Wie Helmut Marko sein linkes Auge verlor: "Pech, aber ich war am Leben"
Ein Stein, ein zerstörtes Visier und das abrupte Karriereende: Die Formel-1-Laufbahn von Helmut Marko nahm 1972 eine dramatische Wendung
Helmut Marko 2025: Berater von Red Bull in der Formel 1
Foto: Getty Getty
Der spätere Red-Bull-Sportchef Helmut Marko stand in der Formel-1-Saison 1972 kurz vor seinem Durchbruch: Mit dem achten Platz beim Grand Prix von Monaco für BRM hatte er aufhorchen lassen. Ferrari zeigte Interesse. Doch dann kam der Grand Prix von Frankreich in Clermont-Ferrand und änderte alles: Ein aufgewirbelter Stein durchschlug Markos Visier und verletzte ihn schwer am linken Auge.
"Ich lag drei oder vier Wochen im Krankenhaus. Das Auge wurde mit drei Nähten zusammengehalten. Jedes Blinzeln hat Schmerzen verursacht", sagte Marko der Österreich-Ausgabe der Zeit.
Irgendwann dämmerte ihm, "das wird nichts mehr" mit der eigenen Fahrerkarriere im Motorsport. Und so kam es: Marko erhielt eine Glasprothese anstelle des linken Auges und fuhr fortan keine Rennen mehr. "Aber okay, das Leben geht weiter", sagte er sich. "Ich dachte, es war Pech. Aber ich war am Leben."
Kamen Helmut Marko jemals Zweifel?
Und das war keine Selbstverständlichkeit bei derartigen Zwischenfällen in der Formel 1 der 1970er-Jahre. "Damals sind jährlich zwei, drei Fahrer gestorben", erklärte Marko. Nur zwei Jahre zuvor war Markos österreichischer Landsmann und guter Freund Jochen Rindt in Monza tödlich verunglückt.
Ob er angesichts solcher Tragödien nie Zweifel bekommen habe, wurde Marko gefragt. Antwort: "So haben wir nicht gedacht. Jochen hatte immenses Pech gehabt. Ich war davongekommen - insofern hatte ich Riesenglück."
Die Gefahr sei im Motorsport der 1970er-Jahre ein ständiger Begleiter gewesen. "Ich erinnere mich an Rennen auf dem Nürburgring, da habe ich morgens mein Zimmer aufgeräumt, damit alles ordentlich ist, wenn ich am Abend nicht mehr heimkomme", sagte Marko.
Diese Möglichkeit bestand - angesichts unheimlich leistungsstarker Fahrzeuge und nach heutigen Maßstäben rudimentärer Sicherheitsvorkehrungen. Als Rennfahrer habe man diese Gefahr jedoch ausgeblendet. Marko: "Du redest dir trotzdem ein, dass du alles unter Kontrolle hast."
Helmut Markos zweite Karriere: Hotels und Rennsport
Hatte Marko auch - vor allem in seiner zweiten Karriere nach der Rennfahrer-Laufbahn: Der promovierte Jurist stieg in seiner Heimatstadt Graz ins Hotelgeschäft ein und betätigte sich zunächst als Teambesitzer und später als Berater erneut im Motorsport. (Fotostrecke: Helmut Markos Karriere im Red-Bull-Konzern)
Für Red Bull war Marko unter anderem für das Nachwuchsprogramm verantwortlich - und verhalf Fahrern wie Sebastian Vettel und Max Verstappen zum Durchbruch. Beide gewannen mit Red Bull jeweils viermal die Formel-1-Fahrerweltmeisterschaft.
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