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Warum Stefan Johansson nie einen Grand Prix gewann

Stefan Johansson konnte in seiner Formel-1-Karriere nie einen Grand Prix gewinnen - Er blickt auf die Situationen zurück, als er die Möglichkeiten dazu gehabt hätte

Warum Stefan Johansson nie einen Grand Prix gewann

Stefan Johansson gilt als einer der besten Formel-1-Piloten, der nie einen Grand Prix gewinnen konnten. Der Schwede fuhr in seiner Karriere unter anderem für Ferrari und McLaren, stand zwölfmal auf dem Podium und holte dabei vier zweite Plätze. Nur ganz oben auf das Treppchen schaffte er es nie - aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Seine ersten Erfahrungen in der Formel 1 sammelte Johansson 1980 für Shadow. Er ging bei zwei Rennen an den Start, verpasste auf unterlegenem Material aber jeweils die Qualifikation. Erst 1983 kehrte er mit Spirit in die Königsklasse zurück und erzielte in der Folge außerdem für Tyrrell und Toleman achtbare Ergebnisse.

Seinen Durchbruch hatte er 1985, als er nach einem Rennen von Tyrrell zu Ferrari wechselte. Bei der Scuderia ersetzte er nach dem Saisonauftakt Rene Arnoux - und hatte gleich bei seinem zweiten Rennen für die Scuderia die Chance au einen Sieg. Ausgerechnet das Ferrari-Heimspiel in Imola hätte er gewinnen können.

Fast die Sensation beim zweiten Rennen für Ferrari

Johansson startete dort nur von Platz 15, kämpfte sich allerdings durch das Feld und profitierte davon, dass mehrere Piloten ohne Sprit ausrollten. Ein Schicksal, dass später auch den Schweden selbst treffen sollte. "Wir hatten einen Plan für den Benzinverbrauch und alles andere", erinnert er sich im Podcast 'Beyond the Grid' zurück.

Stefan Johansson

1985 in Detroit verpasste Johansson den Sieg knapp gegen Keke Rosberg

Foto: Motorsport Images

"Ich kannte die Referenzwerte und Zahlen für jede Runde ganz genau. Ich blieb die ganze Zeit [in diesem Fenster]. Ich überholte einen Fahrer nach dem anderen. Ich wusste, dass ich das Rennen komplett kontrollierte, und ich wusste, dass ich es ins Ziel schaffen würde", so Johansson, der das Rennen kurz vor Schluss tatsächlich anführte.

"Als ich die Führung übernahm, da konnte ich den Motor nicht mehr hören, weil das Publikum so laut war. Es war unglaublich", erinnert er sich. Doch die Freude währte nicht lange. Kurz darauf rollte auch er aus. Der Schwede erklärt: "Es gab einen kleinen Riss im Saugrohr, wodurch Luft eingezogen wurde."

Imola 1985 als Knackpunkt der ganzen Karriere

"Das hat der Motor dann natürlich [mit mehr Sprit] kompensiert, um die gleiche Mischung zu haben. Es wurde mehr Benzin gebraucht, um die gleiche Mischung zu bekommen. Deswegen bin ich ausgerollt. Wenn ich jemals ein perfektes Rennen gefahren bin, dann war es dieses", blickt der heute 64-Jährige zurück.

Alain Prost, Stefan Johansson

Bei McLaren war Alain Prost 1987 als amtierender Weltmeister die Nummer 1

Foto: Motorsport Images

"Ich war damals noch immer ein junger Kerl im Formel-1-Fahrerlager, denn ich war noch keine komplette Saison gefahren", erinnert der damals 28-Jährige und verrät: "Als ich vom liegengebliebenen Auto zurück an die Box lief, da bekam ich Applaus von allen Teams in der Boxengasse. Das war unglaublich."

"Es hätte vermutlich alles verändert, wenn ich dieses Rennen gewonnen hätte. Dann wäre ich ein Kandidat für die Meisterschaft in diesem Jahr gewesen. Das Auto war zu diesem Zeitpunkt gut genug, um den Titel zu holen. Erst später ging es bergab", so Johansson, der in jenem Jahr noch zwei weitere Rennen hätte gewinnen können.

Weitere Ferrari-Siegchancen: Stallregie und Bremsscheibe ...

"In Kanada hätte ich sicher gewonnen, wenn es keine Stallregie gegeben hätte. Ich wurde Zweiter hinter Michele", nennt er das erste Beispiel. Ferrari-Teamkollege Michele Alboreto kämpfte damals um den WM-Titel, weshalb es laut Johansson eine Stallorder gab, ihn nicht anzugreifen. Im Ziel fehlten ihm weniger als zwei Sekunden zum Sieg.

Ein Rennen später in Detroit witterte Johansson seine nächste Chance. "In Detroit hätte ich gewonnen, wenn die Bremsscheibe zwei Runden vor Ende nicht explodiert wäre. Da wurde ich Zweiter hinter Keke [Rosberg]", erinnert er sich. Er schleppte sich noch als Zweiter ins Ziel, doch es sollte sein letztes Podium in diesem Jahr bleiben.

Nach vier weiteren Podestplätzen mit Ferrari in der folgenden Saison 1986 wechselte er 1987 zu McLaren. "Es gab ein Rennen, das ich hätte gewinnen können", erinnert er sich an seine Saison an der Seite von Weltmeister Alain Prost zurück und erklärt: "Es war in Spa, da hat er all seine Instrumente am Auto verloren."

Johansson gelassen: "Es ist eben so, wie es ist"

"Also mussten sie sich auf meine Informationen verlassen. Ich hätte einfach lügen und ihn so einholen können! Aber ich tat die richtige Sache. Vielleicht hätte ich etwas dreister sein sollen ...", lacht Johansson, der das Rennen als Zweiter beendete. Insgesamt reichte es in dieser Saison für ihn zu fünf Podestplätzen.

Ein Rennen konnte er allerdings auch mit McLaren nicht gewinnen, und zur Saison 1988 wurde er nach nur einem Jahr schon wieder durch einen gewissen Ayrton Senna ersetzt. Bis 1991 fuhr er anschließend noch in der Formel 1, ging für Ligier, Onyx, AGS und Footwork an den Start und holte 1989 noch einen letzten Podestplatz.

In der Regel fuhr Johansson in diesen Jahren aber nur noch hinterher, Chancen auf einen Sieg hatte er nie wieder. Mit sich und seiner Karriere ist er aber trotzdem im Reinen. "Ich mag es nicht, sich damit aufzuhalten, was alles hätte sein können, denn jeder hat so eine Geschichte. Es ist eben so, wie es ist", so der Schwede.

Seinen größten Karriereerfolg feierte Johansson nach seinem Formel-1-Aus im Jahr 1997, als er die 24 Stunden von Le Mans gewinnen konnte.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Fahrer Stefan Johansson
Urheber Ruben Zimmermann