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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Fernando Alonso

Über ein gescheitertes Angebot an Pierre Wache und die Gründe, warum Fernando Alonso seine Karriere als zweimaliger Weltmeister beenden wird müssen

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Fernando Alonso

Liebe Leserinnen und Leser,

es hätte diesmal auch eine Kolumne darüber werden können, dass Mercedes den Karren nicht aus dem Dreck gezogen bekommt und Toto Wolff derzeit ganz und gar unentspannt wirkt. Oder über dessen Schützling Esteban Ocon, der bei Williams kein Thema ist, weil ihn James Vowles für keinen Teamplayer hält. Oder über Sebastian Vettel und Mick Schumacher, die eigentlich gern wieder Formel 1 fahren würden, aber für 2025 sehr wahrscheinlich kein Cockpit finden werden, wie es momentan aussieht, obwohl sie (respektive ihre Manager) in Imola fleißig Klinken geputzt haben.

Aber ich möchte stattdessen eine andere Geschichte erzählen, nämlich die von Fernando Alonso.

 

In Imola hat er einst, 2005, sein erstes großes Meisterstück abgeliefert, als Michael Schumacher im viel schnelleren Ferrari rundenlang hinter dem blau-gelben Renault verzweifelte. Es war, im Nachhinein betrachtet, wahrscheinlich die Geburtsstunde eines Champions.

19 Jahre später lief das Wochenende des Spaniers ein bisschen anders ab. Der Crash im Freien Training, der auf seine Kappe ging und ihm normalerweise so nicht passiert, das durchwachsene Qualifying, und dann ein Rennen, das nach dem Start aus der Boxengasse nichts anderes war als ein besserer Test unter Rennbedingungen.

Ein ziemlich frustrierender Test. Schaut man nur auf die Ergebnisliste, könnte man meinen, Alonso habe sich mit einer Zeitmaschine wieder ins Jahr 2001, zu Minardi, ganz in der Nähe von Imola beheimatet, zurückgebeamt: Platz 19.

Warum Alonso schlecht geschlafen hat

Aber viel mehr Sorge als ein schlechtes Wochenende sollte ihm das große Ganze bereiten. Mit 42 hat Alonso keine vier, fünf Jahre mehr Zeit, um der Welt mit dem dritten Titel endlich zu beweisen, wovon er selbst schon immer überzeugt war, nämlich dass niemand außer ihm selbst der beste Rennfahrer der Gegenwart ist.

Doch das läuft gerade nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte.

Alonso hat im Sommer 2022, als Vettel auf die Idee kam, seine Karriere zu beenden, mit dem Wechsel zu Aston Martin genau den richtigen Move gemacht. Sein Lebensglück wäre heute kleiner, wäre er damals geblieben. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie er regelmäßig ausflippen würde, müsste er unter einem Teamchef Bruno Famin die Alpine-Gurke um die Rennstrecken dieser Welt prügeln. Für uns Journalisten wäre das vielleicht eine unterhaltsame Konstellation. Für Alpine und Alonso die radikale Selbstzerstörung.

 

Aber zur Wahrheit gehört auch, dass das Strohfeuer, das Aston Martin Anfang 2023 abgefackelt hat, inzwischen ziemlich zur Neige gebrannt ist. Was sicher damit zu tun hat, dass das Team erst kürzlich in die neue Fabrik umgezogen ist und eine solche Transformation nie ganz spurlos an einem Formel-1-Team vorbeiziehen kann. Fair enough. Aston Martin war früher konkurrenzfähig als geplant.

Pierre Wache hat Aston Martins Angebot abgelehnt

Doch es gibt auch die Nörgler im Paddock, die behaupten, das habe damit zu tun, dass der von Red Bull abgeworbene Technische Direktor Dan Fallows beim Wechsel zwar gute Designansätze von seinem vorherigen Arbeitgeber mitbrachte, inzwischen jedoch, ohne die "Wingmen" Adrian Newey und Pierre Wache, an seine Grenzen stößt.

