Yuki Tsunoda: Sushi schmeckt anders, wenn man erfolgreich ist

Japans Formel-1-Hoffnung Yuki Tsunoda hat eine spezielle Art, sich zu motivieren - Wie er seinen Aufstieg in Europa erlebt hat und wie die Red-Bull-Schule läuft

Yuki Tsunoda: Sushi schmeckt anders, wenn man erfolgreich ist

Er kam als ziemlicher Noname nach Europa, doch als einer der härtesten Gegner von Mick Schumacher in der Formel-2-Saison 2020 ist er mittlerweile vielen ein Begriff: Yuki Tsunoda, der 20-jährige Japaner, wird mittlerweile mit einem AlphaTauri-Cockpit in der Formel 1 in Verbindung gebracht.

Sollte er wirklich im kommenden Jahr der erste japanische Fahrer seit Kamui Kobayashi (2014) in der Königsklasse des Motorsports werden, so hätte er nur jeweils ein Jahr in Formel 2 und Formel 3 verbracht. Red Bull zieht bekanntermaßen gerne Fahrer schnell in den Nachwuchsserien hoch. Wenn sie sich dann gut schlagen, sind sie aus dem richtigen Holz geschnitzt und ihnen steht der Weg nach oben offen.

Aber von vorne: Tsunoda arbeitete sich über das Formula-Dream-Projekt von Honda in Japan nach oben und wurde 2018 Meister in der japanischen Formel 4. Danach ging es für ihn nach Europa.

Kulturschock in Europa

"Das war wirklich nicht einfach", sagt er gegenüber 'Formula1.com'. "Ich hatte erst einmal große Probleme mit dem Essen. Das japanische Essen habe ich wirklich vermisst. Ich mag Fish 'n Chips und Süßkartoffeln, bin aber kein großer Fan der englischen Küche."

Italienische und spanische Küche ist da schon eher sein Fall, "aber für mich bleibt japanisches Essen das Beste. In den sozialen Medien sehe ich immer wieder Fotos von Ramen-Nudeln und Sushi. Da ist es schon frustrierend, wenn man sie nicht essen kann."

Yuki Tsunoda

Die Formel-2-Saison 2020 läuft für Tsunoda bislang nach Plan

Foto: Motorsport Images

Doch schnell konnte er sich eine Motivation schaffen: "Wenn ich meine Ziele erreiche, werde ich richtig gutes Sushi essen gehen. So würde ich es feiern. Sushi schmeckt anders, wenn man erfolgreich ist. Wenn das Jahr okay ist und man Sushi isst, schmeckt es anders - selbst wenn es dasselbe Sushi ist. Ich werde hart arbeiten, um wirklich gutes Sushi und echte Ramen-Nudeln essen zu können."

Formel 3: Wendepunkt Spa

In der Formel 3 tat er sich bei Jenzer Motorsport zunächst schwer. Er zeigte Potenzial, kam aber in der ersten Saisonhälfte nicht über einen siebten Platz hinaus. Doch genau mit Halbzeit wendete sich das Blatt: Zwei sechste Plätze im zweiten Ungarn-Rennen und ersten Lauf in Spa-Francorchamps leiteten den Aufwärtstrend ein.

Im zweiten Rennen sollte mit Platz zwei das erste Podium erfolgen, aber unter tragischen Umständen. "Wir haben Anthoine Hubert an jenem Wochenende verloren. Von ihm hatte ich viel gelernt. Deshalb fuhr ich für ihn. Es war ein echter Wendepunkt. Einen Tag nach seinem Unfall holte ich meinen ersten Podiumsplatz. In Monza folgten ein weiteres Podium und mein erster Sieg."

Nun war sogar der strenge Helmut Marko überrascht. Gesamtrang neun war zwar kein Ergebnis, mit dem man für hochgezogene Augenbrauen sorgte, doch die Tendenz stimmte. Getreu seiner Philosophie brachte Marko Tsunoda für 2020 in die nächsthöhere Formelklasse, wo andere ihren Zögling vielleicht noch ein Jahr in der Formel 3 gelassen hätte.

Yuki Tsunoda

In Spa platzte für Tsunoda in der Formel 3 der Knoten

Foto: Motorsport Images

Formel 2: Superlizenz oder zurück nach Hause

Die Zielsetzung war eindeutig: "Ich erhielt von Helmut die Information, dass ich Fünfter werden müsste, um genügend Punkte für die Superlizenz zu sammeln. Er sagte, dass ich mich mit Platz fünf [oder besser] für ein Formel-1-Cockpit qualifizieren würde. Gelänge es mir nicht, würde ich wieder in Japan fahren."

"Das war strikt, aber ich gebe ihm recht. Wenn man ein guter Fahrer wie George Russell, Lando Norris oder Charles Leclerc ist, braucht man nur ein Jahr in der Formel 2. Sie alle haben keine zwei oder gar drei Jahre gebraucht. Mein Traum ist, Formel-1-Weltmeister zu werden. Hätte ich in der Formel 2 Probleme gehabt, wäre das sehr schwer geworden."

Zwei Rennwochenenden vor Schluss liegt er auf Platz drei der Gesamtwertung hinter Mick Schumacher und Callum Ilott, die beide im zweiten Jahr in der Formel 2 sind. Mit Christian Lundgaard (zwei Punkte Rückstand) und Robert Schwarzman (sieben Punkte zurück) machen ihm zwei Neueinsteiger den Titel streitig.

Und er muss weiter konstant punkten, denn auch der sechstplatzierte Nikita Masepin liegt punktgleich mit Schwarzman nur sieben Punkte zurück. "Man muss in jedem einzelnen Rennen Leistung zeigen. Das bedeutet Druck, aber auch ein gutes Mindset", so Tsunoda. "Das Jahr war nicht allzu schlecht, aber schauen wir, was die Zukunft bringt."

Red Bull scheint davon auszugehen, dass er es schaffen wird, schließlich hat er bereits in einem AlphaTauri die für die Superlizenz geforderten 300 Kilometer abgespult. Beim Young-Driver-Test auf dem Yas Marina Circuit ist er ebenfalls gesetzt.

"Die Fans in Japan warten auf einen neuen Formel-1-Fahrer", sagt er. "Ich sehe das in den sozialen Medien. Ich würde schon sagen, dass ich Druck aus Japan habe. Aber es ist guter, kein schlechter Druck. Sie warten darauf und ich bin von allem am nächsten dran. Ich würde es gerne für sie erreichen." Eine weitere Motivation neben gutem Sushi.

Mit Bildmaterial von Formula Motorsport Limited.

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