Wie Frank Williams einer MotoGP-Legende zu neuem Lebensmut verhalf

Das Vermächtnis von Frank Williams reicht weit über die Formel 1 hinaus: Motorrad-Weltmeister Wayne Rainey berichtet, wie der Brite sein Leben veränderte

Wie Frank Williams einer MotoGP-Legende zu neuem Lebensmut verhalf

Die Motorsportwelt trauert um den am Sonntag verstorbenen Teamgründer Frank Williams, und das weit über die Grenzen der Formel 1 hinaus. Der Brite war für viele Menschen ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens im Motorsport.

Für den dreimaligen Motorrad-Weltmeister Wayne Rainey war Williams sogar eine wichtige Stütze, um zurück ins Leben zu finden, nachdem der Amerikaner im Jahr 1993 einen schweren Unfall erlitten hatte, der ihn von der Brustmitte abwärts lähmte.

Rainey war einer der Stars der 500er-Ära in der MotoGP von den späten 1980ern bis in die frühen 1990er Jahre. Er holte 24 Siege und 65 Podestplätze für Yamaha und feierte von 1990 bis 1992 auf drei aufeinanderfolgende Titel. Legendär war die Rivalität mit seinem amerikanischen Landsmann Kevin Schwantz während dieser Zeit.

Die beiden kämpften 1993 hart um den Titel, als die Meisterschaft die drittletzte Station der Saison in Misano erreichte. Während er das Rennen anführte, stürzte Rainey am Ausgang der ersten Kurve und erlitt lebensverändernde Wirbelsäulenverletzungen. In der Folge sollte die MotoGP bis 2007 nicht mehr in Misano fahren.

Williams wurde seinerseits 1986 Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Er erlitt eine Querschnittslähmung und verbrachte den Rest seines Lebens im Rollstuhl.

Sein Team leitete er erfolgreich weiter. Es gewann 1987 mit Nelson Piquet, 1992 und 1993 mit Nigel Mansell und Alain Prost sowie 1996 und 1997 mit Damon Hill und Jacques Villeneuve den Fahrertitel. Insgesamt feierte Williams in der Formel 1 neun Konstrukteurs-, sieben Fahrertitel und 114 Grand-Prix-Siege.

Welchen wichtigen Ratschlag Williams Rainey gab

Nach dem Unfall von Rainey besuchte Williams den Kalifornier, als dieser sich in einer Reha-Einrichtung erholte. "Nach meiner Verletzung musste ich am Rücken operiert werden, um einige Stangen einzusetzen", erinnert er sich bei 'Motorsport.com'.

"Ich hatte also sechs Wochen lang einen Gips im Krankenhaus. Als der Gips dann entfernt wurde, konnte ich in eine sogenannte Reha-Einrichtung gehen, und dort beginnt dann die eigentliche Arbeit. Dort lernt man, wie es ist, ein Leben im Rollstuhl zu führen und all die Herausforderungen zu meistern, von der Nahrungsaufnahme bis zum Anziehen und all den anderen Dingen", erklärt Rainey.

"Ich glaube, ich war sechs Wochen im Krankenhaus, aber in der Reha-Einrichtung wollten sie mich für zwei Monate haben. Ich war drei Wochen dort und dann bekam ich eine Nachricht, dass Frank mich besuchen wollte. Zu der Zeit war ich ziemlich aufgewühlt und versuchte herauszufinden, wie mein Leben weitergehen sollte."

"Dann kam Frank in mein Zimmer, und ich sah dieses Selbstvertrauen, das er hatte. Das war ein Moment, der mein Leben veränderte, denn er sagte zu mir: 'Wayne, du bist im Grunde genommen am Arsch, aber das Beste, was du tun kannst, ist, wieder da rauszugehen und das zu tun, was du liebst, und das ist der Rennsport.'"

