Wie Toto Wolff zum Vorwurf "schlechter Verlierer" steht

In den sozialen Medien werden Toto Wolff und Mercedes als "schlechte Verlierer" gebrandmarkt, aber wie geht der Formel-1-Teamchef mit diesen Äußerungen um?

Wie Toto Wolff zum Vorwurf "schlechter Verlierer" steht

Mit der Einreichung der beiden Proteste nach dem Formel-1-Finale in Abu Dhabi und der angekündigten (aber nicht vollzogenen) Berufung stand für viele Beobachter fest: Toto Wolff und Mercedes seien "schlechte Verlierer", weil sie den Rennsieg und den WM-Titelgewinn von Max Verstappen in der Formel-1-Fahrerwertung nicht einfach hinnehmen. Wie aber steht Wolff zu diesem Vorwurf?

Der Mercedes-Teamchef äußerte sich im Rahmen einer Pressekonferenz erstmals seit dem Rennen in Abu Dhabi. Und Wolff zeigte Verständnis: "Ich finde, was diesen Sport so ausmacht, ist die Passion unserer Fans. Ich respektiere die Meinung, die Perspektive und die Perzeption der holländischen Fans."

Es gäbe nun einmal unterschiedliche Meinungen, sagt Wolff. "Und solange die Passion für den Sport und den eigenen Fahrer im Vordergrund steht, ist das für mich okay. Der Abuse, der stattfindet auf den sozialen Medien, gegen das Team, gegen Lewis [Hamilton], gegen mich persönlich, gegen meine Frau [Susie Wolff], ist [aber] alles andere als [akzeptabel]."

Wenn dergleichen von sogenannten "Trolls" vorgebracht werde, "geht mir das am Hut vorbei", sagt Wolff. Das sei nicht das Niveau, auf dem "richtige Fans miteinander sprechen". Und er betont: "Ich respektiere ganz Holland, den Patriotismus für den Fahrer, ich respektiere Max. Und ich freue mich, dass ganz Holland seinen ersten Formel-1-Weltmeister zelebriert, weil es das auch verdient hat und es Max auch verdient hat."

Auch Helmut Marko hatte Mercedes attackiert ...

Deshalb nehme er es Red-Bull-Sportchef Helmut Marko nicht krumm, dass dieser ihn und sein Mercedes-Team als "unwürdige Verlierer" bezeichnet hat. "Diese Aussagen sind sicher aus der Emotion heraus entstanden", meint Wolff.

"Ich kann auch nachvollziehen, wenn du das Rennen gewonnen hast und dadurch die Weltmeisterschaft, dass natürlich ein Protest, der diese Entscheidung verzögert, frustrierend ist. Zweifelsohne."

"Ich habe auch überhaupt kein schlechtes Wort zu verlieren über Christian [Horner], über Helmut, Red Bull oder Max. Das waren würdige Wettbewerber in diesem Jahr. Wir haben gefightet wie noch nie miteinander, auf der Strecke und neben der Strecke. Aber am Ende haben sie diese Weltmeisterschaft gewonnen. Das muss man anerkennen."

Rücken Red Bull und Mercedes enger zusammen?

Er habe allerdings auch den Verdacht, die jüngsten Ereignisse könnten die Verantwortlichen von Red Bull und Mercedes "in der Zukunft stärker aneinanderbinden", so Wolff. Begründung: "Weil wir vielleicht mit dieser Entscheidung am Sonntag die Weltmeisterschaft verloren haben, aber Helmut und Christian und Max sind Racer. Die haben gesehen, was passiert ist."

Natürlich könne man sagen, manche Entscheidung in der Formel-1-Saison 2021 sei auch gegen Red Bull gefallen. "Vielleicht wiegt sich das auf, vielleicht auch nicht", sagt Wolff. "Aber natürlich war gerade diese eine Entscheidung am Sonntag so brutal. Der Racer in ihnen wird das anerkennen. Das weiß ich."

Außerdem werde man, anknüpfend an die Ankündung zur Aufarbeitung der Ereignisse durch den Automobil-Weltverband (FIA), zusammenarbeiten. "Gemeinsam", meint Wolff, "können wir in Zukunft das Regelwerk so verbessern, dass die Entscheidungsfindung robuster wird. Das ist im Interesse von Red Bull, von uns und von allen anderen Teams."

Ist das jetzt Gerechtigkeit?

Bleibt die Frage, ob FIA und Formel 1 beim Saisonfinale 2021 und dessen unmittelbarer Aufarbeitung genug Gerechtigkeit haben walten lassen. Wolff selbst will sich dazu nicht direkt äußern, meint aber: "Recht und Unrecht wird überall passieren. Wir sprechen über Sport und Unterhaltung und nicht über Weltpolitik, wo viel schlimmere Dinge passieren."

Zu wissen, dass die Formel 1 die "wichtigste Unwichtigkeit der Welt" sei, helfe ihm bei der Verarbeitung der Ereignisse, sagt Wolff. Denn so könne man "relativieren" und verdauen.

Ein gewisser Nachhall aber bleibe in der Tat, so der Mercedes-Teamchef: "Es tut mir auch leid für Max, weil natürlich alle über die kontroverse Titelentscheidung sprechen. Und er ist ein würdiger Gewinner, ein Champion. Diese Diskussion wirft einen Schatten darauf. Das ist natürlich etwas, was er persönlich nicht verdient hat."

"Die Schwierigkeit der Situation" sei gewesen, dass der Weltverband sein eigenes Vorgehen selbst habe bewerten müsse. "Wir wussten, dass die Situation von Anfang an kompliziert war, zu einer Entscheidung zu kommen, die vielleicht in unserem Rechtsverständnis korrekt gewesen wäre", sagt Wolff und fügt hinzu: "Ich glaube, das muss man analysieren, wie man es in der Zukunft besser machen kann."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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