Williams "im Niemandsland": Punkte bleiben laut Carlos Sainz die Ausnahme
Williams-Pilot Carlos Sainz sammelte in China die ersten WM-Punkte der Saison, hat aber wenig Hoffnung: Das Team könne "in so kurzer Zeit keine Wunder vollbringen"
Carlos Sainz zieht nach den ersten beiden Rennen ein ehrliches Fazit
Foto: Getty Getty
Williams hat sich bei den ersten beiden Rennen der neuen Formel-1-Saison neben Neueinsteiger Cadillac und Aston Martin als eines der drei Sorgenkinder präsentiert: Denn Carlos Sainz und Alexander Albon waren in Australien und China aus eigener Kraft nahezu chancenlos.
"Ich denke, wir werden momentan etwas Hilfe von unseren Rivalen brauchen, so wie wir sie in China hatten, um Punkte zu holen", gesteht Sainz. Beim Rennen in Shanghai belegte der Spanier den neunten Platz und sicherte sich damit zwei WM-Punkte - ein Lichtblick, der seiner Meinung nach jedoch die Ausnahme darstellt.
Denn Williams liegt aktuell "zwei oder drei Zehntel hinter dem nächsten Auto im Mittelfeld", erinnert Sainz. "Wir befinden uns also momentan etwas im Niemandsland. Ich glaube nicht, dass es in Suzuka viel anders sein wird. Es sind erst zwei Wochen vergangen, also wirklich nur zwei Wochen."
"Formel-1-Teams können in so kurzer Zeit keine Wunder vollbringen", macht der 31-Jährige deutlich. "Wir haben einige Tests, wir werden an diesem Wochenende einiges ausprobieren, um zu sehen, ob wir etwas konkurrenzfähiger sind, aber wir brauchen viel mehr als nur ein paar Zehntel hier und da, um im Kampf um Punkte mitmischen zu können."
Im Rennen kein besseres Auto als im Qualifying
Dass Williams im Rennen grundsätzlich stärker sei als im Qualifying, schließt Sainz aus. "Nein, wir sehen im Rennen die gleichen Leistungsunterschiede wie im Qualifying zwischen allen Teams", erklärt er. "Es ist also nicht so, dass wir im Rennen ein besseres Auto haben als im Qualifying."
Dass Sainz in China vom 17. Startplatz auf den neunten Platz vorfuhr, liegt an anderen Faktoren. "Im Rennen passieren einfach Dinge, während im Qualifying in China normalerweise alle das Maximum aus dem Auto und der Antriebseinheit herausholen konnten. Es gab also keine Überraschungen."
Dass Teamkollege Albon in Australien den Sprung in den zweiten Teil der Qualifikation schaffte, lag wiederum daran, dass "viele Probleme mit der Antriebseinheit hatten oder ähnliches", erinnert Sainz. "Aber das ist der Stand der Dinge im Moment."
Carlos Sainz erwartet Fortschritte von Williams
Die fünfwöchige Pause durch die Rennabsagen in Bahrain und Saudi-Arabien kommt Williams gelegen. "Ich erwarte, dass das Team in diesem Monat einen großen Schub macht, um für Miami etwas zu entwickeln, das einen guten Schritt nach vorne darstellt", fordert Sainz.
Gleichzeitig sei in diesem Sport "alles relativ", weiß der frühere Ferrari-Pilot. "Du kannst einen großen Schritt nach vorne machen, aber wenn die anderen ebenfalls einen großen Schritt machen, bist du immer noch drei Zehntel hinter dem Mittelfeld."
"Es geht also eher darum, wie viel größerer Schritt nach vorne im Vergleich zu den anderen Teams gelingt. Und ich hoffe, dass wir in diesem Fall natürlich wissen, dass wir viel Gewicht aus dem Auto nehmen müssen, wir viel Abtrieb hinzufügen müssen - es wird darauf ankommen, wie viel wir bis Miami erreichen können."
Rückschlag für Williams "größer als erwartet"
Dass Williams der Konkurrenz in diesem Jahr so deutlich hinterherfährt, sei ein "Shock" gewesen, gibt Sainz zu. "Es ist kein Geheimnis, dass es hart war. Ich konnte es bereits im Dezember und Januar ahnen und begann mich auf den Rückschlag vorzubereiten."

Carlos Sainz sammelte in China immerhin zwei WM-Punkte
Foto: LAT Images
Die Verzögerungen vor dem Sahekdown in Barcelona und das Übergewicht waren für den 31-Jährigen die ersten Warnsignale. "Nicht alle Wege zum Erfolg verlaufen linear, es wird immer einen Rückschlag geben. Dieser Rückschlag ist groß, wahrscheinlich sogar größer, als ich erwartet hatte."
"Aber jetzt geht es um Resilienz und darum, wie man von einem Rückschlag zurückkommt." Man müsse "all die schlechten Dinge beseitigen" und "die Viren im Team töten", ergänzt der Williams-Pilot mit einem Schmunzeln. "Wenn wir uns gut davon erholen, wird dies den gegenteiligen Effekt erzeugen: ein großer Leistungssprung."
Carlos Sainz für den Rest der Saison zuversichtlich
Kurios: Im Vorjahr stand Sainz sogar noch auf dem Podium - und genau das sei eines der Probleme gewesen. "Die Dynamik war hoch, das Vertrauen groß", blickt der Williams-Pilot auf die zweite Saisonhälfte zurück. "Man hört fast auf, die Schwächen des Teams zu sehen."
"Dann lernt man wieder, setzt alles zusammen und versucht, sich zu erholen. Dieser Erholungsprozess wird in den nächsten Monaten extrem wichtig für das Team sein." Der langjährige Ferrari-Pilot ist überzeugt, dass sein Team den aktuellen Rückstand aufholen kann.
"Ich bin ziemlich sicher, sobald wir in der Entwicklung den richtigen Weg gefunden haben, wird das Team Leistung bringen", so Sainz. "Ich denke, dass wir zum Saisonstart zwischen Gewicht und Abtrieb nicht alles richtig eingestellt haben, aber ich bin zuversichtlich, dass wir, sobald wir den richtigen Weg gefunden haben, durchstarten können."
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