Wayne Rainey, Yamaha

Wayne Rainey, Yamaha

Foto: Motorsport Images

Williams' Worte hinterließen Eindruck bei Rainey. Er wurde eine Woche nach diesem Treffen aus der Reha-Klinik entlassen wurde. "Und ich habe nicht mehr zurückgeblickt", sagte er.

Die beiden blieben über die Jahre hinweg in Kontakt und Rainey besuchte einige Formel-1-Rennen als Gast von Williams. Dabei habe sich Williams stets nach seinem Wohlergehen erkundigt, wann immer sie sich trafen, erzählt die MotoGP-Legende.

Williams und Rainey hielten über die Jahre Kontakt

"Ich habe Frank ein paar Mal in seiner Fabrik besucht und bin als sein Gast zu ein paar Formel-1-Rennen gegangen und wir verbrachten Zeit miteinander. Bei Frank und mir war das Erste, was er immer sagte, wenn wir uns unterhielten: 'Wie geht es dir?' Jedes Mal schien es ihm ein echtes Anliegen zu sein, dass man bei guter Gesundheit ist, um alles tun zu können, was man im Leben will."

"Er legte also großen Wert darauf, dass man sich um sich selbst kümmert. Es gab viele Dinge, die passieren können, wenn man so wie wir auf einen Rollstuhl angewiesen ist, also legte er Wert darauf, dass man sich zuerst um seine Gesundheit kümmert."

So wie Williams sich nach seinem eigenen Unfall erholte, tat dies auch Rainey. In den Jahren 1994 bis 1998 leitete er ein Grand-Prix-Team in der 250er- und 500er-Klasse der Motorrad-WM mit Hilfe des dreimaligen Weltmeisters Kenny Roberts.

Wayne Rainey, Loris Capirossi

Rainey (hier 1996) engagierte sich nach seinem Unfall weiter im Rennsport

Foto: Motorsport Images

Nachdem sich Rainey entschlossen hatte, nach Amerika zurückzukehren und mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen, half er dabei, die MotoGP zurück in sein Heimatland zu bringen - nach Laguna Seca 2003. Seit 2015 ist er Präsident der MotoAmerica, die die Superbike-Meisterschaft (AMA) leitet.

Raineys Bemühungen, diese Meisterschaft wieder aufzubauen, haben auch dazu geführt, dass amerikanische Top-Talente konkurrenzfähige Plätze in der Weltmeisterschaft gefunden haben - mit Fahrern wie Garrett Gerloff in der Superbike-WM und Joe Roberts, Cameron Beaubier und Sean Dylan Kelly in der Moto2.

Rainey: "Ohne Frank wäre all das nicht passiert"

Rainey ist sich sicher, dass ohne diese Begegnung mit Williams nichts von dem, was er seit seinem schrecklichen Unfall 1993 erreicht hat, möglich gewesen wäre. "Ich war dreimaliger Weltmeister, 33 Jahre alt, und als ich dann diese dramatische Veränderung in meinem Leben durchmachte, gab es nicht viel Orientierung", sagt er.

"Ich hatte nicht viele Leute, mit denen ich reden konnte, oder Leute, die ich respektierte, die meine Denkweise in der Welt des Rennsports verstanden. Frank befand sich in der Weltspitze, als er sich verletzte, und er sah den Rennsport als eine Möglichkeit, den Geist in Schwung zu bringen, und der körperliche Teil würde folgen."

Rainey folgte seinem Beispiel, ohne zu wissen, "wohin mich das führen würde", gibt er zu. "Letztendlich wurde ich Teameigentümer. "Als ich dann beschloss, nicht mehr um die Welt zu reisen, kam ich zurück in die Vereinigten Staaten und half bei der Organisation des US-Grand-Prix in Laguna Seca."

"Und jetzt bin ich der Präsident der MotoAmerica und wir gehen in das achte Jahr. Also, ohne das Gespräch mit Frank an diesem Tag bin ich mir ziemlich sicher, dass all das in meiner Karriere nicht passiert wäre", zeigt sich der Amerikaner dankbar.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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