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Williams-CEO Jost Capito: "Nicht zufrieden mit einem zweiten Platz"

Jost Capito erklärt, wie er seine Aussage beim Launch des FW43B, Williams könne "mindestens" so einen Turnaround wie McLaren schaffen, gemeint hat

Williams-CEO Jost Capito: "Nicht zufrieden mit einem zweiten Platz"

Jost Capito macht keine halben Sachen. Der Erfolgs-Sportchef von Volkswagen, der Sebastien Ogier zur Dominanz in der Rallye-WM (WRC) geführt hat, hat sich in seiner neuen Aufgabe als CEO des Formel-1-Teams Williams vorgenommen, den Rennstall wieder nach vorne zu bringen - und das am besten so, wie es sein früherer Arbeitgeber McLaren in den vergangenen beiden Jahren geschafft hat.

Beim Launch des Williams FW43B hat der Deutsche mit der Aussage aufhorchen lassen, er sei "absolut überzeugt davon", dass seinem Team "mindestens das Gleiche" gelingen kann wie McLaren. Dort sei "in den vergangenen Jahren tolle Arbeit geleistet" worden, er sehe aber "keinen Grund", warum Williams nicht den gleichen Turnaround schaffen sollte.

In einem Exklusivinterview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de präzisiert er diese Aussage nun. Diese sei "ein bisschen falsch interpretiert" worden: "Ich hab' dazu keine Timeline gesagt! Ich bin zu lange im Motorsport, um nicht zu wissen, dass man keine zeitliche Ansage machen kann."

"Das Potenzial ist da, und man ist in einem kompetitiven Umfeld. Die anderen schlafen ja auch nicht", sagt Capito. Das Ziel sei also nicht statisch, sondern "sehr dynamisch. Daher kann man keine Zeitansage machen." Aber er glaubt daran, dass Williams auch da hinkommen kann, wo McLaren bereits ist: "Sonst wäre ich nicht zu Williams gegangen."

Die Zutaten seien am Standort in Grove jedenfalls vorhanden: ein moderner Windkanal, eine ausreichende Infrastruktur, "sehr viele Talente" und "eine gute Mischung aus Erfahrung und jungen, neuen Ingenieuren, die die neuesten Technologien beherrschen. Ich glaube, dass Williams alles hat, um ganz nach vorne zu kommen."

Skepsis gegenüber Dorilton: Capito versucht zu beruhigen

Mit Dorilton Capital seit 2020 auch einen Eigentümer, den viele Formel-1-Fans skeptisch beäugen. Finanzinvestoren werden von der Community gerade bei einem so traditionsreichen Team wie Williams oftmals kritisch wahrgenommen. Dabei hilft es auf der emotionalen Ebene nicht, dass die Williams-Familie nicht mehr mit an Bord ist.

Doch Capito versucht, den Fans derartige Sorgen zu nehmen: "Ich wäre nicht zu Williams gegangen und hätte den Job gemacht, wenn ich das als kurzfristiges Engagement gesehen hätte, um eine Firma möglichst schnell möglichst gewinnbringend wieder zu verkaufen. Das ist ganz sicher nicht der Fall."

"Man sieht das auch am ganz klaren Commitment zum Namen Williams. Das Team wird Williams heißen, und das wird auch so bleiben. Da gibt es keine Anstrengungen oder auch nur Ideen oder Wünsche, das Team umzubenennen", stellt Capito klar und unterstreicht, dass das "ein wichtiger Grund" in seinen Überlegungen war, den Job als CEO anzunehmen.

Dabei hatte der 62-Jährige eigentlich schon ganz andere Pläne. Mit Volkswagen hatte er in der Rallye-WM sein Lebenswerk gekrönt, doch nach dem nicht nach Wunsch verlaufenen Kurzgastspiel bei McLaren war mit der Formel 1 noch eine Rechnung offen. Die möchte er jetzt begleichen.

"Mein Plan war, in Rente zu gehen. Es war alles vorbereitet, alles gemacht", sagt Capito. Aber dann kam der Anruf von Dorilton Capital und das Angebot, Williams als CEO zu führen: "Wenn man so im Motorsport war, und dem Motorsport so verbunden, dann muss man das annehmen. Ich bin gesund, ich bin fit, ich bin noch voller Energie."

Er habe sich auch kein zeitliches Limit gesetzt: "Das wäre weder fair fürs Team noch wäre es fair mir gegenüber", sagt Capito und schwärmt: "Es ist die größte Herausforderung in meiner Karriere. Und wahrscheinlich dann auch die letzte! Aber ich freue mich sehr drauf. Ich konnte einfach nicht nein sagen."

Williams-Chef: Erfüllung eines Kindheitstraums

Für jeden, der sich für Motorsport begeistern kann, sei es "ein Kindheits-, ein Jugendtraum, ein Formel-1-Team zu führen. In meiner Jugendzeit waren natürlich Williams, Ferrari und McLaren die Formel-1-Teams. Und ich hätte mir ja nie träumen lassen als Kind oder Jugendlicher, dass ich jemals in der Position bin, dass ich eins der Teams führen könnte!"

Doch die Erfüllung eines Lebenstraums ist erst der Beginn eines neuen Kapitels, das in den nächsten Jahren viel Arbeitseinsatz erfordern wird. Denn Capito setzt sich ambitionierte Ziele: "Wer mich kennt, weiß, dass ich kompetitiv bin, und dass ich nicht zufrieden bin mit einem zweiten Platz. Geschweige denn mit einem zehnten!"

"Ich hatte das Gefühl - und das wurde mir auch bestätigt durch meine Tätigkeit jetzt über einen Monat -, dass die neuen Besitzer genauso ticken, und dass sie Williams wirklich nach vorne bringen wollen und das auch entsprechend unterstützen und mir die Unterstützung geben dazu. Das hat mich im Endeffekt bewogen, das wirklich zu machen."

Das ganze Interview mit Williams-CEO Jost Capito ist jetzt auf dem YouTube-Channel von Formel1.de verfügbar. Hier klicken, um den Kanal zu abonnieren - und gleich die Glocke aktivieren, um kein neues Video mehr zu verpassen! Zum Beispiel am Freitag das Exklusivinterview mit Haas-Teamchef Günther Steiner über Mick Schumacher, den geplatzten BWT-Deal und Kontakte zu Renault.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Tags jost capito
Urheber Christian Nimmervoll