Tost: Verschwörungstheorien um Schumacher Unsinn!

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Tost: Verschwörungstheorien um Schumacher Unsinn!
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24.05.2019, 06:05

Franz Tost glaubt nicht, dass bei Mick Schumachers Formel-3-Titel getrickst wurde, und empfiehlt dem 20-Jährigen, erstmal keine Formel-1-Tests zu bestreiten

Franz Tost hat in einem Interview mit 'MotorsportTotal.com' mit Verschwörungstheorien rund um Mick Schumacher aufgeräumt, über die hinter vorgehaltener Hand schon seit vergangenem Sommer getuschelt wird. Der Toro-Rosso-Teamchef unterstreicht, dass er "keinen Zweifel" daran habe, dass es bei Schumachers Titel in der Formel-3-Europameisterschaft mit rechten Dingen zugegangen ist.

Zweifel daran kursieren seit Monaten, weil es vielen Fans (und sogar einigen Fachleuten) merkwürdig vorkommt, dass Schumacher in den ersten 14 Rennen nur zweimal auf dem Podium stand (Dritter in Budapest und Zandvoort), danach aber eine plötzliche Leistungsexplosion erfuhr und von den verbleibenden 16 Rennen acht gewann und weitere viermal auf das Podium fuhr.

Es ist in Branchenkreisen bekannt, dass gerade in den Nachwuchsserien in früheren Jahren getrickst wurde, was das Zeug hält - überliefert sind Geschichten etwa über manipulierte Motoren oder spezielle Reifensprays für mehr Grip. Allerdings gibt es keinerlei konkreten Anlass, Schumachers Prema-Team (mit dem er jetzt auch Formel 2 fährt) solche Methoden zu unterstellen.

Tost glaubt, dass man solche Tricksereien zumindest rein theoretisch "vielleicht einmal" machen kann, ohne erwischt zu werden - ohne das auf Schumacher und Prema zu beziehen. An eine komplette zweite Saisonhälfte, die manipuliert wurde, glaubt er keinesfalls, weil die Formel 1 und der Motorsport insgesamt "wahnsinnig transparent" geworden seien.

Franz Tost, Willi Weber

Franz Tost kennt die Schumacher-Familie gut, hat früher für Willi Weber gearbeitet ...

Foto: Sutton

Tost glaubt: Manipulation völlig ausgeschlossen

Er schließt eine Manipulation der Formel-3-Saison 2018 aus, "nicht weil die Menschen so ehrlich sind, sondern weil du so viele Leute involvieren musst. Alles ist so kompliziert geworden", erklärt der 63-Jährige. "Ich habe das Bescheißen in den unteren Klassen auch miterlebt. Aber vergiss das! Du wirst damit auf Dauer keinen Erfolg haben."

"Vielleicht bist du einmal im Qualifying vorne und hast Glück, dass du einmal ein Rennen gewinnst. Aber du wirst nicht auf Dauer erfolgreich sein - auch der Fahrer nicht. Und was man innerhalb des Legalen mit Mappings machen kann, das sind Peanuts, vielleicht ein paar Zehntelsekunden. Aber dann brauchst du auch wieder einen Fahrer, der das umsetzt."

Sprich: Selbst wenn ein Nachwuchsteam der Konkurrenz aus technischen Gründen überlegen sein sollte, braucht es immer noch außergewöhnliches fahrerisches Talent, um diesen Vorteil in Ergebnisse umzusetzen. "Wenn einer von Grund auf zu langsam ist, kannst du an noch so vielen Schrauben drehen, der wird einfach nie den Gesamterfolg haben", weiß Tost aus Erfahrung.

Deshalb lege er bei seinen eigenen Red-Bull-Junioren so großen Wert darauf, "dass ein Fahrer eine Meisterschaft gewinnt. Ein Rennen oder zwei kann er mal gewinnen durch irgendwelche glücklichen Umstände. Aber wenn einer mehrere Rennen und eine Meisterschaft gewinnt, dann hat er bewiesen, dass er auch das entsprechende Talent hat."

Überhaupt müsse man auch Schumachers angebliche Leistungsexplosion relativieren. Der Blick auf die Ergebnisse suggeriert zwar, dass am Spa-Wochenende etwas mit dem damals 19-Jährigen passiert ist. Aber dieser Eindruckt stimme "nicht so ganz", relativiert Tost: "Wenn ich mich recht erinnere, war er gleich am Saisonbeginn in den Freien Trainings in Pau immer unter den Schnellsten."

Pau: So hat der Schlamassel angefangen ...

"Im Qualifying", erzählt der Formel-1-Teamchef weiter, "ist er dann in einer Schikane zu brutal über den Kerb gefahren und hat sich die Aufhängung kaputt gemacht. Er musste dann von weiter hinten starten. Da fängt der ganze Schlamassel an. Wenn du einmal aus dem Rhythmus draußen bist, ist es schwierig, dich wieder zu fangen."

"Bei ihm war natürlich auch die Erwartungshaltung eine ganz andere. Er hat sich dann Gott sei Dank gefangen und hat dann super Rennen gezeigt. Ich habe alle seine Formel-3-Rennen gesehen, und ich habe auch Kommentare gelesen, dass das alles nur aufgrund des Motors war. Stimmt nicht! Der hat nicht wegen des Motors gewonnen, sondern wegen seiner fahrerischen Fähigkeiten."

