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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat
Autor:
10.06.2019, 07:12

Das Wort zum Rennsonntag: Warum es richtig war, Sebastian Vettel zu bestrafen, und der Schein, dass Ferrari wieder aus eigener Kraft siegfähig ist, trügt

Liebe LeserInnen,

nach diesem Rennen ist wohl ziemlich klar, wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Das kann nur Sebastian Vettel gewesen sein.

Erstens, weil Lewis Hamilton für den Zug in Richtung WM-Titel schon längst in der ersten Klasse eingecheckt hat, während Vettel noch am Bahnsteig seine Koffer sucht, wie mein Kollege Ruben Zimmermann in der Schwesterkolumne auf Formel1.de schreibt.

Zum Thema:

Zweitens, weil es sich mit so viel Wut im Bauch einfach nicht gut schläft.

Es war die meistdiskutierte FIA-Entscheidung der bisherigen Saison, dem Ferrari-Star fünf Sekunden Strafe aufzubrummen und so Hamilton zum Sieger zu machen, obwohl eigentlich Vettel gewonnen hat. Und es ist selbst auf der rein subjektiven Ebene des neutralen Beobachters nicht einfach, die Situation eindeutig zu klären.

Toto Wolff: Ausgewockener Blick auf die Dinge

Ich finde, Toto Wolff hat mit seiner Sicht der Dinge die Situation ganz gut beschrieben. Die Strafe war, findet er, streng nach Regeltext beurteilt gerechtfertigt. Vettel hatte die Strecke verlassen, er fuhr auf unsichere Art und Weise auf eben diese zurück (sonst hätte Hamilton nicht bremsen müssen, um einen Crash zu vermeiden), er hatte einen anhaltenden Vorteil davon.

Zum Thema:

Wäre rechts vom Ferrari nicht eine Betonmauer gewesen, sondern ein asphaltierter Seitenstreifen oder Kunstrasen, wie auf den meisten anderen Strecken, wäre Hamilton mit seinem Überschuss an Schwung in Führung gegangen. Und Vettel hätte sich das aufgrund seines Fahrfehlers nur selbst zuzuschreiben gehabt.

 

Die andere Seite ist: Vettel hat mit Sicherheit nicht absichtlich gehandelt. Wo liegt die Grenze zwischen einer gefährlichen Situation, die bestraft werden muss, und einer normalen Rennsituation? Wer erinnert sich noch daran, dass man sich eigentlich einmal darauf verständigt hat, nicht jede Kleinigkeit zu bestrafen, im Sinne des Sports?

Ich finde: Im Sinne des Credos "Let them race!" hätte man keine Strafe aussprechen sollen.

Andere Strafe: Wäre das der richtige Weg gewesen?

Vielleicht hätte es sogar einen salomonischen Mittelweg gegeben. Rennleiter Michael Masi hätte sofort nach der Situation Vettel die Order erteilen können, Hamilton überholen zu lassen. Weil er durch das Verlassen der Strecke und seinen anschließenden Regelverstoß einen Vorteil hatte.

Die beiden hätten die Sache dann wie Männer regeln können, im Rad-an-Rad-Duell. Stattdessen klangen sie hinterher nicht wie Racer, sondern wie Rechtsanwälte.

Vettel hätte wahrscheinlich sogar eine realistische Chance gehabt, das Rennen trotzdem zu gewinnen. Ja, Hamilton war spätestens seit dem Boxenstopp der Schnellere. Aber der Ferrari hatte den besseren Topspeed. Kombiniert mit DRS-Vorteil hätte sich Hamilton warm anziehen müssen, um die Führung ins Ziel zu bringen.

Aber Wolff hat völlig recht mit der Einschätzung, dass die Entscheidung so oder so kontrovers diskutiert worden wäre. Und mit der Feststellung, dass er nicht in der Haut der vier Rennkommissare stecken möchte. Die hatten gestern Abend den schwierigsten Job - und konnten dabei am Ende eigentlich nur schlecht aussehen.

Regeltext spricht ziemlich eindeutig gegen Vettel

Es gibt gleich mehrere Formel-1-Regeln, die auf die Situation passen. Eine davon lautet (und die trifft's am besten): Wenn ein Fahrer von der Strecke ab- und wieder auf diese zurückkommt, darf er das nur, wenn es sicher ist - und ohne daraus einen anhaltenden Vorteil zu ziehen.

 

Es ist ziemlich eindeutig, dass Vettels Zurückfahren auf die Strecke nicht sicher war. Hamilton musste abbremsen, um einen Crash zu vermeiden. Und einen Vorteil zog er daraus auch. Ansonsten wäre Hamilton in Führung gegangen. Den Fehler, der zur ganzen Diskussion führte, den hat sich Vettel schließlich ganz allein selbst zuzuschreiben.