Das sieht vielleicht auch Lawrence Stroll so, der sowohl Newey als auch Wache finanziell hochdotierte Angebote unterbreitet hat. Newey soll noch drüber nachdenken, wie er seine Zukunft gestalten will, scheint aber an Aston wenig Interesse zu zeigen. Weil er mit vielen Nullen auf dem Gehaltsscheck nicht mehr zu kaufen ist.

Der Mann, der laut Franz Tost Luft sehen kann, hat mehr Geld als verbleibende Lebenszeit auf seinem Konto, und seine letzte Station in der Formel 1 will er nicht in einem Umfeld verbringen, dessen oberstem Alphatier er mindestens skeptisch gegenübersteht. "More money than time", nennt Eddie Jordan das.

 

Wache wiederum ist ohne Newey und Fallows jetzt die neue Nummer 1 in der Technikabteilung von Red Bull. Das Aston-Angebot hat immerhin eins bewirkt, nämlich dass er mehr Geld aus dem Red-Bull-Budget abzweigt als früher, und dass er in Milton Keynes neuerdings mit einem ziemlich (un-)gesunden (?) Selbstvertrauen auftritt.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Alonso ein besseres Gefühl hätte, wenn neben Fallows auch noch Newey und Wache zu Stroll gekommen wären. Doch das wird nicht passieren. Die Formkurve zeigt nach unten, und das, obwohl Aston Martin in Imola das bisher größte Update der jüngeren Teamgeschichte an den Start geschickt hat.

Nun ist es immer gefährlich, ein Update nach nur einem Rennen zu bewerten. Doch es sieht ganz danach aus, als seien die Neuerungen ein Flop. Was hilft es, mehr Updates zu entwickeln, wenn diese am Ende auf der Rennstrecke nicht anschlagen?

Hätte Alonso noch länger warten sollen?

Vielleicht bereut Alonso schon, dass er nicht drauf gewartet hat, was "Königsfigur" Max Verstappen macht, sondern frühzeitig bei Stroll unterschrieben.

Sein Manager Flavio Briatore hatte sowohl bei Red Bull als auch bei Mercedes Verfügbarkeit signalisiert. Ob es letztendlich Alonso war, der nicht warten und am Ende womöglich durch den Rost fallen und mit gar nichts dastehen würde, oder ob ihn die beiden Teams schlicht und einfach nicht wollten, ist für mich nicht mit Sicherheit rekonstruierbar.

Fest steht, dass Aston Martin seine letzte Chance ist, in der Formel 1 Weltmeister zu werden. Denn wenn die Karten in der "Silly Season" das nächste Mal durchmischt werden, ist Alonso zu alt, um für ein Topteam noch ernsthaft in Frage zu kommen. Es muss also da klappen, wo er jetzt ist. Und das sieht dieser Tage nicht allzu wahrscheinlich aus.

Vielleicht wäre es gescheiter gewesen, statt es doch noch einmal mit der alten Liebe Formel 1 zu probieren, um dort offene Rechnungen zu begleichen, die einst aus der Not geborene Vision von der "Triple-Crown" nicht so früh aufzugeben. Vielleicht hätte Alonso diese inzwischen sogar schon gewonnen.

Ich persönlich finde es schade, dass er seine Karriere "nur" als zweimaliger Welmeister beenden wird müssen. Lewis Hamilton hat dreieinhalbmal so viele Titel. Alonso ist aber nicht dreieinhalbmal schlechter.

Sorgen, die Max Verstappen nicht hat. Dem Imola-Sieger, der das Kunststück vollbracht hat, zwei Rennen an einem Tag zu gewinnen, hat mein Kollege Frederik Hackbarth die Schwesterkolumne "Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat" gewidmet.

Euer

Christian Nimmervoll

Hinweis: Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Kolumne meine subjektive Wahrnehmung abbildet. Wer anderer Meinung ist, kann das gern mit mir ausdiskutieren, und zwar auf meiner Facebook-Seite "Formel 1 inside mit Christian Nimmervoll". Dort gibt's nicht in erster Linie "breaking News" aus dem Grand-Prix-Zirkus, sondern vor allem streng subjektive und manchmal durchaus bissige Einordnungen der wichtigsten Entwicklungen hinter den Kulissen der Formel 1.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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