Williams-Teamchef verrät: Gibt "vier oder fünf Vorschläge" für Regelanpassungen
Nach Kritik am aktuellen Reglement könnten Änderungen umgesetzt werden: Laut Williams-Teamchef James Vowles "liegen vier oder fünf Vorschläge auf dem Tisch"
James Vowles verrät, dass es "vier bis fünf Vorschläge" für Änderungen gibt
Foto: Sutton Images
Nach dem diesjährigen Formel-1-Auftakt in Australien scheint klar, dass am Reglement nachgebessert werden muss. Die stärkere Abhängigkeit von elektrischer Energie prägt derzeit das Renngeschehen, und die Fahrer wiederholten ihre Kritik, dass ihnen der aktuelle Zustand zunehmend den Spaß am Fahren nehme.
Der Automobil-Weltverband FIA hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, dass mögliche Anpassungen am Regelwerk geprüft werden. Ein Punkt, den Williams-Teamchef James Vowles nun noch einmal unterstreicht: "Es liegen etwa vier oder fünf verschiedene Vorschläge auf dem Tisch", verrät der Brite.
Eine schnelle Umsetzung ist jedoch weiterhin nicht zu erwarten. "Wenn sie kommen, dann nach China", sagt der erfahrene Teamchef zwar, wobei Änderungen am Reglement wohl kaum vor dem dritten Rennen in Japan (hier zum Formel-1-Kalender 2026) umgesetzt werden dürften. (ANZEIGE: Alle Rennen der Formel 1 live auf Sky!)
"Wir werden uns die nächsten Rennen ansehen und wirklich schauen, was funktioniert und was nicht", ergänzt Vowles. "Aber behalten Sie das im Blick. Ich bin sicher, dass wir als Sport zusammenkommen und die richtigen Änderungen vornehmen werden."
Vowles: "Wir wollen an einem besseren Punkt sein"
"Wenn man am Streckenrand steht - so wie ich es in Bahrain getan habe -, sind es immer noch Formel-1-Autos und wir haben immer noch Formel-1-Rennen", meint der erfahrene Ingenieur und betont, dass sich das Geschehen von außen gar nicht so stark verändert habe. "Das sind die Fakten."
"Bevor wir nach Bahrain gefahren sind, haben wir alle gesagt: 'Sind wir am richtigen Punkt? Nein. Wissen wir genau, was wir ändern müssen, um es besser zu machen? Nein. Lassen wir diese beiden Rennen laufen, einschließlich eines Sprint-Rennens, und ändern danach aktiv die Regeln, damit wir anschließend in einer soliden Position sind.'"
"Ich bin mir noch nicht sicher, aber sind wir an einem perfekten Punkt? Nein", weiß der Williams-Teamchef, dass es durchaus Anlass für Anpassungen gibt. "Ich denke, wir haben ein wenig zu wenig Energie, und man muss bedenken: Das hier gehört wahrscheinlich zu den drei schlechtesten Strecken in dieser Hinsicht."
Bereits im Vorfeld war vermutet worden, dass den Fahrern in Australien der Saft ausgehen könnte, deshalb gilt der Albert Park als Sonderfall. "Aber unabhängig davon: Ist es das, was wir als Sport zeigen wollen? Nein. Wir wollen an einem etwas besseren Punkt sein."
Welche Änderungen in naher Zukunft denkbar sind
Diskutiert werden derzeit mehrere Ansätze. Eine Möglichkeit wäre etwa, das sogenannte "Super-Clipping" (Erklärt: Die Formel-1-Begriffe der Saison 2026) von 250 kW auf 350 kW zu erhöhen. Das würde bedeuten, dass ein größerer Anteil der bei Vollgas erzeugten Energie in die Batterie geleitet wird, statt direkt an die Hinterräder zu gehen.
Zwar würde dadurch auch die Höchstgeschwindigkeit am Ende der Geraden sinken, gleichzeitig könnte es jedoch den Bedarf reduzieren, dass Fahrer vor den Bremszonen frühzeitig vom Gas gehen und rollen lassen, also das sogenannte "Lift-and-Coast" betreiben.
"Es gibt auch Dinge, die wir beim Verbrennungsmotor tun können", deutet Vowles an, dass noch weitere Lösungen auf dem Tisch liegen, über die in naher Zukunft diskutiert werden dürfte. "Die Frage ist nur, wie extrem wir bei diesen Maßnahmen gehen wollen."
"Das Schlimmste, was wir tun können, ist etwas zu ändern und es dann noch schlechter zu machen", warnt der Williams-Teamchef vor übereilten Entscheidungen. "Deshalb müssen wir sicherstellen, dass wir den Sport tatsächlich verbessern - und es gibt Wege, das zu erreichen."
Zu kompliziert, aber trotzdem ein gutes Produkt
Ob das ausreicht, um am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis für Fahrer, Teams und Fans zu erzielen? Max Verstappen hatte bereits angedeutet, dass es für nachträgliche Anpassungen womöglich zu spät sei. Vowles erinnert jedoch daran, dass Melbourne zu den "drei schlechtesten Strecken in Bezug auf Energie" gehört.
"In Shanghai könnte es ähnlich schlimm sein", ergänzt der Ingenieur. "Genau das möchte ich sehen und beobachten, wie es sich entwickelt. In Suzuka zum Beispiel wird es nicht so schlimm sein. Wir werden also einfach sicherstellen, dass das, was wir liefern, weiterhin ein Sport bleibt - und einer, den man gerne anschaut."
In einem Punkt ist sich Vowles allerdings sicher: Die Formel 1 ist zu kompliziert geworden. "Im Grunde genommen müssen wir da ehrlich sein", gibt der Williams-Teamchef zu. "Aber haben wir trotzdem ein gutes Formel-1-Produkt? Ich denke immer noch: ja."
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