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Audi-Teamchef Jonathan Wheatley spricht über den Fünf-Jahres-Plan des Herstellers und warum es nicht einfach ist, die Konkurrenz zu bezwingen

Wheatley: Wir schlagen Mercedes, Ferrari & Co. nicht, nur weil wir Audi sind

Audi-Teamchef Jonathan Wheatley gibt sich realistisch

Foto: Christopher Christopher

Offiziell hat Audi als Ziel ausgeschrieben, 2030 die Weltmeisterschaft in der Formel 1 zu gewinnen. "Aber wir wollen sie schon davor gewinnen", weiß Teamchef Jonathan Wheatley. Natürlich würde man bei Audi gerne schon in diesem Jahr mit dem Titel nach Hause fahren, doch beim Hersteller ist man realistisch genug zu wissen, dass das Utopie ist.

"Man muss auch demütig gegenüber der Herausforderung sein, die vor einem liegt. Man schlägt Teams wie Ferrari, Red Bull, Mercedes oder McLaren nicht einfach so", betont Wheatley. "Man taucht nicht einfach auf und schlägt sie, nur weil man Audi ist. So funktioniert das nicht."

Der Engländer weiß: "Man braucht einen Plan." Und der sieht fünf Jahre bis zum großen Ziel vor. "Unser Plan ist es, erst ein Herausforderer zu sein, dann ein Konkurrent und schließlich ein Champion."

Soll heißen: Mit regelmäßigen Punkteplatzierungen wäre Audi im Debütjahr 2026 schon zufrieden, danach darf es schrittweise mehr sein.

Nur: Fünf-Jahres-Pläne - oder 100-Rennen-Pläne - wurden schon von vielen Teams aufgestellt. Die meisten haben ihre Ziele verfehlt. Warum sollte es Audi besser ergehen als den ganzen anderen, die es vorher versucht haben? Und Weltmeister werden, das wollen auch zehn andere Teams.

Natürlich gibt es keine Garantien, und Ziele kann erst einmal jeder haben - ob sie erreicht werden, ist eine andere Frage. Auf der anderen Seite: Warum sollte sich ein Hersteller wie Audi auch mit weniger als dem WM-Titel zufriedengeben?

Die Basis ist "nur" Sauber

Wichtig ist Wheatley vor allem eine Botschaft: "Es braucht Zeit." Denn im Gegensatz zu Konkurrenten wie Mercedes oder Ferrari bringt das Team deutlich weniger Erfahrung mit. Vor allem in Sachen Motor sind die anderen Hersteller Audi wissenstechnisch ein Stück voraus. Und auch beim Chassis sind Mercedes & Co. deutlich etablierter und besser aufgestellt als das frühere Sauber-Team.

"Das war ein Team, das über lange Zeit weitgehend unterfinanziert und sicherlich unterkapitalisiert war", sagt Wheatley. "Die Leute mussten kreativ sein, aber es fehlten die Mittel und das Geld, um die Arbeit so zu erledigen, wie es eigentlich nötig gewesen wäre. Und an manchen Stellen war die Kultur nicht unbedingt die offenste und zuvorkommendste."

Das soll sich mit der Übernahme durch Audi jetzt ändern. "Ein Teil dieser Reise, auf der wir uns befinden, besteht also darin, das Audi-Team zu erschaffen, unsere eigene Kultur zu kreieren und das Unternehmen darauf basierend voranzutreiben. Denn in diesem Geschäft dreht sich alles um Menschen. Und Menschen sind für mich das Interessanteste."

"Ich meine, ich liebe die Autos. Ich liebe alles andere auch. Aber ein erfolgreiches Formel-1-Team zeichnet sich dadurch aus, dass man das Beste aus jedem Einzelnen herausholt", so der Teamchef.

Wheatley erkennt Enthusiasmus

Ihm sei wichtig, dass alle Mitarbeiter die Reise verstehen, die Audi geplant hat. Und neben den sportlichen Zielen gebe es auch interne Kulturziele. "Und ich denke, in diesem Jahr geht es für mich vor allem darum, dass die Menschen Verantwortung für ihre eigene Rolle in diesem Team übernehmen und dafür, wie sie zur Performance beitragen können", sagt Wheatley.

"Und genau das haben wir bereits gesehen: ein enormer Enthusiasmus in der Fabrik. Um ehrlich zu sein, herrscht an all unseren Standorten ein enormer Enthusiasmus, etwas Besonderes zu schaffen", betont er.

Dass Audi jetzt 2026 zu Beginn eines komplett neuen Reglements einsteigt, sieht der Brite dabei als Vorteil. "Das gibt jedem die Chance, jetzt die Architektur eines Autos zu entwerfen, von dem wir hoffen, dass es im Jahr 2030 ein Weltmeisterauto sein wird."

"Wir sagen zwar, dass wir 2030 Meisterschaften gewinnen wollen, aber wir wollen sie schon davor gewinnen. Aber ich denke, man muss einfach realistisch bleiben, was den Weg angeht, auf dem man sich befindet. Es wird nicht von heute auf morgen passieren."

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