Wie eine James-Bond-Stuntfrau zum Formel-1-Team von Aston Martin kam

Über Umwege kam Jessica Hawkins zum Formel-1-Team von Aston Martin: Während einer Auszeit vom Rennsport wurde sie zur Stuntfahrerin bei James Bond

Wie eine James-Bond-Stuntfrau zum Formel-1-Team von Aston Martin kam

Das Formel-1-Feld ist voll mit Superstars, die sich damit brüsten können, einige der schnellsten und exotischsten Maschinen auf diesem Planeten gefahren zu haben. Eine Person im Paddock hat jedoch etwas im Lebenslauf stehen, auf das viele Formel-1-Fahrer neidisch sein dürften: Sie war Stuntfahrerin bei James Bond.

Es geht um Jessica Hawkins, die in der W-Serie unterwegs und gleichzeitig Botschafterin für das Formel-1-Team von Aston Martin ist. Sie hat ihre Fähigkeiten am Lenkrad dazu genutzt, um einige von Hollywoods größten Stunts durchzuführen. Und ist sie stolz darauf? Absolut.

"Wer möchte nicht in einem Bondfilm mitgewirkt haben?", lächelt sie. "Es war eine unglaubliche Erfahrung. Eine, die ich für immer bei mir tragen werde."

Trotz ihres Renommees auf der großen Leinwand bleibt Rennsport Hawkins' Leidenschaft Nummer eins. Darum war auch die Verpflichtung bei Aston Martin in diesem Jahr ein so bedeutsamer Moment für sie.

Und auch wenn es sich nur um eine Rolle abseits der Strecke handelt und eine Fahrt im Formel-1-Auto erst einmal ein Traum bleibt, ist die Erfahrung im Team für sie von unschätzbarem Wert.

Durch ihre Medientermine ist sie an den Wochenenden häufig bei Aston Martin eingespannt, wenn sie nicht gerade gegen ihre Konkurrenten in der W-Serie fährt. Und das Wissen, das sie dabei mitnimmt, kann sie sonst nirgendwo kaufen.

Schon nach kurzer Zeit Teil der Familie

Doch mehr noch: In einem Sport, in dem Teams kaum etwas nach außen preisgeben, hat sie seit ihrem ersten Wochenende in Baku nichts als Offenheit und Freundlichkeit erfahren. Sie saß in Meetings, hat Fragen an die Mitarbeiter gestellt und durfte den Trackwalk mit den Fahrern bestreiten, um einen genauen Einblick zu bekommen, wie alles in der Formel 1 funktioniert.

"Ich wusste, dass ich Teil des Teams sein würde", sagt sie. "Aber ich bin absolut überwältigt, wie einladend alle waren und wie mir das Gefühl gegeben wurde, ein Teil des Teams zu sein."

 

"Schon nach wenigen Stunden beim ersten Rennen in Baku hatte ich das Gefühl, Teil der Familie zu sein. Das ist echt schön und herzerwärmend", so Hawkins weiter. "Ich kann Fragen stellen und habe dabei nicht das Gefühl, dass ich irgendwie nerve oder so. Sie haben mich unter die Fittiche genommen und helfen mir, so gut sie können."

"Dass ich Teil eines Teams bin, ist etwas, das mir in meiner Karriere gefehlt hat. Dass ich bei einem so fantastischen Team dabei sein kann, ist für mich eine Aufwertung. Was für ein Ort um zu lernen!"

Eine Karriere in der Sackgasse

Hawkins hat in ihrer Karriere schon immer eine Erfolgsentschlossenheit an den Tag gelegt, auch wenn sie nie die reichen Unterstützer hatte, um den nächsten Schritt zu erreichen.

Als mehrfache Kartmeisterin begann sie ihre Formelsport-Karriere mit einem einmaligen Einsatz in Silverstone in der Formel Ford 2014. Es folgte 2015 eine halbe Saison in der britischen Formel 4 (MSA Formula), doch ohne Sponsoren gab es kaum eine Chance, auf diesen ersten Schritten aufzubauen.

