Trotz zwei Stopps in die Top 5: So schaffte Beckmann in Monza das Wunder

David Beckmann ist in Monza von Platz elf auf Rang fünf gefahren - Dabei musste der Iserlohner im Rennen unplanmäßig zweimal an die Box

Trotz zwei Stopps in die Top 5: So schaffte Beckmann in Monza das Wunder
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"Besonders das zweite Rennen war echt hektisch", resümiert David Beckmann das Hauptrennen der Formel 2 im italienischen Monza gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Der Iserlohner hatte sich im Qualifying auf Platz elf gesetzt und fuhr in einem chaotischen Rennen bis auf Rang fünf vor, obwohl er wegen eines schleichenden Plattfußes unplanmäßig an die Box kommen musste. Dennoch schaffte es der Deutsche, für van Amersfoort viele Punkte einzuheimsen.

"Ich habe mein Rennen mit einem Platten gestartet", erklärt Beckmann, der trotzdem einige Runden drehte. "Ich bin in meine Formationsrunde gestartet und hatte dann einen leichten Platten hinten rechts. Der hat pro Runde rund einen PSI [0,07 Bar] an Druck verloren. Das hat mir das Leben etwas schwerer gemacht. Ich kam aber gut durch die erste Kurve und habe gleich zwei Positionen gutgemacht."

Doch es knallte schon nach nur wenigen Metern: Ralph Boschung, Theo Pourchaire, Olli Caldwell und Luca Ghiotto krachten ineinander, crashten in die Mauer und räumten zahlreiche Werbebanden ab. Deshalb musste das Safety-Car auf die Strecke kommen. "Das Problem war dann, dass ich irgendwann aus Sicherheitsgründen an die Box musste", erinnert sich Beckmann, der Sorgen um seine Sicherheit hatte.

Platten zwingt Beckmann zum zusätzlichen Stopp

"Ich habe irgendwann so viel Druck verloren, dass es teilweise schon gefährlich wurde. Zum Glück ist Monza ein Kurs im Uhrzeigersinn, es sind deshalb nicht so viele Linkskurven auf der Strecke vorhanden. Aber in diesen Linkskurven war es teilweise schon gefährlich, weil der Reifen fast komplett platt war. Ich musste an die Box. Das war aber zu früh, ich musste dann noch den Pflichtboxenstopp machen."

Das war also der unplanmäßige Stopp des Deutschen, der damit mit dem Rücken zu Wand stand, denn er musste noch einmal zum Service kommen, um seinen Pflichtstopp abzuleisten. Aufgeben war für Beckmann jedoch keine Option: "Ich habe mich dann beim Re-start mit den Softs wieder noch vorne gearbeitet. Ich hatte dann eine leichte Kollision mit einem anderen Fahrer. Der ist in die Wand gefahren, hat das Auto verloren."

Beckmann spricht dabei über den Vorfall in Runde 8, als Calan Williams innen versuchte, an Beckmann vorbei zu kommen. Obwohl der Deutsche seinem Konkurrenten genügend Platz ließ, kam es zur Berührung und das Auto von Williams krachte in die Mauer. Erneut musste das Safety-Car ausrücken und das Rennen wurde neutralisiert.

Mit Können und etwas Glück auf P5

"Dann war erst einmal rote Flagge, weil die Bande repariert werden musste", setzt Beckmann fort. "Kurz vorher sind wir zum Glück noch einmal an die Box gefahren und haben die Reifen gewechselt. Unter roter Flagge kann man zwar wechseln, aber das zählt nicht als Pflichtboxenstopp." Damit hatte Beckmann seinen Pflichtservice absolviert und konnte sich voll auf die restlichen Runden konzentrieren.

