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Nach Red-Bull-Aus: Deutsche Formel-1-Hoffnung vor dem letzten Versuch?

Oliver Goethe kämpft in der Formel 2 um seine letzte Chance auf die Königsklasse - Nach dem Aus bei Red Bull setzt das deutsche Talent nun alles auf Plan A

Nach Red-Bull-Aus: Deutsche Formel-1-Hoffnung vor dem letzten Versuch?

Oliver Goethe in der Formel 2: Ist 2026 seine letzte Chance?

Foto: James James

Mit Platz 18 im Sprintrennen und Rang vier im Hauptrennen liegt Oliver Goethe nach dem Saisonauftakt in Melbourne auf Platz sechs der Gesamtwertung der Formel-2-Saison 2026. Der Deutsche, der auch die dänische und britische Staatsbürgerschaft hat, glaubt, dass es seine letzte Chance in der Nachwuchsserie sein wird, um den Schritt in die Formel 1 zu machen. Worauf kommt es jetzt an?

"Ich denke, es ist sehr wahrscheinlich, dass es mein letztes Jahr in der Formel 2 sein wird, hoffentlich zum Besseren", so Goethe gegenüber dem Kicker, der es 2025 nur auf Platz 15 schaffte. Trotzdem will er die positiven Erlebnisse des Vorjahres mitnehmen und Schwung aufbauen, um im Jahr 2026 den großen Schritt nach vorne zu schaffen.

"Das Ziel ist ein starker Saisonstart, das ist es, was mir letztes Jahr gefehlt hat", sagt er und mit den Ergebnissen in Australien hat er dafür den ersten soliden Schritt gemacht. "Das Vertrauen ist im Moment da. Das Team hat Vertrauen in mich, ich habe Vertrauen in das Team. Ich denke, wir können gut zusammenarbeiten, um in dieser Saison wirklich um die Meisterschaft zu kämpfen."

Formel-2-Ergebnisse wichtig

"Mit einer starken Saison in der Formel 2, besonders zu Beginn des Jahres, fängt man an, mit Formel-1-Teams zu sprechen", so das klare Ziel des 21-Jährigen, der von der Königsklasse träumt. "Und das ist für mich das Ziel. Ich denke, das Potenzial dafür ist da."

Um es jedoch wirklich in die Formel 1 zu schaffen, braucht es nicht nur gute Ergebnisse in der Formel 2, sondern auch das nötige Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. "Die Formel 1 ist das Ziel, der Traum. Alles, wofür ich arbeiten werde, ist, es in die Formel 1 zu schaffen. Das ist also definitiv Plan A", stellt der Youngster klar.

Doch Goethe denkt schon über eine alternative Zukunft nach, sollte er es nicht in die größte Rennsport-WM schaffen: "Wenn das nicht klappt, muss man sich alle Möglichkeiten ansehen. Im Moment haben wir nichts Konkretes für Plan B. Wir konzentrieren uns nur auf Plan A."

Erfahrungen im GT-Sport

Mit seinem Start bei den 24h von Dubai hat er aber zumindest schon einmal einen Grundstein für eine Option gelegt: "Aber ja, ich genieße GT-Rennen und Langstreckenrennen. Ich bin ein Fan von Rennen im Allgemeinen, also macht es definitiv Spaß und ist aufregend, aber nicht so aufregend wie die Formel 1."

Ein weiterer Stolperstein in Richtung Königsklasse war sein Aus im Nachwuchsprogramm von Red Bull, das den 21-Jährigen nach der Saison fallen gelassen hat: "Ja, es ist natürlich nicht ideal. Red Bull war eine gute Akademie, um in die Formel 1 zu kommen, wenn man die Ergebnisse hatte. Leider hatte ich letztes Jahr nicht die Ergebnisse. Sie sind dafür bekannt, nicht wirklich zweite Chancen zu geben, wenn man die Ergebnisse nicht hat."

"Das ist bedauerlich, denn Red Bull bringt viele Nachwuchsfahrer in die Formel 1", sagt er. "Das war also das Ziel, als ich bei ihnen war. Ich schätze die ganze Unterstützung, die sie mir gegeben haben. Ich habe viel gelernt, als ich dort im Simulator gefahren bin."

Red-Bull-Aus als Chance?

Trotz dieses Rückschlags gibt Goethe aber nicht auf: "Ich glaube nicht, dass es mich für dieses Jahr unbedingt stark beeinträchtigt. Ich glaube, wenn ich die Ergebnisse erzielen und anderen Teams zeigen kann, was ich kann, dann werde ich definitiv in Kontakt sein und die Möglichkeit haben, zumindest ein Formel-1-Auto zu fahren oder in einem anderen Nachwuchsprogramm zu sein."

Oliver Goethe

Oliver Goethe fuhr in Melbourne wichtige Punkte ein

Foto: Sam Bloxham/LAT Images

Außerdem hat er die Unterstützung Deutschlands im Rücken: "Das Motorsport Team Germany hat mir sehr mit anderen Verbindungen geholfen, besonders zu den deutschen Herstellern. Das ist sehr hilfreich. Als ich bei Red Bull war, konnte ich das natürlich nicht, da war ich nur auf sie fokussiert."

