zandvoort. Und weil wir unsere Montagskolumnen immer auf eine Person zuschneiden, ist van Overdijk heute das große Thema.

Was van Overdijk und sein Team geleistet haben

Warum? Weil er und seine Mannschaft in Zandvoort ein wahres Motorsport-Festival auf die Beine gestellt haben. Oder wie es van Overdijk selbst ausdrückt: "Zusammen haben wir erreicht, was viele für unmöglich gehalten hatten." Und da muss man ihm Recht geben.

Erst einmal: Es wäre vor einigen Monaten noch undenkbar gewesen, dass die Formel 1 tatsächlich nach Zandvoort zurückkehrt. Infrastruktur und Rennstrecke hätten dafür nicht ausgereicht. Doch davon haben sich van Overdijk und sein Team nicht schrecken lassen: Für den Traum vom Heimrennen für Verstappen wurde in den Niederlanden vieles bewegt.

Der Start zum Grand Prix der Niederlande 2021 in Zandvoort

Der Start zum Grand Prix der Niederlande 2021 in Zandvoort

Foto: Andy Hone / Motorsport Images

Da wäre zum einen die Rennstrecke selbst, die an manchen Stellen extra für den Grand Prix umgebaut wurde. Am offensichtlichsten sind die Änderungen in Kurve 3 und Kurve 14, wo es jetzt Steilkurven gibt, von denen Fahrer wie Sebastian Vettel schwärmen und sagen: mehr davon!

Zandvoort begeistert durch seinen Charakter

Doch auch das restliche, nicht umgebaute Zandvoort wusste zu begeistern: Mit dem Flair einer echten Traditionsstrecke, die anspruchsvoll zu fahren ist und keine Fehler verzeiht.

Carlos Sainz hat das, wie ich finde, sehr treffend formuliert. Er meinte am Samstag nach seinem Crash im dritten Freien Training:

 

Und mit dieser Meinung steht Sainz nicht alleine da.

Wenig Action im Rennen? Darf auch mal sein!

Klar: Der Niederlande-Grand-Prix war kein Überholfestival. Das gibt der enge Kurs in Zandvoort nicht her. Aber das ist meiner Meinung nach auch völlig in Ordnung. Überholen darf auch mal schwierig sein, siehe Monaco.

Und in Zandvoort ist eindeutig auch die Strecke selbst ein Star, gerade weil sie so anders ist als das, was sonst im Formel-1-Rennkalender firmiert, aber ohne vorhersehbar zu sein. Denn beim Rennen gestern haben wohl die meisten Beobachter mit etlichen Gelb- und Safety-Car-Phasen gerechnet, vielleicht sogar mit Rot. Überraschenderweise aber gab es praktisch keine Zwischenfälle.

Party, Party, Party! Und ein bisschen Formel 1 ...

Dafür hatten die Niederländer ihren Spaß. Ein englischer Kollege hat es auf Twitter schön zusammengefasst: Das Formel-1-Rennen in Zandvoort ist eigentlich eine große Party, die hin und wieder von fahrenden Autos unterbrochen wird. Das beschreibt sehr gut, was am Wochenende vor Ort in Nordholland los war.

 

Laut den Veranstaltern waren täglich bis 65.000 Fans an der Strecke. Sie haben für eine sensationelle Stimmung gesorgt, und das, obwohl man aufgrund von Schutzvorgaben nicht die Maximalkapazität ausgeschöpft hat. Das ist aber nicht mal aufgefallen, so groß war das Meer aus Zuschauern in Orange auf den riesigen Tribünen.

Eine Atmosphäre wie zu besten "Schumi"-Zeiten

Und was war das bitteschön für eine Atmosphäre, als Verstappen die Poleposition erzielte oder tags darauf den Rennsieg? Gänsehaut! Und ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der sich dadurch an die "Schumania" der 1990er-Jahre im Motodrom von Hockenheim erinnert fühlte. Das war einfach nur großartig!

 

Zandvoort-Streckenchef van Overdijk sieht es ebenso. Er meint: "Wir haben Geschichte geschrieben." Und auch wenn das wie eine hochgestochene PR-Phrase klingt, da steckt schon auch Wahrheit drin.

Denn Zandvoort hat mit dem Charme einer "Old-School-Strecke" und einem begeisterten Publikum die ganzen Abu Dhabis, Sotschis und Yeongams dieser Welt in den Schatten gestellt und gezeigt, dass ein Grand Prix keine seelenlose Veranstaltung an einem seelenlosen Ort sein muss, sondern ein echtes Erlebnis, von dem man sich noch lange erzählt.

 

Natürlich: Der Verstappen-Effekt in den Niederlanden ist groß, ebenso die Euphorie um den ersten Grand Prix seit 1985. Das hat beides geholfen, das Rennen zu einem Erfolg zu machen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das anhält – zumindest, solange Verstappen an der Spitze mitfährt und die Niederlande vom ganz großen Pokal träumen lässt.

Warum Zandvoort bleibenden Eindruck hinterlassen hat

Ich bleibe dabei: Zandvoort und die niederländischen Fans haben beste Werbung gemacht:

  • Für ihr Land und ihre Region, die sich für ein außerordentliches Großprojekt begeistert und dieses ausgezeichnet umgesetzt haben.
  • Für die Formel 1, die man auch als eine gigantische Viertagesparty sehen kann.
  • Und für Traditionsstrecken in aller Welt, die am Wochenende erfahren haben: Alle Beteiligten schwärmen, wenn eine Rennbahn Charakter beweist und die Fahrer fordert.

Klar: Man wird Zandvoort und dessen besondere Umstände rund um Nationalheld Verstappen nicht einfach so andernorts replizieren können. Bestimmt aber haben van Overdijk und sein Team in vielerlei Hinsicht eine Blaupause dafür geschaffen, wie Formel-1-Events heute aussehen können. Dieses Gesamtpaket sollte zu denken geben, allen voran in der Chefetage der Rennserie.

Vor diesem Hintergrund dürfte Robert van Overdijk in der Nacht zum Montag sehr gut geschlafen haben.

Einverstanden? Widerspruch? Lassen Sie uns reden!

Sie denken ähnlich? Oder ganz anders? Dann lassen Sie uns darüber reden: Folgen Sie mir gerne auf Facebook und/oder Twitter, wo ich diese Kolumne – und weitere aktuelle und historische Themen aus der Formel 1 und dem Motorsport allgemein – gerne mit Ihnen diskutiere. Schreiben Sie mir!

Und wer nach dem Rennen in Zandvoort gar nicht gut geschlafen hat? Das erfahren Sie wie immer in der Schwesterkolumne meines Kollegen Christian Nimmervoll auf Motorsport-Total.com. Hier ist der Artikel!

Ihr
Stefan Ehlen

geteilte inhalte
kommentare
Kubica auf P15: "Zum ersten Mal seit 2010 wieder Rennen gefahren!"

Vorheriger Artikel

Kubica auf P15: "Zum ersten Mal seit 2010 wieder Rennen gefahren!"

Nächster Artikel

Valtteri Bottas und die schnellste Runde: Die Aufregung war umsonst

Valtteri Bottas und die schnellste Runde: Die Aufregung war umsonst
Kommentare laden