Yuki Tsunoda: "Dann kann ich die ganze Nacht nicht schlafen!"

Ein Idol aus der Kindheit überholt und in der letzten Rennrunde noch P9 erkämpft: Yuki Tsunoda überzeugte bei seinem Formel-1-Debüt, aber nicht restlos

Yuki Tsunoda: "Dann kann ich die ganze Nacht nicht schlafen!"

"Wirklich fantastisch gemacht!" So beschreibt AlphaTauri-Teamchef Franz Tost das Formel-1-Debüt von Yuki Tsunoda, der beim Auftaktrennen 2021 in Bahrain als Neunter auf Anhieb in die Punkte gefahren ist - als erster Rookie seit Stoffel Vandoorne 2016 an gleicher Stelle, und das nach einem engagierten Rennen mit zahlreichen guten Überholmanövern.

Dieser Grand Prix und das Ergebnis, "das macht mich wirklich stolz", sagt Tsunoda selbst. "Ich freue mich vor allem darüber, Punkte für das Team geholt zu haben und als erster Japaner [seit 2012] in die Top 10 gefahren zu sein."

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Motorsport-Laufbahn auf der Überholspur: 2018 Formel 4, 2019 Formel 3, 2020 Formel 2, 2021 Formel 1. Schneller kann man die Karriereleiter im Rennsport nicht emporsteigen, und noch dazu so überzeugend.

Tsunoda überzeugt im ersten Rennen

Doch die besten Beispiele für seine Reife und sein Talent lieferte Tsunoda selbst, gleich in seinem ersten Formel-1-Rennen. In der letzten Rennrunde etwa schnappte er Aston-Martin-Fahrer Lance Stroll noch den neunten Platz weg.

"Es war ein sehr spätes Manöver", sagt Tsunoda, "aber ich hatte mir gesagt: Wenn ich ihn nicht überhole, dann kann ich die ganze Nacht nicht schlafen. Deshalb bin ich froh, die Attacke in der letzten Runde gestartet zu haben." (ANZEIGE: Hol dir die komplette Formel 1 und den besten Live-Sport mit Sky Q oder streame flexibel mit Sky Ticket. Ganz ohne Receiver.)

Überhaupt sei sein letzter Stint im Grand Prix sein bester gewesen, "auch, was den Reifenhaushalt anbelangt", so meint er.

"Kein Grip" auf Medium-Reifen im Qualifying

Davor war nicht immer alles nach Plan gelaufen, wobei Tsunoda stets Ausrufezeichen zu setzen wusste: Schon bei den Testfahrten vor zwei Wochen hatte er mit P2 hinter Red-Bull-Fahrer Max Verstappen überrascht. Die genau gleiche Konstellation ergab sich dann auch im ersten Segment des Qualifyings zum Formel-1-Auftaktrennen, wieder überraschend.

Ein Happyend in der Qualifikation aber gab es nicht aus Sicht des Rookies: In Q2 verpasste er das Weiterkommen in die Top 10, war anschließend stinksauer auf sich selbst.

Später beklagte er "keinen Grip mit dem Medium-Reifen" gehabt zu haben, aber er habe es eben unbedingt seinem erfahrenen AlphaTauri-Kollegen Pierre Gasly gleichtun wollen: "Ich hatte gesehen, dass er im Qualifying besser war. Daran habe ich mich orientiert." Und das ging schief.

Aufgabenstellung von AlphaTauri perfekt erfüllt

Im Rennen lief dafür vieles richtig. "Wir hatten ihm gesagt, er soll einfach schauen, in der ersten Runde keinen Schaden zu kriegen, und dann sein Rennen fahren", erklärt Teamchef Franz Tost. Tsunoda habe diese Aufgabe mustergültig erfüllt, "und er hat viele gute Überholmanöver gezeigt", betont Tost.

Yuki Tsunoda

Yuki Tsunoda hat gleich in seinem ersten Formel-1-Rennen Punkte geholt

Foto: Motorsport Images

Eines davon wird Tsunoda sicher in Erinnerung bleiben, nämlich das gegen Ex-Champion Fernando Alonso im Alpine. Er sei "ziemlich emotional" geworden im Auto, meint Tsunoda, als er Alonso überholt hatte. "Ich glaube, ich hatte ihn das letzte Mal vor zwölf oder 13 Jahren gesehen, als ich sieben oder acht Jahre alt gewesen war."

Nur zur Einordnung: Alonso war im Jahr 2000 bereits Formel-1-Testfahrer, als Tsunoda in Kanagawa in Japan gerade auf die Welt gekommen war. Nun, als 20-jähriger Neuling, habe er bei seiner Attacke auf Alonso in Kurve 1 "auf seine Fähigkeiten vertraut und einfach reingehalten wie ein Rookie", so Tsunoda. "Es tut mir auch ein bisschen leid, weil ich von so weit hinten kam." Doch alles ging gut, er fuhr vorbei.

Von Alonso gelernt - und gleich angewendet!

Mehr noch: Tsunoda hatte sich in den Runden zuvor genau eingeprägt, was Alonso als ein Idol seiner Kindheit auf der Rennstrecke veranstaltete. "Ich war ihm eine Weile gefolgt und habe gelernt, wie er mit den Reifen umging und wie er in jeder Kurve anders fuhr", sagt Tsunoda. "Als ich vorbei war, versuchte ich seinen Fahrstil zu kopieren. In manchen Kurven war das besser."

Trotz dieser Erfahrung wäre ihm aber viel daran gelegen, er würde in Zukunft nicht erneut auf Alonso treffen. "Ich will ja schließlich weiter vorne stehen in der Startaufstellung", sagt Tsunoda selbstbewusst. Sofort relativiert er: "Ich sage nicht, dass Fernando schlecht ist, ich meine nur: Die Autosituation ist eine andere." Er wähne sich mit AlphaTauri schlicht besser aufgestellt.

Auto und Fahrer, das passt bei AlphaTauri und Tsunoda, sagt auch Teamchef Tost. Er hat noch mehr Lob übrig für seinen Neuzugang: "Ich glaube, er hat sogar am meisten Autos überholt. Seine Rundenzeiten waren konkurrenzfähig, auf beiden Mischungen. Damit hat er sich P9 verdient."

Selbstkritischer Tsunoda denkt schon weiter

Tsunoda selbst denkt schon weiter, und daran, was er selbst noch besser machen könnte. Stichwort: Medium-Reifen im Qualifying. "Andererseits: In der ersten Rennrunde war ich am Start schlecht positioniert, etwas zu vorsichtig und habe Positionen verloren - zu viele", sagt Tsunoda. "Diese Plätze musste ich erst wieder gutmachen. Das hat viel Zeit gebraucht, und Reifen."

Er ordne seine persönliche Leistung daher "nicht bei hundert Prozent" ein, so der Japaner, aber ansonsten habe es aus seiner Sicht "gepasst". Schlusswort: "Ich habe vieles für die Zukunft gelernt." Und das wird Teamchef Tost gerne hören. Er sagt schon jetzt: "Ich glaube, wir können uns auf die Saison mit Yuki freuen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Event Sachir
Subevent Rennen
Fahrer Yuki Tsunoda
Teams AlphaTauri
Urheber Stefan Ehlen