Mick Schumacher: Formel-1-Vorbereitung wichtiger als Meisterparty

Schlechtes Rennen, aber trotzdem Meister: Mick Schumacher blickt auf das Formel-2-Saisonfinale zurück, nach dem es für ihn erst mal keine große Party geben wird

Mick Schumacher: Formel-1-Vorbereitung wichtiger als Meisterparty

Platz 18 im Sprintrennen von Bahrain war am Sonntag des schlechteste Resultat von Mick Schumacher in dieser Formel-2-Saison. Und dennoch jubelte der Sohn von Michael Schumacher nach der Zieldurchfahrt ausgelassener denn je. Denn sein Meisterschaftsrivale Callum Ilott konnte diese Steilvorlage nicht nutzen, und so stand Schumacher als Meister der Formel 2 2020 fest.

Im Kopf des 21-Jährige war diese Botschaft kurz nach dem Rennen bei der Meister-Pressekonferenz aber noch nicht. "Ich denke, das wird noch einige Zeit dauern. Aber es ist ein gutes Gefühl", sagt Schumacher, der bei der Pressekonferenz etwas aufgekratzter als sonst üblich wirkte und mehrmals nach den richtigen Worten suchen musste.

Eins wusste Schumacher allerdings schon: Für eine ausgelassene Party bleibt nach dem größten sportlichen Erfolg seiner Karriere erst einmal keine Zeit. "Ich habe einen vollen Terminkalender. Wir haben noch die Pokalvergabe, und dann kann ich hoffentlich ein wenig Zeit mit meinem Team verbringen", blickt er auf den weiteren Verlauf des Sonntags voraus.

Enttäuschung über schlechtes Rennen zum Abschluss

So wird es bei einer kleinen Feier mit seiner Prema-Mannschaft bleiben, denn schon am Montag reist Schumacher weiter nach Abu Dhabi, wo er am Freitag für sein nächstjähriges Formel-1-Team Haas erstmals im ersten Freien Training fahren wird. "In den nächsten Tagen werde ich mich dann auf die Formel 1 und den Junior-Test nach Abu Dhabi vorbereiten. Und dann ist auch schon Weihnachten und ich können alle entspannen."

 

Auch für Telefonate mit Freunden oder der Familie blieb nach dem letzten Saisonrennen erst einmal keine Zeit. "Es war nach dem Rennen alles sehr hektisch", so Schumacher. "Es war aber schön, dass ich zehn Minuten mit dem Team hatte, feiern und Fotos machen konnte. Das sind Erinnerungen, die ich ewig in mir behalten werde. Die Freude kommt später."

Richtig auskosten konnte Schumacher das Erfolgserlebnis direkt nach dem aufregenden Finalrennen ohnehin noch nicht. Vielmehr überwog noch ein wenig der Frust über eines seiner schlechtesten Rennen in dieser Saison. "Ich bin ein wenig enttäuscht über meine Leistung. Darum kreisen meine Gedanken im Moment", gibt er zu. "Aber wir haben das gesamte Jahr über genug getan, dass ich mir ein solch schlechtes Rennen erlauben konnte."

Verbremser macht alle Sieghoffnungen zunichte

Mit 14 Punkten Vorsprung auf Ilott war Schumacher ins Sprintrennen gestartet. Eigentlich ein beruhigendes Polster. Doch das wollte Schumacher von Startplatz drei aus nicht nur verwalten. "Mein Ziel war, das letzte Rennen zu gewinnen. Wir wären schnell genug gewesen", hält er fest.

Doch schon in der ersten Runde glitt Schumacher dieser letzte Erfolg in der Formel 2 aus den Händen. "Leider habe ich mich in Kurve 4 stark verbremst. Ich hatte gedacht, es gäbe dort mehr Grip", sagt er. "Es war sehr windig und dadurch sehr sandig, denn wir sind mitten in der Wüste. Die Bedingungen waren völlig anders als gestern."

Der Bremsplatten sorgte am Auto von Schumacher zu starken Vibrationen, die ihn nahezu der Sicht nach hinten beraubten. "Meine Rückspiegel sind beinahe abgefallen. Es war daher schwierig zu sehen, was hinter mir passiert."

Mental schwieriges Wochenende für den 21-Jährigen

Während Schumacher zunächst noch auf Rang drei in der Spitzengruppe mithalten konnte, bauten die malträtierten Reifen gegen Rennmitte immer mehr ab und der Deutsche musste sich nach hinten orientieren. "Danach ging es vor allem darum, vor Callum zu bleiben. Ich habe versucht, ihn so weit wie möglich einzubremsen, damit alle anderen dahinter aufschließen", beschriebt Schumacher seine Taktik. "Irgendwann kam dann der Punkt, an dem es die sicherste und vielleicht auch beste Entscheidung war, an die Box zu fahren."

 

Nach diesem Reifenwechsel, der ihn weit aus den Top 10 zurückwarf, musste Schumacher noch einmal um den Titel zittern. Doch in der Schlussphase des Rennens brachen auch Ilotts Reifen ein, der bis auf Rang zehn zurückfiel und daher nicht von Schumachers Problemen profitieren konnte. So stand der Deutsche letztlich als Titelträger fest.

Der Weg dahin war vor allem am Finalwochenende für den 21-Jährigen aber alles andere als einfach. Mental sei es ein ziemlich schwieriges Wochenende gewesen, wie Schumacher auf Nachfrage von 'Motorsport.com' zugibt.

"Wettbewerb gegen Callum war sehr hart"

"Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupten würde", sagt er. "Der Wettbewerb war dieses Jahr sehr hart, vor allem gegen Callum. Vielleicht nicht direkt gegeneinander, aber wenn es darum ging Punkte zu gewinnen. Wir waren im Vorteil, als wir hierher gekommen sind, aber [der Job] war noch nicht erledigt."

Mick Schumacher, Callum Ilott

Die Ferrari-Junioren Schumacher und Ilott machten den Titel unter sich aus

Foto: Motorsport Images

Und so zeigte Schumacher nicht nur im Sprintrennen Nerven. Schon im Qualifying am Freitag war er nicht über Position 18 hinausgekommen und zu allem Überfluss auch noch mit dem Auto von Roy Nissany kollidiert.

"Mit meiner Leistung bin ich nicht völlig zufrieden. Ob das am Druck oder Stress lag weiß ich nicht", bilanziert Schumacher das letzte Rennwochenende der Saison 2020. "Was aber zählt ist die Tatsache, dass wir uns diesen Vorsprung herausgefahren haben, der es uns erlaubt hat, Punkte zu verlieren. Wir kannten unsere Stärken und Schwächen und haben unsere Stärken ausgespielt."

In einer Reihe mit Hamilton und Rosberg

Mit dem Titelgewinn ist Schumacher der vierte deutsche Meister der Formel 2 (beziehungsweise der Vorgängerserie GP2) und steht nun in einer Reihe mit Fahrern wie Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Charles Leclerc. Parallelen zu seinen Vorgängern will er allerdings nicht ziehen.

"Jede Saison in der Formel 2 ist einzigartig. In jedem Jahr gibt es andere Fahrer, der Wettbewerb ändert sich ständig. Daher kann man das schlecht miteinander vergleichen", meint Schumacher.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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