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Formel 1 Barcelona

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: James Vowles

James Vowles spuckt große Töne, läuft Gefahr, Carlos Sainz zu verlieren, und spürt steigenden Druck seitens der Investoren des Williams-Teams

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: James Vowles

Liebe Leserinnen und Leser,

ja, diese Kolumne soll immer montags nach einem Grand Prix die Geschichte eines Mannes (oder, leider, in selteneren Fällen, einer Frau) erzählen, der aktuell guten Grund hat, schlecht zu schlafen. Quasi der Antipode zum "Driver of the Day".

Würde man das immer streng wörtlich nehmen, müsste nach Barcelona zum Beispiel Logan Sargeant schlecht geschlafen haben. Seine Formel-1-Karriere nähert sich unausweichlich ihrem Ende, und am Sonntag war er der einzige aller 20 Fahrer, der zweimal überrundet wurde.

 

Oder Laurent Mekies, Teamchef der Racing Bulls, die noch vor ein paar Wochen drauf und dran waren, Aston Martin zu kitzeln, in Barcelona aber so hoffnungslos hinterherfuhren, dass sie jetzt sogar drüber nachdenken, das jüngste Update für den bevorstehenden Grand Prix von Österreich wieder in die Schublade zu stecken.

Oder auch Fernando Alonso, der sich sein Heimrennen sicher anders vorgestellt hat. Zwölfter zu werden, 11,4 Sekunden hinter Nico Hülkenberg im Haas, kann den Ansprüchen eines zweimaligen Weltmeisters nicht genügen.

Und schon fragen sich die Ersten: Wechselt er, wenn Lawrence Stroll Aston Martin weiterhin nicht auf die Reihe kriegt, irgendwann ein viertes Mal zum Alpine-Team, wo jetzt sein Freund und Berater Flavio Briatore als Berater angeheuert hat?

Aber "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat" soll letztendlich über die Saison verteilt ein bisschen Abwechslung bieten, und vor Barcelona gab es nur noch vier Teams, die ich 2024 noch nie verrissen habe: McLaren (gibt weiterhin keinen Grund dafür), Haas (liefert ohne Mick Schumacher keine so kontroversen Geschichten mehr), Sauber (nahezu unter dem Radar, weil dort schon alle an 2026 denken) - und Williams.

Warum James Vowles am schlechtesten geschlafen hat

James Vowles also. Der alte Kumpel von Toto Wolff, den mein Kollege Frederik Hackbarth diesmal am besten schlafen hat lassen. Dank der zwei Punkte von Alexander Albon in Monaco ist das Team des ehemaligen Mercedes-Chefstrategen aktuell nicht Letzter, sondern Vorletzter in der Konstrukteurs-WM. Doch auch wenn er rhetorisch mit pathetischen Reden überzeugt: Der Weg, der vor dem Engländer liegt, ist noch lang. Und ziemlich steil.

Nur scheibchenweise packt Vowles aus, wie veraltet und verkrustet die Strukturen in Grove wirklich sind. Im Februar erzählte er, wie in der Fabrik Exceltabellen hin und her geschickt wurden, um den Fortschritt mit neuen Teilen zu monitoren. "Ich wünschte, das wäre ein Witz. Ist es nicht", sagte er damals.

Im Mai gab er dann erstmals zu, dass der Williams das übergewichtigste Auto im Formel-1-Feld 2024 ist, mit einem Zeitverlust von bis zu einer halben Sekunde pro Runde. Das liege nicht am Personal, das sich tagtäglich den Arsch aufreiße, versicherte er. Sondern am Vermächtnis, das ihm seine Vorgänger aus "den letzten 20 Jahren" hinterlassen haben.

Doch Vowles verkauft den Williams-Investoren von Dorilton Capital eine Erzählung darüber, wie er das Team wieder auf Vordermann bringen wird, und er lässt, auch öffentlich, keinen Zweifel dran, dass er nur in den allergrößten Maßstäben denkt.

Einem Starfahrer wie Carlos Sainz rollt er öffentlich den roten Teppich aus, und in den nächsten Monaten sollen dutzende neue Mitarbeiter engagiert werden. Schritt für Schritt wolle man so vorankommen, bis Williams wieder das ist, was es früher einmal war: eins der besten Teams der Formel 1.

Warum will Williams keine Interviews geben?