Jessica Hawkins

In den Nachwuchsklassen kam die Britin aufgrund fehlenden Budgets nicht weiter

Foto: Motorsport Images

2016 fuhr sie kurz im VW-Racing-Cup, bevor sie 2017 in die Mini-Challenge wechselte, wo sie sechs Klassensiege und den Vizetitel in der Cooper-Pro-Klasse einfuhr. Sie wusste, dass sie den nächsten Schritt machen muss, wenn ihre Karriere nicht stagnieren soll. Doch ohne Budget gab es für sie kaum Optionen.

Dann kam jedoch dieser eine Moment, der alles veränderte, als ihr Leben eine neue Richtung einschlug. Eine Richtung, die sich als positiv erweisen sollte. Nachdem sie eine Stellenanzeige für eine weibliche Stuntfahrerin gesehen hatte, bewarb sich Hawkins und bekam eine Rolle bei der Fast-and-Furious-Liveshow.

Von der Rennfahrerin zur Stuntfrau

"Ein Budget zu finden, war für mich unmöglich. Dann kam die Möglichkeit, an einer Probe für Fast an Furious live teilzunehmen. Und ich bekam den Job", erzählt sie. "Zwar wollte ich das damals unbedingt machen, allerdings war es kein Rennsport. Ich musste eine harte Entscheidung treffen: Mache ich das oder halte ich an meinem Traum vom Rennsport fest?"

"Leider hatte ich nicht die Ressourcen für den Rennsport, also habe ich den Job angenommen. Zwar schien das damals nicht die beste Entscheidung zu sein, aber ich kann euch gar nicht sagen, was für eine tolle Zeit ich hatte", so Hawkins.

 

"Es war vermutlich eine der besten Erfahrungen meines Lebens, die ich wohl kaum noch toppen kann. Die eineinhalb Jahre waren fantastisch. Ich habe meinem Lebenslauf ein paar mehr Fähigkeiten hinzugefügt, was dann zu einigen Filmen geführt hat." Und einer dieser Filme war der neue James-Bond-Teil "No Time To Die".

Die schöne Zeit als Stuntfahrerin wurde noch einmal durch die Gründung der W-Serie 2019 verstärkt, durch die sie genau die Möglichkeit im Rennsport bekam, die sie zuvor nicht hatte. Und obwohl sie durch fehlende Erfahrung im Auto zu Beginn einen schwierigen Stand haben würde, waren ihre Fortschritte in der Saison klar zu erkennen.

Zweite Chance durch die W-Serie

"Ich habe der W-Serie eine Menge zu verdanken. Denn wenn es sie nicht gäbe, dann würde ich keine Rennen fahren", meint sie. "Ich habe vor der W-Serie aufgrund des Budgets mit dem Rennsport aufgehört, aber sie haben mir eine zweite Chance gegeben."

"Ich weiß, dass ich wohl die geringste Erfahrung im gesamten Feld habe, aber ich habe hart gearbeitet - und arbeite immer noch hart -, um die fehlende Erfahrung auszugleichen", so Hawkins.

Jessica Hawkins

2019 fand Hawkins über die W-Serie die Rückkehr in den Rennsport

Foto: LAT

Die W-Serie hat eine Menge getan, um die Einstellung zu verändern und Fahrern eine Chance zu geben, die sonst dazu verdammt wären, von der Seitenlinie aus zuzuschauen. Und diese zweite Chance hat Hawkins das Schaufenster für die Rolle bei Aston Martin und alle damit verbundenen Vorteile gegeben.

Hawkins hofft, dass ihre aktuelle Rolle im Team erweitert werden kann. Der erste Schritt wäre schon einmal Zeit im Simulator des Teams zu bekommen. Zwar mag ihr aktuelles Leben weit weg von James-Bond-Filmen sein, doch für sie ist klar, dass der Rennsport eher ihr echtes Leben darstellt. "Ich habe diese Reise im Rennsport begonnen, und ihm gehört mein Herz."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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