 

"Er hat Regenrennen gewonnen. Wenn du nicht Autofahren kannst, gewinnst du nicht im Regen. Er hat am Nürburgring ein super Rennen mit tollen Überholmanövern gezeigt. Auch wenn du von vorne startest, musst du es einmal zur ersten Kurve hinbringen und das Rennen gewinnen. Für mich hat er letztes Jahr eine super Saison gezeigt. Und er ist für mich ein verdienter Formel-3-Europameister."

Trotzdem sieht er Schumacher nicht als Kandidaten für das Red-Bull-Juniorteam: "Mick sehe ich bei Alfa, aber nicht bei Toro Rosso", bezieht sich Tost auf Gerüchte aus dem Herbst 2018, als Schumacher jun. von einigen Medien schon zu Toro Rosso geschrieben wurde. Doch ein Formel-1-Einstieg 2019 wäre wohl viel zu früh gekommen.

Tost holt aus, um die Gerüchte zu dementieren: "Mick Schumacher kenne ich, da war er noch ein kleiner Junge. Ich habe ja bei Weber Management gearbeitet. Ich war für Ralf zuständig, aber bei vielen Überseerennen habe ich auch für Michael ein bisschen was gemacht. Ich kenne diese Familie und ich kenne Mick schon, da hat er gerade als kleiner Junge mit dem Kartfahren angefangen."

Toro Rosso bei Gesprächen mit Umfeld nie ein Thema

"Wir treffen uns auch immer wieder zwischendurch und reden über gewisse Sachen. Ich habe auch gute Verbindungen zu Peter Kaiser (Förderer von Michael Schumacher; Anm. d. Red.), der da auch immer dabei war. Es war überhaupt gar nie ein Thema, dass Mick Schumacher dieses Jahr bei Toro Rosso Formel 1 fährt. Überhaupt nie!"

"Erstens ist der Schritt aus der Formel 3 direkt in die Formel 1 für mich momentan ein No-Go. Warum? Weil diese Formel 1 unheimlich schnell und komplex geworden ist", verweist der Österreicher auf die Regeländerungen, die vor der Saison 2017 eingeführt wurden - und vergleicht: "Als Max Verstappen eingestiegen ist, war das noch die langsame Formel 1."

"Jetzt haben wir die wirklich schnelle Formel 1. Nicht nur vom Speed her, der ist das geringere Problem. Die Fahrer passen sich aufgrund ihrer Ausbildung schnell an. Aber technisch ist es kompliziert geworden. Der richtige Gebrauch der Power-Unit mit MGU-H und MGU-K, die ganzen Mappings, Differenzial, Brake-by-Wire - dafür brauchst du Erfahrung, darauf musst du vorbereitet werden."

"Momentan", sagt Tost, "ist der logische Weg für Mick Schumacher, Formel 2 zu fahren und dort zu zeigen, was er kann. Er muss in der Formel 2 Rennen gewinnen, und erst wenn er Rennen gewinnt und um die Meisterschaft fährt, kann man über die Formel 1 spekulieren. Er ist kein Red-Bull-, sondern ein Ferrari-Fahrer. Und irgendwann einmal wird er bei Sauber landen."

Franz Tost, Ralf Schumacher

... und lang mit Ralf Schumacher zusammengearbeitet, auch noch bei BMW

Foto: Sutton

Warum der Fall Vettel ganz anders war

Einwand: Sebastian Vettel hatte auch einen BMW-Vertrag, landete aber trotzdem bei Red Bull. "Die Vettel-Story war eine ganz andere", kontert Tost - und hat damit recht: Zwar stand Vettel tatsächlich bei BMW unter Vertrag. Gleichzeitig hatte er aber auch einen Red-Bull-Vertrag. Red Bull setzte sich durch, weil man Vettel bei Toro Rosso früher ein Formel-1-Cockpit anbieten konnte.

"Mick ist für Toro Rosso aufgrund der Red-Bull-Philosophie kein Thema. Er ist kein Red-Bull-Fahrer, aber Toro Rosso nimmt Red-Bull-Fahrer", stellt Tost klar und ergänzt: "Die logischen Favoriten für einen zukünftigen Toro-Rosso-Sitz sind Ticktum, Auer und ein japanischer Fahrer, für Honda." Wer es schlussendlich wird, das entscheiden nur "die Resultate".

"Letzten Endes entscheidet immer der Fahrer selbst. Sie müssen gute Resultate bringen. Irgendwo mitzufahren ist zu wenig, um in die Formel 1 reinzukommen. Dafür musst du Rennen gewinnen, so wie ein Albon Rennen gewonnen hat, oder ein Kwjat Rennen und Meisterschaften gewonnen hat. Ansonsten, wenn sie keine Rennen und Titel gewinnen, ist es sinnlos."

Was Mick Schumacher betrifft (und Gerüchte über angebliche Freitagstrainings im Alfa Romeo von Antonio Giovinazzi), empfiehlt Tost dem Management des Nachwuchstalents, sich nicht zu sehr vom Gedanken an die Formel 1 ablenken zu lassen. Oberste Priorität müsse haben, in den nächsten beiden Jahren Formel-2-Champion zu werden.

"Sein Hauptaugenmerk muss auf die Formel 2 gelegt werden. Die Formel 1 soll er am besten total vergessen", sagt Tost. "Er muss in der Formel 2 zeigen, dass er auch dort Rennen gewinnen kann. Ich bin davon überzeugt, dass er das kann. Dann sieht man weiter." Erst dann, vielleicht 2020, würde ein Parallelprogramm mit Formel 2 und regelmäßigen Formel-1-Tests Sinn ergeben ...

Mit Bildmaterial von LAT.

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