So, als wäre man das schon, tritt übrigens Vowles' Presseabteilung auf. 2023 wurde uns ein Interview mit Alexander Albon verwehrt, weil wir mit dem sympathischen Thailänder auch über seine Red-Bull-Vergangenheit reden wollten. Und jetzt verweigert man unsere Anfrage nach einem Termin mit Logan Sargeant, dem wir eigentlich gern Gelegenheit geben würden, mal seine Sicht der Dinge zu erzählen, warum es irgendwie nicht so richtig läuft.

Man würde meinen: Ein Team wie Williams sollte froh drüber sein, wenn sich die Medien, trotz der bestenfalls durchschnittlichen sportlichen Ergebnisse, für die unter Vertrag stehenden Fahrer interessieren, und eine Plattform anbieten, das Team und seine Partner einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Schwamm drüber. Dann halt nicht.

Doch dieses selbstbewusste Selbstverständnis erhöht auch den Druck auf dem Kessel. Hinter vorgehaltener Hand wird schon gemunkelt, dass einige bei Dorilton Capital auch in den Ergebnislisten gern mal Indizien erkennen würden, dass es langsam vorangeht.

Was, ganz nüchtern betrachtet, nicht der Fall ist. Im Vergleich zu 2023, Vowles' erstem Jahr als Teamchef, ist Williams sogar zurückgefallen. Damals hatte man nach zehn Grands Prix nicht zwei, sondern elf WM-Punkte auf dem Konto.

Wechselt Sainz nicht zu Williams, sondern zu Alpine?

Die Wahrheit ist: Wenn es stimmt, was im Paddock erzählt wird, nämlich dass Sainz entweder zu Williams oder zu Sauber wechseln wird, dann bedeutet das für den Ferrari-Fahrer den Abstieg entweder zum zweitschlechtesten oder zum schlechtesten Team der Formel 1. Zumindest Stand heute. Kein Wunder, dass er sich nicht entscheiden kann.

Übrigens: Die Geschichte, dass Sainz schon bei Williams unterschrieben haben soll, hält sich seit Wochen hartnäckig. Dabei hat er, nach bestem Wissen und Gewissen, bei Sauber noch nicht abgesagt.

Vielleicht kommt am Ende doch alles ganz anders, und er kehrt zu Alpine zurück. Es wäre ein Coup, der die Handschrift von Flavio Briatore trägt.

Für Vowles wäre das ein herber Rückschlag. Esteban Ocon (für seinen Geschmack zu wenig Teamplayer) und Mick Schumacher (zu langsam) will er nicht, hört man. Der Plan B wäre am ehesten Valtteri Bottas.

Das würde wiederum meinen Kollegen Kevin Scheuren freuen. Er sieht jetzt schon die Memes vor sich: "Valtteri, it's James." Keine goldenen Erinnerungen aus der gemeinsamen Zeit bei den silbernen Pfeilen.

Albon/Bottas: Gut genug für die große Wende?

Ob eine Fahrerpaarung Albon/Bottas die richtige wäre, um Williams zurück an die Spitze zu führen?

Das mag jetzt hart klingen, aber: Albon ist immer noch der, der von Max Verstappen ziemlich entzaubert wurde. Seither hatte er keine ernstzunehmenden Teamkollegen mehr. Und es wird schon einen Grund haben, warum Saubers Bemühungen, Bottas zum Bleiben zu überreden, recht überschaubar sind.

Ich kenne James Vowles nicht näher. Er wirkt auf mich, wenn er redet, wie ein sehr kluger Mann mit großer intellektueller Kapazität. Aber vielleicht fällt es ihm irgendwann mal auf den Kopf, dass er so große Töne gespuckt hat. Denn an denen wird man ihn eines Tages messen.

Übrigens: Am Donnerstag feierte Vowles seinen 45. Geburtstag. Happy Birthday!

Euer

Christian Nimmervoll

Hinweis: Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Kolumne meine subjektive Wahrnehmung abbildet. Wer anderer Meinung ist, kann das gern mit mir ausdiskutieren, und zwar auf meiner Facebook-Seite "Formel 1 inside mit Christian Nimmervoll". Dort gibt's nicht in erster Linie "breaking News" aus dem Grand-Prix-Zirkus, sondern vor allem streng subjektive und manchmal durchaus bissige Einordnungen der wichtigsten Entwicklungen hinter den Kulissen der Formel 1.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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