Freilich kann man auch Vettels Argumentation verstehen, die da lautet: "Was hätte ich denn tun sollen?" Er war damit beschäftigt, sein Auto einzufangen. Nur: Im Fußball interessiert es auch keinen, ob der Torraub des Verteidigers gegen den Mittelstürmer Absicht war oder ob er nur irrtümlich in dessen Lauf hineingestolpert ist. Am Ende gibt's kein Tor - und die rote Karte für den Verteidiger.

Auch wenn es ein bisschen nach Juristensprache klingt, wie Vettel zurecht kritisiert hat: Letztendlich ist es schon richtig, dass streng nach Regeltext bestraft wird und nicht nach freiem Ermessen, je nachdem, ob eine Aktion Absicht war oder nicht. Regelverstoß ist Regelverstoß.

Zum Thema:

Was Montreal 2019 mit Monte Carlo 2006 zu tun hat

Denn wie will man einem Fahrer Absicht nachweisen, wenn er diese nicht freiwillig zugibt? Michael Schumacher hat sein Parkmanöver in Rascasse auch nie "gestanden". Trotzdem war es völlig richtig, ihn dafür zu bestrafen.

Bitte nicht falsch verstehen: Rein moralisch hätte ich es besser gefunden, Vettel nicht zu bestrafen. Denkt man die Sache aber zu Ende, und überlegt man sich die Konsequenzen, auch im Sinne eines Präzedenzfalls, dann war das wahrscheinlich schon richtig so.

Vettels Ausraster ist heute das große Thema auf diversen Social-Media-Plattformen. Es hat ein bisschen gedauert, bis ihn ein Ferrari- und ein FOM-Mitarbeiter dazu überreden konnten, doch noch aufs Podium zu gehen. Sonst hätte er sich wahrscheinlich die nächste Strafe eingefangen.

Und er kann von Glück sagen, dass er die Strafe im ersten Interview mit Martin Brundle nicht als "dumm" bezeichnet hat, sondern als "lustig". Auch wenn man ihm diese Kritik unter den gestrigen Umständen wahrscheinlich verziehen hätte.

Wenn wir mal ehrlich sind, dann sind es doch genau diese Emotionen, von denen die Formel 1 lebt. Es ist klasse, dass Vettel seinen Ärger nicht einfach runtergeschluckt hat, sondern dass er, ein bisschen wie ein trotziges Kind, die #1 im Parc ferme vor dem Mercedes geklaut und vor seinen Platz gestellt hat. Die Fans vor Ort in Montreal bejubelten diese Aktion frenetisch.

 

Sportsmann Hamilton: Diese Buhrufe waren unfair!

Dass Hamilton ausgebuht wurde, war hingegen hochgradig unfair. Er konnte am allerwenigsten für die Kontroverse. Vettels Fehler war der Auslöser, die Entscheidung der Kommissare brachte die Eskalation.

Was hätte Hamilton denn bitte tun sollen? Die Forderung einiger User, er hätte sich um fünf Sekunden zurückfallen lassen sollen, damit Vettel das Rennen verdient gewinnen kann, ist lächerlich. Womöglich wäre ihm dann Charles Leclerc mit dem überragenden Ferrari-Topspeed gefährlich geworden.

Hamilton war Sportsmann genug, als er sagte: "So wollte ich dieses Rennen nicht gewinnen." Und Vettel zu sich auf das mittlere Treppchen holte. Eine große Geste unter großen Champions. Die Vettel fair erwiderte, als er die Fans aufforderte, Hamilton nicht auszubuhen. So gehört sich das.

 

Weltmeister wird Vettel 2019 trotzdem nicht. Dass Ferrari in Montreal erstmals vor Mercedes über die Ziellinie gefahren ist, ist eine Verzerrung der Realität. Am Auto gab es keinerlei technische Weiterentwicklungen. Am Mercedes schon. Der neue Phase-2-Motor soll pro Runde ein bis zwei Zehntel bringen. Der Vorsprung der Silberpfeile ist eher noch größer geworden.

Warum man das beim Grand Prix von Kanada nicht gesehen hat? Weil der Ferrari konzeptionell ein Topspeed-Wunder ist, und auf dem Circuit Gilles Villeneuve die langen Geraden dominieren. Ferrari hätte auf dieser Strecke auch vor Wochen schon gewonnen. Wahrscheinlich sogar noch deutlicher.

Das "Rennen der letzten Chance" ist jetzt also vorbei. Vettel kann sich zumindest mit etwas trösten: Sechs der nächsten sieben Grands Prix finden auf Strecken statt, auf denen sich Ferrari zumindest Chancen ausrechnen darf. Nur auf dem verwinkelten Hungaroring sollte Mercedes klar im Vorteil sein.

Ich würde an dieser Stelle gern schreiben: Die WM bleibt spannend.

Es wäre aber gelogen.

Christian Nimmervoll

P.S.: "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat" fand jahrelang jeden Montag auf unseren Portalen Formel1.de und Motorsport-Total.com statt. 2019 ist sie umgezogen zu de.motorsport.com. Auf unseren Schwesterportalen erfahren Sie stattdessen, "Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat".

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