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Formel 1 Monaco

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Lawrence Stroll

Lawrence Stroll gilt nicht als geduldiger Mann, doch seine Geduld wird dieser Tage arg strapaziert - Kommt jetzt Mattia Binotto als neuer CTO?

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Lawrence Stroll

Liebe Leserinnen und Leser,

am 17. April Tag 2020, also zum Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass Toto Wolff Aktien am Unternehmen seines damaligen Freundes Lawrence Stroll, Aston Martin Lagonda, erworben hat, lag der Aktienkurs des britischen Sportwagenherstellers bei einem Tageshoch von 4,67 Pfund Sterling. Am nächsten Handelstag, dem 20. April, erreichte die Aktie sogar bis zu 5,19 Pfund.

So ganz genau wurde nie bestätigt, wie viel Geld Wolff in Aston Martin investiert hat. Die Rede war von 37 Millionen Pfund, also nach damaligem Umrechnungskurs 42,5 Millionen Euro. Legt man auf diese Summe das Plus von 11,1 Prozent an, das Aston Martin vom 17. auf den 20. April erreichte, bedeutete ein einziger Handelstag satte 4,7 Millionen Euro theoretischen Gewinn für Wolff.

 

Inzwischen sieht das ein bisschen anders aus. Gemeinsam mit Wolff beteiligte sich 2020 auch der Daimler-Konzern (heute: Mercedes) an Aston Martin, und der gab bis 2024/25 klare Zielvorgaben aus: 2,2 Milliarden Euro Umsatz, 550 Millionen Euro Gewinn. Marken, von denen das Unternehmen heute, mehr als vier Jahre später, meilenweit entfernt ist.

Aston Martin Lagonda: Unternehmensziele bisher verfehlt

Obwohl Unmengen an Kapital in Aston Martin (ein "Fass ohne Boden", wie manche Finanzinsider urteilen) gepumpt werden, hat das Unternehmen im ersten Quartal 2024 gerade mal 314 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, ein Minus von 9,5 Prozent im Vergleich zu Q1/2023. Hochgerechnet aufs gesamte Jahr wären das nur rund 1,3 Milliarden Euro.

Von den einst erhofften Gewinnen kann ohnehin keine Rede sein. Aston Martin verbrennt Geld im großen Stil. Oder, anders formuliert: Sollte Toto Wolff immer noch das gleiche Aktienpaket besitzen, dann sind vom Investment in der Höhe von ursprünglich 42,5 Millionen Euro nur noch elf Millionen Euro übrig.

Kein Wunder, dass das Verhältnis von Stroll sen. zu manchen seiner Investorenkumpels (darunter einst übrigens auch Sebastian Vettel) dem Vernehmen nach gelitten hat. Und das, obwohl Aston Martin, wie ich persönlich finde, schicke Autos baut. Ein bisschen teuer vielleicht, und, was das Infotainment betrifft, nicht ganz so State of the Art, wie der "große Bruder" Mercedes das in seinen neuesten Luxusmodellen vormacht. Aber grundsätzlich schick.

Stroll jun. will angeblich weniger "arbeiten"

Strolls Sorgen mit der Sportwagenmarke sind die eine Sache. Seine Sorgen in der Formel 1 eine andere. Läuft mutmaßlich nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hat. Das beginnt beim eigenen Sohn. Denn auch wenn das Teammanagement konsequent das Gegenteil behauptet, wirkt Lance zumindest nach außen nicht so, als hätte er noch wahnsinnig viel Lust auf ein Leben als Formel-1-Fahrer.

Das zeigt sich manchmal an kleinen Geschichten aus dem Paddock. Etwa am vergangenen Freitag, als er es war, der im Fahrerbriefing eine hitzige Diskussion angezettelt hat. "Es ging drum, wie viel Medienarbeit die Fahrer machen sollen, oder nicht machen wollen", erzählte Alexander Wurz, Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA, während des dritten Freien Trainings am Samstag im ORF.

Irgendwann soll der Vorschlag aufgekommen sein, den Medientag am Donnerstag doch komplett zu streichen. Wir wollten von Stroll jun. wissen, was er denn dann am Donnerstag machen würde. "Frei", war seine lapidare Antwort.

Ist das der Sound eines hochmotivierten jungen Mannes, der unbedingt die nächsten Jahre damit verbringen möchte, weiterhin zu versuchen, eines Tages Formel-1-Weltmeister zu werden? Mike Krack würde mir da sicher energisch widersprechen, aber ich finde: Nein.

Krack & Fallows: Rapport beim Chef nach Imola

Und auch sportlich läuft's nicht so richtig bei Aston Martin. Die Nörgler, die von Anfang an schon vermutet haben, dass Dan Fallows von Red Bull zwar gutes Startkapital mitgebracht hat, welches Anfang 2023 einen unmittelbaren Boost bedeutete, das aber nicht nachhaltig sein würde, scheinen, Stand heute, Recht zu behalten.

