Wie geheime Kosmetik-Chemikalien Red Bull geholfen haben

Red Bulls Leistungssprung ist für viele mysteriös, geholfen haben sollen aber Fortschritte beim Motorenöl, wo man auf Chemikalien aus der Kosmetik setzt

Wie geheime Kosmetik-Chemikalien Red Bull geholfen haben

Wie konnte Red Bull in den vergangenen Wochen solche Performancesprünge machen? Diese Frage wurde auch am vergangenen Wochenende wieder aufgeworfen. Beim ersten Rennen in Spielberg war der Rennstall dominant unterwegs und ließ Mercedes im Kampf um den Rennsieg überhaupt keine Chance.

Die Silberpfeile wunderten sich vor allem über den Speed auf den Geraden, seit Honda in Frankreich seinen zweiten Motor eingeführt hatte. Nicht erlaubte Performanceupgrades wischte Red Bull allerdings gleich mehrfach vom Tisch. Stattdessen begründete man seinen Sprung mit anderen Faktoren wie einer Low-Downforce-Philosophie.

Doch auch wenn die Hardware von Honda gleichgeblieben ist, haben sich einige Elemente geändert, was dem Hersteller einen Sprung in der Performance ermöglicht hat. Zuallererst haben eine verbesserte Zuverlässigkeit und ein besseres Verständnis des Energiemanagements dafür gesorgt, dass der Motor mit einer höheren Leistung gefahren werden kann.

Auch im Innenleben der Powerunit hat sich einiges verändert: Kraft- und Schmierstoffausrüster ExxonMobil hat in Aserbaidschan ein revolutionäres neues Öl mitgebracht. Das neue Mobil-1-Öl ist besonders interessant, weil ExxonMobil Chemikalien untersucht hat, die normalerweise nicht in Motorenprodukten verwendet werden.

Geheimnis um die Zusammensetzung

Am Ende kam ein Öl mit Inhaltsstoffen heraus, die normalerweise in der Kosmetikindustrie verwendet werden. Jetzt werden sie aber verwendet, um die Schutzschicht des Öls auf den Metallteilen zu verbessern. Das schützt den Motor vor Schäden durch extreme Hitze und Verschleiß.

In einer solch wettbewerbsorientierten Welt wie der Formel 1 verrät ExxonMobil natürlich nicht, um welche Chemikalien es sich genau handelt. Sie sagen nur, dass sie ein Schlüssel für die Fortschritte bei ihrem Produkt waren.

ExxonMobils Manager für Motorsporttechnologie, Tomek Young, sagt 'Motorsport.com': "Die Kosmetikindustrie bietet viele einzigartige Komponenten auf natürlicher Basis, und wir mussten eine Reihe ähnlicher Produkte bewerten, bevor wir die besten auswählen konnten."

"Diese neuen Komponenten wurden integriert, da wir viele Vorteile gesehen haben, einschließlich stärkerer Wechselwirkungen mit Metalloberflächen und geringerer Reibung, was dazu beiträgt, maximale Leistung zu liefern und gleichzeitig Schutz und Kraftstoffeffizienz zu bieten."

"Diese Vorteile führen auch dazu, dass wir den Motor in einem breiteren Fenster von Betriebsbedingungen nutzen können."

Erste Idee schon vor acht Jahren

Laut Young gab es die Idee, mit diesen Chemikalien zu arbeiten, bereits vor acht Jahren. Seitdem wurden sie in den Laboren von ExxonMobil getestet. Doch erst mit der stärkeren Zusammenarbeit von Red Bull und Honda im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen diese auch richtig nutzen.

"Einige Elemente der chemischen Zusammensetzung unseres neuen Motoröls weichen von dem ab, womit wir normalerweise ein Produkt entwerfen würden", ergänzt Young.

Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B, Red Bull Racing

Max Verstappen, Red Bull Racing RB16B, Red Bull Racing

Foto: Evgeniy Safronov

"Was vor ein paar Jahren noch Zukunftsmusik war - die Vision eines aschearmen Hochtemperatur-Motorenöls mit geringer Reibung, das biobasierte Komponenten enthält -, wurde in diesem Jahr dank der Bemühungen unseres gesamten Teams in Zusammenarbeit mit Honda und Red Bull Realität", sagt er weiter. "Wir glauben, dass diese neue Plattform uns Möglichkeiten für die Zukunft bieten wird."

Und auch wenn das Öl auf den ersten Blick unbedeutend für den Topspeed eines Formel-1-Autos scheint, ist es eigentlich sehr wichtig. Sollte das Öl eine verbesserte Reibung und einen Zuverlässigkeitsschub liefern, dann können die Motoren länger härter gefahren werden.

Oder um es mit den Worten von Red-Bull-Chefingenieur Paul Monaghan auszudrücken: "Wenn es die Zuverlässigkeit ein klein wenig verbessert, dann ist es für uns einfacher, die Regel von drei Powerunits pro Jahr einzuhalten. Und wir können sie mehr in den stärkeren Modi laufen lassen. Außerdem können wir mehr über das Auto lernen, als wenn wir uns einschränken müssen."

"Wenn sich dadurch der Wirkungsgrad des Motors ein wenig erhöht, weil wir weniger Pumpverluste haben und die Reibung ein wenig reduziert wird, dann sind das alles kleine Schritte, die einfach zu einem Gesamtleistungszuwachs des Autos beitragen."

Beitrag schwer zu bemessen

Wie groß der Beitrag des Öls zu den höheren Topspeedwerten von Red Bull ist, ist schwierig zu sagen, doch für Young ist klar, dass es ein wichtiges Element ist. "Wir arbeiten noch mit Red Bull und Honda, um weitere Leistungsdaten zu bekommen. Das Team arbeitet dauerhaft an jedem Aspekt, der einen Vorteil bringen kann. Es sind daher immer mehrere Veränderungen im Spiel", sagt er.

"Am Ende mag es schwierig sein, den Beitrag des Öls auf der Strecke von den Beiträgen des Kraftstoffs, der Motorbetriebsparameter und der Fahrzeug-Aerodynamik zu trennen. Aber wir haben mehrere Rezepturen mit Red Bull und Honda im Labor getestet, bevor wir diejenige ausgewählt haben, mit der wir Rennen fahren."

Die Einführung dieses Öls ist jedoch nur der erste Schritt, um Honda und Red Bull die Möglichkeit zu geben, den Motor weiter zu verbessern, wie Young verrät: "Wir haben dieses Öl so ungewöhnlich gemacht, dass der Motor in Zukunft potenziell noch härter laufen kann", sagte er. "So werden weitere Optimierungen an der Aerodynamik und an den Betriebsbedingungen möglich sein."

Christian Horner

Christian Horner zollt seinem Schmierstoffpartner Anerkennung

Foto: Motorsport Images

Für Red-Bull-Teamchef Christian Horner sind die Vorteile offensichtlich: Ein Motor, der härter und heißer laufen kann, bedeutet mehr Leistung und eine aggressivere Aerodynamik, weil die notwendige Kühlung geringer ausfällt.

Es ist daher keine Überraschung, dass er die Rolle des Öls hervorhebt, während Lewis Hamilton und Mercedes nach dem Steiermark-Rennen grübelten, wo die Zugewinne herkommen: "Wir hatten ein neues Öl von ExxonMobil", sagt er. "Ich denke, sie sollten die volle Anerkennung für Lewis' Fingerzeig auf den Motor bekommen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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