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Zwischen Handarbeit und Hightech: Formel-1-Reifen von Pirelli

Im Entwicklungszentrum in Mailand arbeitet Pirelli an den Reifen der Zukunft - Simulationen allein reichen dabei längst nicht mehr aus

Zwischen Handarbeit und Hightech: Formel-1-Reifen von Pirelli

Pirelli Reifen vereinen Hightech und italienisches Handwerk

Foto: LAT Images

Pirelli treibt die Entwicklung der Reifen für die Formel 1 Saison 2026 mit einer Kombination aus virtuellen Simulationen und klassischen Streckentests voran. Der italienische Hersteller gewährte ausgewählten Journalisten nun Einblicke in seine Arbeit im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Mailand.

Die Reifen gelten als einzige Verbindung zwischen einem Formel-1-Auto und der Rennstrecke, sie spielen also eine entscheidende Rolle für die Performance. Gleichzeitig müssen die Pneus mit den tiefgreifenden Regeländerungen der aktuellen Saison Schritt halten und sich ebenso ständig weiterentwickeln. Um diese Herausforderung zu meistern, setzt Pirelli verstärkt auf moderne Entwicklungswerkzeuge.

Der Besuch in Mailand fand im Anschluss an den Miami-Grand-Prix statt. Anders als die Produktionsstätte im rumänischen Slatina dient das Werk in Mailand als modernes Entwicklungszentrum. Dort arbeiten laut Pirelli rund tausend Menschen. Neben virtuellen Simulationsräumen verfügt die Anlage über mehrere Stockwerke mit diversen Prüfständen und Laboren.

Kombination aus Simulation und realen Tests

Besonderes Augenmerk liegt auf der Kombination aus digitalen und physischen Tests. "Wir entwickeln den Reifen mit modernsten Methoden am Computer und auf Prüfständen, aber am Ende muss weiterhin ein echter Reifen validiert werden, um zu prüfen, ob bestimmte Konzepte auch auf der Strecke funktionieren", erklärt Entwicklungschef Guido Carosio.

Pirelli

Was Pirelli im geheimen F1-Labor in Mailand wirklich testet

Foto: LAT Images

Laut Carosio beginnt demnach die Arbeit mit einer virtuellen Version des Reifens. Dabei werden zunächst Konstruktion und Materialien simuliert. Dennoch sind reale Tests unverzichtbar: "Sobald man die Konstruktion und die Mischungen festgelegt hat, benötigt man physische Reifen, um zu sehen, ob die Konstruktion tatsächlich das gewünschte Verhalten liefert."

Auch traditionelle Methoden spielen in Mailand weiterhin eine Rolle. In einer speziellen Abteilung schneiden Mitarbeiter, die bei Pirelli als "Scorbiatori" bezeichnet werden, unterschiedliche Reifenprofile per Hand in die Pneus. Echte italienische Handwerkskunst. Die manuelle Bearbeitung dient dazu, neue Profilvarianten und Konzepte unter realen Bedingungen zu testen.

Prüfstand soll reale Bedingungen simulieren

Ein weiteres zentrales Element in Mailand ist der sogenannte Indoor-Prüfstand. Dort können verschiedene Fahrbahnoberflächen simuliert werden, indem Geschwindigkeit, Temperatur und Bewegungen präzise gesteuert werden. Das System ist laut Pirelli vollständig automatisiert und ermöglicht es, mehrere Reifensätze unter identischen Bedingungen zu testen.

"Wir können verschiedene Reifentypen mit unterschiedlichen Eigenschaften vergleichen und die Wirkung von Konstruktion, Mischung und Profil exakt analysieren", sagt Carosio. Der Prüfstand ermöglicht es zudem, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen und externe Einflüsse auszuschließen.

Datenanalyse als wichtiger Bestandteil der Entwicklung

Neben den Indoor-Tests spielt auch die Datenauswertung eine wichtige Rolle. Pirelli speist die gewonnenen Erkenntnisse in eigene Fahrzeugsimulatoren ein, um das Verhalten der Reifen unter verschiedenen Bedingungen vorherzusagen. Ziel ist es dabei nicht nur, die absolute Performance zu steigern, sondern auch Unterschiede zwischen verschiedenen Mischungen besser nachvollziehen zu können.

Die Entwicklung der Reifen für 2026 gestaltet sich laut Pirelli besonders anspruchsvoll. Die neuen Fahrzeuge weisen andere aerodynamische Konzepte und technische Vorgaben auf, wodurch sich auch die Anforderungen an die Reifen verändert hat. Zudem sind die Ergebnisse der Simulationen in einer frühen Phase noch stark voneinander abgewichen.

"Die Aufgabe ist komplex, weil die Formel-1-Reifen heutzutage sehr anspruchsvoll sind", erklärt Carosio weiter. "Aber genau das macht die Arbeit interessant."

Dieses Wochenende am Circuit Gilles Villeneuve, der für harte Bremspunkte und wechselnde Grip-Verhältnisse bekannt ist, spielt das Reifenmanagement eine zentrale Rolle. Es dürfte besonders interessant werden, wie sich die weichen Mischungen von Pirelli unter den Anforderungen der Strecke verhalten werden.

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