Und auch wenn nach außen hin versucht wird, sich die Formkurve schönzureden, brodelt es hinter den Kulissen. Nach Imola mussten Fallows und Krack gemeinsam zum Rapport bei Stroll sen. antanzen, wird im Paddock hinter vorgehaltener Hand erzählt. Der ungeduldige Chef soll unzufrieden sein damit, dass es nicht so schnell vorangeht, wie er sich das vorstellt.

An seiner Investitionsbereitschaft kann das ja nicht liegen. Stroll sen. hat sowohl Adrian Newey als auch Pierre Wache, den beiden "Golden Boys" von Red Bull, hochdotierte Angebote unterbreitet. Beide sollen abgesagt haben, wird uns berichtet.

Holt Stroll sen. jetzt Binotto zu Aston Martin?

Jetzt arbeitet Aston Martin offenbar am nächsten Coup. Mattia Binotto, der ehemalige Ferrari-Boss, der im Herzen immer mehr Technischer Direktor war als Teamchef, könnte von Stroll in die Formel 1 zurückgeholt werden. Womöglich als Chief Technical Officer (CTO) - eine Rolle, die unbesetzt ist, seit sie Andrew Green Anfang 2023 (angeblich nicht ganz freiwillig) verlassen hat.

Mattia Binotto

Mattia Binotto, hier in Imola, war zuletzt wieder häufiger bei der Formel 1 zu Gast

Foto: circuitpics.de

Binotto wäre damit sozusagen der Vorgesetzte von Fallows, und während es weiterhin Fallows' Aufgabe wäre, das Auto zu designen, könnte sich Binotto drauf konzentrieren, die technischen Strukturen aufzustellen und gemeinsam mit Martin Whitmarsh, dem CEO von Aston Martin Performance Technologies, am "big Picture" zu arbeiten, während Fallows und Krack das Tagesgeschäft erledigen.

Stroll sen. hat auf dicke Hose gemacht und davon gesprochen, er möchte Aston Martin zu einem der besten Teams der Formel 1 transformieren. Wer ihn kennt, der weiß, dass er damit nicht gemeint hat, Fünfter in der Konstrukteurs-WM zu werden. Aber ob die Sache mit der Weltmeisterschaft jemals klappen wird, daran darf man, zumindest Stand heute, vorsichtig zweifeln.

Warum Monaco nur eine Momentaufnahme ist

Monaco ist dafür übrigens, nebenbei bemerkt, nicht der Maßstab. Fernando Alonso wurde im Qualifying vor allem wegen Verkehrs auf seiner schnellen Runde unter Wert geschlagen, und in Monaco gewinnst du halt keinen Blumentopf mehr, wenn du am Samstag in Q1 ausgeschieden bist. Das kann in zwei Wochen in Kanada schon wieder ganz anders aussehen.

Wäre, für die Psychologie, wichtig. Kanada ist der Heim-Grand-Prix der Strolls. Dort ein Podium, und die aktuell schlechte Laune des Chefs würde wahrscheinlich schlagartig ins Positive kippen. Das wäre, finde ich, eine gute Sache. Denn ein viertes Team, das neben Red Bull, McLaren und Ferrari Rennen gewinnen kann, würde auch der Formel 1 insgesamt guttun.

Aber wahrscheinlich mache ich mir um Aston Martin viel zu viele Sorgen. Stroll sen. ist nicht der Typ, der unverrichteter Dinge aufgibt. Und Kritik aus den Medien (oder Kolumnen wie diese) ist nichts, was ihn nachhaltig frustriert. Sondern, wenn überhaupt, ihn antreibt, kleinen Möchtegern-Besserwissern wie mir zu zeigen, dass sie keine Ahnung haben und sich irren.

Übrigens: Viel besser geschlafen hat (falls das Jimmy'z in Monte Carlo ihn schon rausgeschmissen hat!) Charles Leclerc. Warum dessen Welt nach seinem ersten Heimsieg in Ordnung ist, hat mein Kollege Frederik Hackbarth in der Schwesterkolumne "Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat" aufgeschrieben.

Euer

Christian Nimmervoll

Hinweis: Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Kolumne meine subjektive Wahrnehmung abbildet. Wer anderer Meinung ist, kann das gern mit mir ausdiskutieren, und zwar auf meiner Facebook-Seite "Formel 1 inside mit Christian Nimmervoll". Dort gibt's nicht in erster Linie "breaking News" aus dem Grand-Prix-Zirkus, sondern vor allem streng subjektive und manchmal durchaus bissige Einordnungen der wichtigsten Entwicklungen hinter den Kulissen der Formel 1.

Mit Bildmaterial von circuitpics.de.

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