"Wirklich besorgniserregend": Darum war der Start von Mercedes nicht perfekt
Der beste Start in den Großen Preis von Australien kam wie erwartet von Ferrari: Wie die Konkurrenz reagiert und was für Mercedes "wirklich besorgniserregend" war
Charles Leclerc hat den Start zum Großen Preis von Australien gewonnen
Foto: AFP
Der Start zum Großen Preis von Australien brachte genau das, was erwartet wurde: Im Mittelfeld kam es beinahe zu einem heftigen Auffahrunfall, weil Racing-Bulls-Pilot Liam Lawson nicht richtig vom Fleck kam, während sich Ferrari-Pilot Charles Leclerc mit einem Raketenstart von Platz vier an die Spitze katapultierte.
"Das war schon absehbar", kommentiert Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei Sky. "Wir wussten, dass [Ferrari] für die Starts richtig gut aufgestellt ist, und auch beim Energiemanagement waren sie stark - sowohl beim Verteidigen als auch beim Attackieren."
Nachdem Polesetter George Russell seine Spitzenposition an Leclerc verloren hatte, griff der Mercedes-Pilot zwar mehrfach nach der Führung und setzte sich zeitweise sogar gegen den Ferrari-Piloten durch, doch der konterte prompt. "Da gab es am Anfang einfach keinen Weg an Charles vorbei", räumt Wolff ein.
Warum Russell einen "besorgniserregenden" Start hatte
Und wie beschreibt Russell selbst seinen Start ins Rennen? "Ich habe eigentlich in den Spiegel geschaut wegen Isack Hadjar, und da hatte ich ihn unter Kontrolle", berichtet der spätere Rennsieger über die Attacke von Leclerc, der "plötzlich aus dem Nichts" kam.
"Also Respekt an ihn", lobt der Brite, der sich anschließend in einen intensiven Zweikampf mit dem Ferrari-Piloten verwickelte, bei Sky UK. "Ich dachte einmal, ich hätte ihn - bin an ihm vorbei, dann ist er wieder an mir vorbei. Ich habe hier meinen Boost-Button nicht benutzt, und da hat er mich gekriegt. Das war ein Fehler von mir."
Dass Ferrari beim Start allerdings einen grundsätzlichen Vorteil hat, glaubt Russell nicht. "Ich glaube eher, dass wir einfach alle einen katastrophalen Start hatten und sie einen sauberen", vermutet der neue WM-Spitzenreiter. "Kimi und ich sind beide in die Startaufstellung gefahren und unsere Batterie stand bei null Prozent."
"Das war wirklich besorgniserregend und hat wahrscheinlich zu unserem schlechten Start beigetragen", grübelt der Mercedes-Pilot. "Aber das gehört zum Lernprozess." Seiner Einschätzung nach kann Mercedes diesen Prozess offenbar verfeinern und verbessern.
"Und wie gesagt: Ich habe wahrscheinlich mehr Sicherheitsmarge gelassen, als nötig gewesen wäre, weil ich dachte - beziehungsweise davon ausging -, dass wir das Tempo haben, um einfach vorbeizufahren und das Rennen zu gewinnen", gibt Russell zu. "Aber Charles hat es schwieriger gemacht, als mir lieb gewesen wäre."
Lewis Hamilton spricht von einem "großartigen" Start
Dass Leclerc allerdings nicht einfach nur einen "sauberen Start" erwischte, stellte auch Ferrari-Teamkollege Lewis Hamilton unter Beweis. Der Brite arbeitete sich vom siebten Startplatz ebenfalls bis auf den dritten Rang nach vorne, ehe er wieder zwei Positionen an Isack Hadjar und Arvid Lindblad verlor.
"Der Start war großartig. Das hat sich richtig gut angefühlt", freut sich Hamilton, der durch den frühen Unfall von Oscar Piastri allerdings auch freie Sicht auf das Geschehen an der Spitze hatte. "Es macht es natürlich etwas einfacher, wenn niemand vor dir ist. Das war also positiv."
Doch ein guter Start allein reicht nicht, um das Rennen zu gewinnen. "Ja, wir müssen einfach weiter pushen", weiß Hamilton. "Wir brauchen Updates und müssen das Auto weiterentwickeln - und ich weiß, dass das Team hart daran arbeitet, damit wir konkurrenzfähig bleiben."

George Russell musste sich beim Start gegen Charles Leclerc wehren
Foto: AFP
"Wir müssen analysieren, wo wir verlieren", sagt der Brite, der glaubt, dass Ferrari vor allem auf den Geraden Zeit einbüßt, denn "in den Kurven sind wir ungefähr genauso schnell wie sie. Das Auto ist also gut - wir müssen nur herausfinden, woran es liegt."
"Sie haben etwas beim Topspeed auf der Geraden, und das müssen wir verstehen. Aber ich habe keinen Zweifel, dass wir das schaffen können", ist Hamilton nach dem Auftakt in die neue Formel-1-Saison (hier der komplette Rennkalender) überzeugt.
Max Verstappen beschwert sich über "schrecklichen" Start
Und wie lief der Start bei der Konkurrenz? "Schrecklich", sagt Max Verstappen deutlich. "Ich hatte keine Batterie. Irgendwie hat sich auf der Formationsrunde die komplette Batterie entladen. Ich hatte null Batterie - also im Grunde keine Leistung."
Kein Wunder also, dass der viermalige Weltmeister, der nach seinem Unfall im Qualifying vom 20. Startplatz kam, in der ersten Runde gerade einmal auf dem 16. Rang lag und damit lediglich drei Positionen gutmachen konnte, weil Piastri das Rennen gar nicht erst in Angriff nahm.
Allerdings scheint es sich nicht nur um ein isoliertes Problem bei Verstappen zu handeln, sondern eher um ein grundlegendes Defizit bei den Bullen. Denn auch Teamkollege Isack Hadjar klagt, dass seine Batterie beim Start leer gewesen sei. Neben Mercedes hat also vor allem Red Bull beim Start noch deutlichen Nachholbedarf.
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