"Dann sind wir bis Ende des Rennens auf Mediums gefahren", erklärt er. "Es war dann noch mal sehr chaotisch, es gab viele Verbremser von vielen Fahrern. Am Ende war ich auf Platz sieben und kam nicht mehr wirklich weiter nach vorne. Alle drei Fahrer vor mir hatten DRS, das war echt schwierig, an ihnen vorbeizukommen. Deswegen bin ich am Ende ganz nah am Dennis Hauger drangeblieben, kam aber leider nicht mehr vorbei."

"Dann gab es noch zwei Strafen, und dadurch bin ich dann auf Platz fünf gerutscht", schließt Beckmann seine Zusammenfassung eines ereignisreichen Monza-Hauptrennens ab. Er hat sich trotz einiger schwieriger Phasen in die Top 5 gekämpft und die Fehler der Konkurrenz eiskalt ausgenutzt. Zahlreiche Ausfälle und Strafen spielten dem Iserlohner dabei zusätzlich in die Karten.

"Ich habe da ein bisschen Glück gehabt", gibt er zu. "Aber es war auch ein bisschen Schade. Wäre der Platten am Anfang nicht passiert, wäre das ein mega Rennen gewesen, wahrscheinlich sogar ein Podium im Endeffekt, wenn man sieht, dass Enzo Fittipaldi durch die zwei Strafen auf das Podium gekommen ist. Der war hinter mir in der ersten Runde. Die Pace war mega gut, das Auto war sehr gut."

Rückkehr in die Formel 2 dank guter Bewerbung?

Beckmann hat wieder einmal bewiesen, in der Formel 2 ein Garant für gute Ergebnisse zu sein. In der Saison 2022 ist er nur als Ersatzmann bei van Amersfoort aktiv und hat deshalb sechs Läufe verpasst. Er fuhr trotzdem in 14 Rennen fünfmal in die Punkte und liegt mit Platz 17 in der Gesamtwertung sogar vor einigen Stammpiloten in der Nachwuchsserie. Sind seine guten Leistungen womöglich ein Türöffner zurück in die Formel 2?

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nächstes Jahr in der Formel 2 fahre, weil es einfach ein finanziell sehr abhängiger Sport ist", so die ernüchternde Bilanz des 22-Jährigen. "Ich habe aber kein Budget. Ich habe jetzt diese Chance bekommen, was eine super Sache war von van Amersfoort. Und man sieht Fortschritte, seit ich im Team bin. Das Auto wird ständig verbessert, und ich glaube ich helfe auch meinem Teamkollegen Amaury Cordeel sehr stark."

Beckmann hat für den 19-jährigen Belgier die Rolle des Mentors übernommen, um ihn als Youngster durch die schwierige Welt der Formel 2 zu führen. "Ich glaube, da baue ich insgesamt das ganze Team auf und bringe ein bisschen meine Erfahrung mit", so der Iserlohner. "Aber ich denke nicht, dass ich da nächstes Jahr wieder fahren werde oder in der Formel 2, weil es kein Team schaffen könnte, mich durch die Saison durchzufinanzieren."

Zukunft liegt in anderen Serien

Einzig allein, wenn ein Teamkollege sehr viel Geld mitbringen würde, könnte ein Team in die Versuchung kommen, Beckmann für eine komplette Saison auch ohne das nötige Budget an Bord zu holen. "Aber man weiß nie, es schadet nicht, und ich habe sicherlich bessere Chancen, als wenn ich nicht fahren würde", so Beckmann über seine starken Leistungen als Ersatzmann in der Formel-2-Saison 2022.

Doch was wird der 22-Jährige kommende Saison dann tun? Er hat bereits Pläne, darf diese aber noch nicht verraten: "Die Zukunftsplanung für das nächste Jahr habe ich schon so gut wie durch. Da wird Ende des Jahres auch etwas veröffentlicht, etwas Tolles. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Bis Ende des Jahres bin ich ja auch offiziell noch bei Andretti in der Formel E und mache die ganzen Testfahrten und Simulatortests für das Gen3-Auto. Da habe ich viel zu tun die nächsten Wochen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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