Zweites Alfa-Romeo-Cockpit für 2022: Vieles deutet auf Zhou

Guanyu Zhou ist inzwischen Topfavorit auf das zweite Cockpit des Formel-1-Teams Alfa Romeo für 2022 - Was für den Chinesen spricht und wann eine Entscheidung fällt

Zweites Alfa-Romeo-Cockpit für 2022: Vieles deutet auf Zhou

Beim Blick auf die Formel-1-Cockpits für 2022 stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Wer bekommt das zweite Cockpit bei Alfa Romeo? Valtteri Bottas wird als neue Speerspitze des Teams in die kommende Saison gehen und jede Menge Erfahrung in einem Siegerteam mitbringen. Doch wer den Finnen ergänzen wird, ist noch nicht klar.

Inzwischen kristallisiert sich jedoch ein Name heraus, der wohl die Poleposition innehat: Guanyu Zhou. Der Chinese bestreitet derzeit seine dritte Saison in der Formel 2 und gehört eigentlich zum Nachwuchsprogramm von Alpine. Doch die Franzosen haben keinen Platz für Zhou. Zieht es den 22-Jährigen also zu Alfa Romeo?

"Zhou macht einen guten Job in der Formel 2. Natürlich steht er auf der Liste", gibt Teamchef Frederic Vasseur zu.

Zhou entwickelte sich konstant weiter

In den vergangenen Jahren musste sich der Schweizer Rennstall bei der Besetzung eines der beiden Cockpits dem Willen von Ferrari beugen. Die Scuderia konnte einen Fahrer nach eigenem Wunsch dort platzieren und verhalf so erst Charles Leclerc und inzwischen auch Antonio Giovinazzi zum Aufstieg in die Formel 1.

Doch der Vertrag wurde umgestaltet, Ferrari hat kein Mitbestimmungsrecht mehr. Während die Italiener damit vor dem Dilemma stehen, kaum noch Cockpits für ihre Nachwuchsfahrer zu finden, kann Vasseur frei entscheiden. Und sollte die Wahl auf Zhou fallen, ergibt das gleich aus mehreren Gründen Sinn.

Zum einen ist Zhou einer der konstantesten Fahrer in der Formel 2, der zudem eine Lernkurve vorzeigen kann. 2019 fuhr er als Rookie immerhin fünfmal in 22 Rennen auf das Podium und wurde Gesamtsiebter.

Zugang zum wichtigen chinesischen Markt

2020 gewann er sein erstes Rennen, holte sechs Podestplätze und belegte am Saisonende Rang sechs in der Tabelle. Und in diesem Jahr steht er nach 15 Rennen bereits bei drei Siegen sowie sieben Podiumsbesuchen und ist als Gesamtzweiter mittendrin im Kampf um die Meisterschaft.

Zum anderen, und das ist in der Formel 1 gerade in Zeiten der Coronakrise weiterhin ein wichtiger Faktor, bringt Zhou Geld mit. Über rund 30 Millionen Euro Sponsorengelder dürfte sich angeblich jenes Team freuen, das ihn unter Vertrag nimmt. Damit wären bereits mehr als 20 Prozent des im kommenden Jahr erlaubten Budgets abgedeckt.

Und zudem würde der Chinese Zugang zu einem der wichtigsten Wirtschaftsmärkte der Welt garantieren. Der Autohersteller Alfa Romeo, wenn auch nur Titelsponsor ohne Einfluss auf das Tagesgeschäft beim eigentlichen Sauber-Team, der gesamte Stellantis-Konzern und wohl auch die Formel 1 selbst würden eine solche Gelegenheit sicherlich begrüßen.

Entscheidung erst nach Sotschi - frühestens

Vasseur betont, dass Zhou in erster Linie aufgrund der sportlichen Leistungen ein Kandidat sei. "Es geht nicht darum, dass er Chinese ist, sondern weil er ein Spitzenfahrer in der Formel 2 ist. Er hat einige Rennen gewonnen und ich denke, jedes einzelne Formel-1-Team hat ihn beobachtet", meint der Franzose.

Allerdings will sich das Team mit einer Entscheidung noch Zeit lassen und auch zumindest noch das Formel-2-Wochenende in Sotschi abwarten. Die beiden finalen Wochenenden der Nachwuchsserie in Saudi-Arabien und Abu Dhabi finden erst im Dezember statt, doch Vasseur betont, dass es wichtig sei, nach einem turbulenten Saisonstart mit einem Fazit zu warten.

"Die ersten vier Events verliefen etwas anders. Nun kommen sie zurück zu gewöhnlicheren Strecken. Die jungen Fahrer in der Formel 2 haben dann mehr Erfahrung und in zwei oder drei Events werden wir sehen, wo die Fahrer stehen und wie die Entwicklung eines jeden Fahrers in der Formel 2 ist", erklärt Vasseur. Dass er tatsächlich aber bis Mitte Dezember mit einer Entscheidung warten wird, darf zumindest angezweifelt werden.

Toptalent Theo Pourchaire mit Chancen?

Möglicherweise will Vasseur aber auch sehen, wie sich sein Landsmann und Toptalent Theo Pourchaire noch entwickelt. Der vor wenigen Wochen 18 Jahre alt gewordene Franzose gehört dem Nachwuchsprogramm von Sauber an und gilt als kommender Star. Doch Vasseur weiß auch, dass ein Formel-1-Aufstieg im kommenden Jahr vielleicht zu früh kommen könnte.

"Wir müssen Theo die Zeit geben, um sich zu verbessern. Es geht nicht darum, dass er den Speed entwickelt, weil den hat er schon. Es geht um all das Wissen drumherum", sagt Vasseur. Bislang beschränkt sich Pourchaires Erfahrung in einem Formel-1-Auto auf ein paar Testkilometer in einem alten Boliden. Zhou bestritt hingegen bereits ein Freies Training für Alpine in diesem Jahr.

Auch hier hat der Chinese also Vorteile. Mit Blick auf Pourchaire betont Vasseur: "Vor zwei Monaten war er noch 17. Die Formel 1 ist sehr kompliziert. Wir haben eine begrenzte Anzahl an Testtagen, nächstes Jahr haben wir ein komplett neues Auto und daher vielleicht Zuverlässigkeitsprobleme. Wir könnten also mit sehr wenig Kilometern nach Bahrain kommen. Das müssen wir berücksichtigen", sagt der 53-Jährige.

Giovinazzis Aufschwung wohl zu spät

Nur Außenseiterchancen auf das Alfa-Cockpit für 2022 dürfte hingegen Antonio Giovinazzi besitzen. Der Italiener ist dank Ferrari in der Formel 1, doch er müsste Vasseur schon gewichtige Argumente liefern, um auch im kommenden Jahr auf ihn zu setzen.

Immerhin: Zuletzt zeigte Giovinazzi zwei eindrucksvolle Qualifyings in Zandvoort und Monza, beide Male kam er in Q3. In den Niederlanden wurde er sogar Siebter in der Qualifikation. Dieser Aufschwung dürfte allerdings zu spät kommen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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