Widersprüche bei Mercedes: Gibt's nun einen "Partymodus"?

Zwischen Lewis Hamilton und seinem Mercedes-Team gibt es anscheinend unterschiedliche Ansichten, was die Existenz eines Partymodus angeht ...

Haben sie nun einen oder haben sie nicht? Die Rede ist vom häufig zitierten "Partymodus", der Mercedes im Qualifying zu mehr Leistung verhelfen soll. Denn in der Qualifikation von Australien war es auffällig, dass Lewis Hamilton von Q2 auf Q3 plötzlich fast neun Zehntelsekunden gefunden hat - die gleiche Differenz gab es zwischen Hamiltons erstem und zweitem Versuch im dritten Abschnitt.

Schon im vergangenen Jahr konnten die Silberpfeile im entscheidenden Qualifying-Moment noch einmal leistungstechnisch zulegen und sich so einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz erfahren. Auch heute betrug der Abstand zwischen Hamilton und dem Rest der Welt fast sieben Zehntelsekunden - dafür machen Aufsichtsratschef Niki Lauda und Ex-Pilot Nico Rosberg aber Hamiltons Leistung verantwortlich.

Auch Hamilton selbst will von einem Partymodus nichts wissen: "Ich kann euch versichern, dass wir keinen Partymodus haben", beteuert er. Selbst von der Bezeichnung will er noch nie gehört haben: "Aber es klingt ziemlich cool", lacht er. Das Problem: Den Begriff hatte er erst vor wenigen Tagen selbst geprägt: "Unser Qualifying-Modus macht am meisten Spaß. Er sollte Partymodus genannt werden, denn er liefert uns am meisten Saft und das höchste Tempo", hatte er im Vorfeld des Australien-Grand-Prix erklärt.

Unterschiedliche Aussagen von Wolff und Hamilton

Leidet der amtierende Weltmeister etwa an Amnesie oder möchte er irgendetwas vor der Konkurrenz verschleiern? Fakt ist: Es gibt den Partymodus wirklich, wie Motorsportchef Toto Wolff bestätigt: "Der Partymodus existiert im Auto", widerspricht der Österreicher seinem Piloten.

Und noch ein weiteres Mal scheinen sich der Pole-Mann und sein Team nicht einig zu sein. "Ich habe von Q2 bis ans Ende von Q3 den gleichen Modus verwendet", versichert Hamilton auf der Pressekonferenz, doch Wolff widerspricht erneut: "Wir haben den Partymodus für Q3 angeworfen", bestätigt er. Allerdings habe es keinen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Versuch in Q3 gegeben.

Doch wo hat Hamilton dann die große Zeitdifferenz im entscheidenden Versuch hergenommen? "Er hat gesagt, dass er einfach eine großartige Runde gefahren ist, alles zusammengebracht hat und mehr Geschwindigkeit durch die Kurvenscheitel mitgenommen hat", erklärt Wolff. "Vor allem die Kurven 1 und 2 waren einfach in einer anderen Liga als in den Versuchen davor. Alles hat einfach gepasst."

Toto Wolff bleibt skeptisch

Bei der Konkurrenz herrscht angesichts der Mercedes-Möglichkeiten schon der erste Frust. "Wir wissen es besser", winkt Max Verstappen ab, als ihm gesagt wird, dass Hamilton den Vorsprung mit einer perfekten Runde erklärt hat. "Normalerweise beträgt der Abstand rund eine halbe Sekunde. Wenn man dann drei oder vier Zehntelsekunden durch den Motor gewinnt, indem man einen Knopf dreht - das ist nicht schlecht, oder?"

Ob der Mercedes-Vorsprung aber wirklich so groß ist, wie er sich in Australien angedeutet hat, vermag Toto Wolff nicht zu sagen. Die Zeiten zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull seien das ganze Wochenende über ziemlich eng gewesen - mit eben einer Ausnahme. "Aus meiner immer pessimistischen Perspektive müssen wir herausfinden, ob es Lewis gut hinbekommen hat oder ob die knappen Abstände der Realität entsprechen. Ich weiß es nicht."

Die Formel-1-Welt weiß nun aber: Der Partymodus existiert.

Mit Informationen von Erwin Jaeggi

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung Melbourne
Unterveranstaltung Qualifying, Samstag
Rennstrecke Melbourne Grand Prix Circuit
Fahrer Lewis Hamilton
Teams Mercedes
Artikelsorte News
Tags formel 1, lewis hamilton, mercedes, motor, partymodus, toto wolff