Irres Macao-Finish: Ferdinand Habsburg übte letzte Kurve 50 Mal

Der Formel-3-Weltcup in Macao ist lediglich eine Woche her, doch schon beim Zieleinlauf war klar, dass der Ausgang des Hauptrennens ein Klassiker der Motorsportgeschichte wird.

Das kuriose Finale mit zwei Unfällen in der letzten Kurve, einem Überraschungssieger, der zuvor in einem Four-Wide die Position übernimmt, die auf dem Zielstrich die Führung sein sollte, und ein irres Rad-an-Rad-Duell durch die berüchtigte Mandarin-Kurve hindurch haben für Gesprächsstoff für Jahrzehnte gesorgt.

In der Hauptrolle: Ein Adeliger. Ferdinand Habsburg, der für die Kaiserrolle ein Jahrhundert zu spät auf die Welt kam, hätte sich um ein Haar zum König von Macao gekrönt. Auch als Dan Ticktum als Sieger in den Parc Ferme einbog, wurde Habsburg von seinem Team gefeiert, als hätte er das Rennen gewonnen. Er hat zuvor der Welt bewiesen: Hier treibt kein Blaublüter Zeitvertreib. In Ferdinand Zvonimir Habsburg-Lothringen steckt ein Racer mit unbändigem Siegeswillen - und was für einer.

In der Motorsport-Show "The Flying Lap" auf 'Motorsport.tv' lässt der 20-Jährige das Rennen, das jetzt schon ein Klassiker ist, noch einmal Revue passieren und gibt dabei exklusive Einblicke in Privataufnahmen - etwa eine Streckenbegehung mitten in der Rush Hour des Feierabendverkehrs der ehemaligen portugiesischen Kolonie. Und natürlich kommt auch das Rennen nicht zu kurz. Habsburg erklärt, was ihn zu seinem Überholversuch über die Außenbahn in Mandarin bei 250 km/h trieb. Allein dafür müsste die gesamte Red-Bull-Vorstandsriege, die bekanntlich "dicke Eier" liebt, bei ihm vorstellig werden. Der Versuch scheiterte, doch nun ging es richtig los.

 

"Normalerweise ist die Sache ab Lisboa gelaufen, aber auf den Gedanken bin ich nicht einmal gekommen", erklärt er den weiteren Verlauf der letzten Runde, nachdem er auch am Ende der Geraden nicht an seinem Kontrahenten, Sergio Sette Camara aus Brasilien, vorbeigekommen ist. Es gab noch die ganz verwegene Chance, in der letzten Kurve, der R-Bend, einen Angriff zu wagen. Tatsächlich tat ihm Sette Camara den Gefallen, in der vorigen Kurve, der Fisherman's Bend, Kampflinie zu fahren und einen kleinen Rutscher zu haben.

"Ich weiß nicht, warum es so war, aber ich habe im Vorfeld des Rennens das Szenario bestimmt 50 Mal durchgespielt, wie wir im Kampf in der letzten Runde in die R-Bend kommen", erinnert sich der Carlin-Pilot. "Ich war in der Position des Spitzenreiters und des Angreifers und habe jedes erdenkliche Szenario durchgespielt, wie ich angreifen kann und wie ich verteidigen muss. Das ist ungewöhnlich, denn eigentlich kämpft man in der R-Bend nicht mehr um den Sieg."

 

Doch die Vorahnung sollte sich bestätigen: Gegen Sergio Sette Camara, dessen Reifen am Ende waren, ging es in der letzten Kurve um alles. Allerdings landeten beide Fahrer in der Mauer und Dan Ticktum fuhr als lachender Dritter den Sieg ein. Habsburg kämpfte sich wie einst Gilles Villeneuve mit seinem zerstörten Boliden als Vierter über die Ziellinie. Im Interview erläutert er genau, was ihn zu dem Angriff trieb und warum letztlich beide Fahrer in der berüchtigten Macao-Leitplane landeten.

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