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Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Toto Wolff

Mercedes ist wieder oben auf: Noch gibt es keine Garantie für eine exakte Kopie der Saison 2014 - aber Toto Wolff hat den Saisonauftakt 2026 sichtlich genossen

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Toto Wolff

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hatte in Melbourne gut lachen

Foto: LAT Images

Liebe Leser,

Eigentlich haben wir es doch kommen sehen, oder? So sehr Mercedes auch versuchte, den W17 während der Testfahrten mit virtuellen Sandsäcken zu beladen: Es war bereits klar, dass Toto Wolffs Truppe da etwas ganz Besonderes in der Küche zusammengebraut hat.

Vergessen wir die Rundenzeiten und die reine Performance auf eine schnelle Runde - allein die Tatsache, dass Andrea Kimi Antonelli bereits am zweiten Tag des Barcelona-Shakedowns seine erste komplette Rennsimulation abspulte, reichte als Signal aus: Die Silberpfeile sind bestens vorbereitet und schwer bewaffnet in die neue Formel-1-Ära 2026 gestartet.

Und dann waren da noch diese fast schon kindischen Spielchen: Teammitglieder in offizieller Mercedes-Montur versuchten der Presse händeringend glaubhaft zu machen, dass in Wahrheit Red Bull den besten Motor im Feld gebaut habe. Ja, klar. Ist darauf ernsthaft jemand reingefallen?

Spätestens am Freitag in Melbourne wurde das Bild klarer. Die Longruns von George Russell waren furchteinflößend genug, um jeden nüchtern werden zu lassen, der Wolff und Co. im Februar noch Glauben geschenkt hatte. Am Samstag fielen die Hüllen dann endgültig: Russell demütigte die Konkurrenz im Qualifying mit einem massiven Vorsprung von 0,8 Sekunden auf den ersten Nicht-Mercedes-Piloten.

Zum Vergleich: Selbst 2014, zu Beginn der jahrelangen Mercedes-Dominanz, betrug der Vorsprung auf den nächsten Verfolger - ironischerweise damals auch ein Red-Bull-Neuling namens Daniel Ricciardo - winzige 0,217 Sekunden. Und im Rennen kam damals nur ein Silberpfeil ins Ziel, während Lewis Hamilton nach zwei Runden mit Motorschaden aufgeben musste.

Trotz aller Unterschiede im Detail fühlt es sich aktuell so an, als sei die Formel 1 direkt ins Jahr 2014 zurückkatapultiert worden: Zu Beginn einer völlig neuen Ära - damals mit den ersten Hybrid-Motoren - dominiert Mercedes vor dem Hintergrund eines allgemeinen Aufschreiens. Fast alle Nicht-Mercedes-Fahrer beschweren sich bereits lautstark darüber, wie "kaputt" diese neue Formel 1 doch sei.

Hat Mercedes noch Reserven?

Man muss sich fast fragen, ob Mercedes nicht sogar noch ein paar Sandsäcke an Bord behalten hat.

Rückblick: 2021 enthüllte der ehemalige Mercedes-Technikchef Paddy Lowe im Beyond the Grid-Podcast, dass das Team zu Beginn der Hybrid-Ära aktiv versuchte, das wahre Potenzial zu verheimlichen.

"Die Überlegung war: Wenn Mercedes lächerlich gut aussieht, wird die FIA einschreiten. Es gab enorme Spannungen darüber, wie gut wir uns präsentieren dürfen", so Lowe. "Im Qualifying haben wir den Motor für Q1 und Q2 nie aufgedreht. Er lief quasi im Leerlauf. In Q3 gab mir Toto dann ins Ohr: 'Das ist zu viel, das ist zu viel!'"

Lowe fügte hinzu, dass der Motor fast das gesamte Jahr 2014 über im Qualifying nie mit voller Leistung lief. Wolff gefiel diese Aussage damals gar nicht ("Paddy muss woanders gewesen sein als ich"), aber er hatte natürlich jedes Interesse daran, die Sache herunterzuspielen.

Ist die Messe schon gelesen?

Vor zwölf Jahren überquerte Nico Rosberg in Australien die Ziellinie 25 Sekunden vor Ricciardo (der später disqualifiziert wurde). Es war kristallklar, dass Mercedes locker beide Titel einfahren würde. Ist es heute genauso eindeutig?

Am Sonntag war der Vorsprung deutlich kleiner. Zudem drängt sich der Verdacht auf, dass Ferrari Mercedes vom Haken gelassen hat. Durch einen strategischen Patzer Marke "Routine" nahmen sie ihre Fahrer selbst aus dem Siegkampf - während des VSC wirkten die Ferrari-Mechaniker wie das berühmte John-Travolta-Meme: ratlos suchend, warum eigentlich kein Auto zum Stopp reinkam. Dabei sah die Scuderia dank ihrer Raketenstarts lange Zeit so aus, als könnten sie Wolffs Party crashen.

Charles Leclerc, George Russell

In Melbourne war Ferrari ein ernstzunehmender Rivale für Mercedes

Foto: circuitpics.de

Sollte Mercedes also noch Sandsäcke im Heck haben, müssen sie diese wohl bald abwerfen. Die Saison 2026 wird kein Selbstläufer wie 2014. Nicht nur Ferrari ist ein Faktor, auch die eigenen Kunden bei McLaren wurden kalt davon erwischt, wie viel besser das HPP-Aggregat im Werksauto funktioniert. Aber McLaren hat oft genug bewiesen, dass sie bei der Entwicklung das höchste Tempo gehen können.

Das "Shit"-Urteil und die Wende

Und dann ist da noch Red Bull. Im August letzten Jahres scherzte Wolff gegenüber niederländischen Journalisten noch über den Berg, den Red-Bull-Powertrains vor sich habe: "Die werden scheiße sein", witzelte er, nur um den Motor aus Milton Keynes weniger als sechs Monate später als "Benchmark" zu bezeichnen.

Der Auftakt in Melbourne war für Red Bull mit Verstappens Aus in Q1 und Hadjars frühem Rennende zwar schwierig, aber die Red-Bull-Powerunit mit dem Ford-Sticker ist sicher nicht "scheiße". Und einen Max Verstappen schreibt man nicht ab - selbst wenn sein Herz mittlerweile vielleicht mehr für die GT-Welt schlägt.

Zudem wird die FIA im Sommer ein Schlupfloch im Motorenreglement schließen. Aber das sind Sorgen, um die sich Toto Wolff wohl erst morgen kümmern wird. Heute genießt er das Gefühl, wieder dort zu sein, wo er vor 2022 acht Jahre lang Stammgast war.

Nach dem Rennen wich er der Frage nach der Ferrari-Bedrohung aus und sagte stattdessen: "Es herrscht momentan so viel Zufriedenheit im Team. Wir hatten diese unglaubliche Siegesserie, dann sehr schwierige Jahre. Dass wir jetzt wieder eins-zwei stehen und fühlen, dass wir um die Weltmeisterschaft kämpfen können - das hatten wir lange nicht. Dafür bin ich einfach dankbar."

Mercedes ist zurück. Die Frage bleibt nur: Können sie daraus die nächste Ära der Dominanz stricken?

Euer,

Oleg Karpow

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