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Wie im Film: Als Gerhard Berger nachts bei Jean Todt einbrach

Ein nächtlicher Hotel-Irrtum von Gerhard Berger wurde zur legendären Ferrari-Anekdote - inklusive Brecheisen, Balkon und Jean Todt im Badezimmer

Wie im Film: Als Gerhard Berger nachts bei Jean Todt einbrach

Der junge Gerhard Berger als Ferrari-Fahrer am Ende der 1980er-Jahre

Foto: Getty Images

Es gibt eine Anekdote aus der Formel 1 der 1990er-Jahre, die so absurd klingt, dass man sie sich beim ersten Hören zweimal erzählen lassen muss. Sie wurde kürzlich im Podcast "High Performance" wieder ausgegraben. Laut dem früheren Formel-1-Teamchef Otmar Szafnauer geht die Anekdote so:

Schauplatz: ein kleines Hotel, irgendwo in den frühen 1990er-Jahren. Gerhard Berger fährt zu dieser Zeit für Ferrari, Teamchef ist seit März 1993 Jean Todt. Es ist halb zwei, vielleicht zwei Uhr nachts. Berger steht vor seinem Hotel, sein Fahrer ist gerade weg, die Türen sind verschlossen, die Besitzer nicht erreichbar. Der Schlüssel? Drinnen.

Statt sich auf eine Bank zu legen und auf den Morgen zu warten, ruft Berger seinen Fahrer zurück. Plan B ist ein bisschen "Wiener Schmäh trifft Actionfilm".

Der berühmte Balkonaufstieg

Berger zeigt auf ein Fenster im zweiten Stock und sagt: "Das da oben ist mein Zimmer." Die beiden klettern auf den Balkon. Aus dem Auto holen sie ein Brecheisen. Sie setzen an, hebeln, drücken - und dann macht es das, was Glas in solchen Situationen eben macht: Es zerbricht. Berger schaut durch das frisch gesplitterte Fenster ins Innere des Zimmers. Pause. Dann der Satz, den man eigentlich vor dem Brecheisen sagen sollte: "Das ist nicht mein Zimmer."

Es war das Zimmer von Todt.

Im selben Moment hört der Ferrari-Teamchef das Klirren, sieht das eingeschlagene Fenster und tut das, was jeder vernünftige Mensch um halb zwei nachts tun würde, wenn jemand bei ihm einbricht: Er schließt sich im Badezimmer ein.

Berger erkennt die Lage, dreht sich zu seinem Fahrer um und sagt sinngemäß: "Nicht mein Zimmer. Nichts wie weg." Die beiden flüchten über den Balkon wieder nach unten.

Todt sitzt derweil im Bad und wartet darauf, dass die Polizei kommt. Bis zur Podcast-Folge war offenbar unklar, ob Todt jemals erfahren hatte, wer ihm damals das Fenster eingeschlagen hatte. "Spätestens jetzt weiß er es", sagte Szafnauer.

Berger und Todt, eine Beziehung mit Vorgeschichte

Wer die Geschichte zum ersten Mal hört, denkt vielleicht, sie sei zu schräg, um wahr zu sein. Wer Berger kennt, weiß: Das passt genau ins Muster. Der Österreicher hat in seinen zwei Ferrari-Phasen, 1987 bis 1989 und 1993 bis 1995, gemeinsam mit Teamkollege Jean Alesi eine ganze Sammlung an Geschichten produziert, die Maranello bis heute erzählt.

Gerhard Berger und Jean Alesi waren einst Teamkollegen bei Ferrari

Gerhard Berger und Jean Alesi waren einst Teamkollegen bei Ferrari

Foto: Motorsport Images

Die berühmteste Geschichte ist jene um Todts Auto: Bei einem Testtag in Fiorano stahlen Berger und Alesi den Wagen ihres Teamchefs, einen Lancia, aus dem Parkplatz vor der Fabrik. Auf dem Weg zur Strecke zog Berger im falschen Moment die Handbremse, der Wagen überschlug sich und landete auf dem Dach.

Alesi trug keinen Gurt und blutete am Kopf, Berger hatte sich angeschnallt. Die Mechaniker zogen die beiden durch den Kofferraum heraus, deckten das Wrack mit einer Plane ab und versuchten, die Sache vor Todt und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo zu verstecken. Die kamen genau in diesem Moment an. Todt soll Berger Jahre später noch entgegnet haben: "Du schuldest mir immer noch einen Lancia!"

Dazu kamen die üblichen Späße untereinander: Berger schickte Alesi bei einem Test in Silverstone mit Slicks auf eine teils nasse Strecke, nur um zu sehen, wie der Franzose sich auf dem Grünstreifen drehte. Alesi revanchierte sich, wann immer er konnte. Berger selbst hat einmal gesagt, hätte jemand das Ganze gefilmt, es wäre lustiger gewesen als eine Mr.-Bean-Episode.

Vor diesem Hintergrund klingt die Hotel-Geschichte fast schon konsequent: Ein verschlossenes Zimmer, ein Brecheisen, halb zwei nachts und ein Formel-1-Teamchef, der in seinem eigenen Badezimmer auf die Polizei wartet, während sein Fahrer über den Balkon entkommt. Ein Drehbuchautor hätte es kaum absurder inszenieren können.

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