"Aber ich denke, das Motorsport Team Germany kann mir in naher Zukunft definitiv bei anderen Möglichkeiten helfen", freut er sich. "Ich bin also definitiv dankbar, bei ihnen zu sein. Ja, ich freue mich darauf, dieses Jahr wieder mit ihnen zusammenzuarbeiten."

Keine nationale Serie in Deutschland

In Deutschland fristet der Formelsport aktuell ein Schattendasein, da es keine nationale Rennserie gibt, in der junge Talente ihr Können in einem Monoposto unter Beweis stellen können. Das ist dem Motorsport Team Germany ein Dorn im Auge, wie Thomas Voss, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der ADAC Stiftung Sport und Leiter ADAC Motorsport, Klassik und Veranstaltungen, erklärt.

"Das ist ein bisschen kompliziertes Thema", sagt er. "Natürlich wollen wir und möchten wir gerne in Deutschland wieder Formelsport anbieten. Ich glaube, das sage ich schon seit vielen Jahren gebetsmühlenartig. Das Problem ist so ein bisschen der Weg dahin."

"Im Formelsport hat sich eine gewisse Monokultur eigentlich weltweit entwickelt", so seine Analyse. "Formel 4 bis Formel 1 hoch in den verschiedenen Stufen. Formel E hat sich daneben entwickelt, aber auch noch ohne Unterbau. Das muss man auch ganz klar sagen."

Formel E braucht Unterbau

"Da werden Fahrer aus Kategorien gesucht, die eigentlich gar nichts mit Formel E zu tun haben. Ich glaube, da wird sich auch eine Spezialisierung herauskristallisieren in den nächsten Jahren, wenn denn mal ein Unterbau da ist."

"Wir würden gerne, aber wenn man die Zahlen aus Italien oder Spanien hört, da wären wir bei 1,5 Millionen Euro", so Voss über die finanzielle Dimension. "Dieses Geld ist im Augenblick nicht auf dem deutschen Markt da. Dazu kommen wir natürlich gerade in eine Mobilitätswende in Richtung Elektro, möglicherweise Hybrid, wie auch immer."

"Wir führen verschiedene Gespräche schon seit Jahren. Lass uns doch mal über etwas anderes [als den Verbrenner] reden. Aber dieses andere ist noch nicht so weit, dass wir es wirklich in ein Nachwuchs-Formel-Auto holen könnten."

Mehr Formelsport für Deutschland

"Ich würde mir wünschen, dass wir wieder, wie es früher in Deutschland war, eine breite Palette von Formelautos haben. Angefangen von der Formel Ford, da wurden die ersten Schritte gemacht, noch ohne Aerodynamik, ohne dem ganzen Data-Recording, dass man einfach mal wieder fahren kann. Bis hin Formel Renault, Formel BMW, Formel Volkswagen."

"Auch eine nationale Formel 3 als Oberbau zur Formel 4, wo man Jugendlichen eine Perspektive geben kann. Wenn man sieht, wie viele Formel-4-Serien wir weltweit haben, das schrumpft zusammen auf ein Starterfeld von 30 Formel-3-Fahrern. Das funktioniert gar nicht."

"Mal Gedanken machen, wie das weitergehen soll im Formelsport. Es ist wirklich eine Aufgabe, aber klar ist auch, und auch das wiederhole ich, Deutschland braucht eine Formel."

Nachwuchsarbeit kostet viel Geld

"Aber, und das muss man auch immer wieder sagen, auch an der Stelle, Nachwuchsarbeit kostet zum einen Geld und braucht auch Zeit. Es ist nicht zu erwarten, dass morgen einer von denen, die jetzt hier stehen, Formel-1-Weltmeister, MotoGP-Weltmeister oder sonst was wird", stellt Voss klar.

"Und die Zeit, das ist auch unser Ziel als ADAC mit dem Motorsport Team Germany, die wollen wir den Kindern und Jugendlichen geben. Deswegen haben wir diese Förderung auf mehrere Jahre angesetzt. Damit der Leistungsdruck nicht zu groß wird und sich die Kinder und Jugendlichen auch wirklich entfalten."

Zurück zu Goethe, der vom Rennsport-Virus bereits im Kindesalter infiziert wurde, genauso wie sein 22-jähriger Bruder Benjamin: "Es kam ungefähr zur gleichen Zeit. Sobald wir alt genug waren, um Leihkarts zu fahren, haben wir das getan. Als wir aufwuchsen, fuhr mein Vater historische Autos und auch GT3-Rennen. Wir haben also immer zu unserem Vater aufgeschaut und wollten immer Go-Kart fahren."

"Ich denke also, es hat ungefähr zur gleichen Zeit angefangen, für meinen Bruder vermutlich etwas früher, weil er etwas älter ist. Aber ja, wir haben angefangen, als wir sehr jung waren und nur zum Spaß Leihkart gefahren sind. Und bei Wettbewerben haben wir, glaube ich, genau zur gleichen Zeit angefangen, ich im Mini-Kart und mein Bruder bei den Kadetten. Wir waren damals ungefähr zehn und elf oder zehn und zwölf Jahre alt."

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