Agag-Kolumne: Neue Möglichkeiten durch neue Hersteller

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Agag-Kolumne: Neue Möglichkeiten durch neue Hersteller
Alejandro Agag
Autor: Alejandro Agag , Kolumnist
11.05.2018, 09:06

In seiner aktuellen Kolumne verrät Formel-E-Boss Alejandro Agag, dass die neuen Hersteller der Formel E viele neue Möglichkeiten eröffnen werden

Pit action
Jean-Eric Vergne, Techeetah, wins the Paris ePrix
Nicolas Prost, Renault e.Dams
Race action
Maro Engel, Venturi Formula E Team
Edoardo Mortara, Venturi Formula E Team
Maro Engel, Venturi Formula E Team
Race winner Jean-Eric Vergne, Techeetah
Sam Bird, DS Virgin Racing, finishes 3rd
Nelson Piquet Jr., Jaguar Racing
Jean-Eric Vergne, Techeetah, Sam Bird, DS Virgin Racing
Jose Maria Lopez, Dragon Racing
Jérôme d'Ambrosio, Dragon Racing, Nick Heidfeld, Mahindra Racing
Jose Maria Lopez, Dragon Racing, Felix Rosenqvist, Mahindra Racing
Nelson Piquet Jr., Jaguar Racing
Jean-Eric Vergne, Techeetah, Sam Bird, DS Virgin Racing
Oliver Turvey, NIO Formula E Team, leadsJose Maria Lopez, Dragon Racing, Felix Rosenqvist, Mahindra Racing
Nicolas Prost, Renault e.Dams, Alex Lynn, DS Virgin Racing
Nelson Piquet Jr., Jaguar Racing, Edoardo Mortara, Venturi Formula E Team
Start of race with Jean-Eric Vergne, Techeetah, leading Sam Bird, DS Virgin Racing, Andre Lotterer, Techeetah, Maro Engel, Venturi Formula E Team

Wir steuern auf das Ende der diesjährigen Meisterschaft zu. Es stehen nur noch vier Rennen aus. Ich freue mich aber schon jetzt, auf die sechste Saison. Warum? Weil dann eine unglaubliche Anzahl an neuen Herstellern in die Formel E einsteigt.

Wir durften erst kürzlich verkünden, dass HWA in der fünften Saison an Bord sein wird. Damit haben wir elf Teams. Das ist ein cleverer Zug von Toto Wolff, denn so kann HWA für Mercedes bereits die ersten Testmeter in der Formel E machen. Der deutsche Hersteller wird in der sechsten Saison in die Formel E einsteigen. Es ist ein Kundenteam und Mercedes leiht dem Rennstall seinen Platz für ein Jahr.

Das ist schlau, weil Mercedes so sofort einen Vorteil gegenüber Porsche haben wird. Die Marke wird ebenfalls in der sechsten Saison zur Formel E dazu stoßen. Porsche wird seine Hausaufgaben aber auch machen. Ich kann gar nicht mehr auf das erste Rennen der sechsten Saison warten. Wir haben dann Mercedes, Porsche, Audi, BMW, DS, Jaguar, Nissan, Mahindra und NIO an Bord. Mit zwölf Teams wird es eine herausragende Meisterschaft.

Für uns ist es wichtig, dass ein Team aus Japan kommt. Nissan wird in der sechsten Saison Renault ersetzen. Renaults Engagement ist für die Meisterschaft enorm wichtig. Sie haben seit dem Start an die Formel E geglaubt und gut mit uns zusammengearbeitet. Es war toll, Renault dabei zu haben. Wir sind in der privilegierten Situation, viele Hersteller aus Europa angelockt zu haben. Eine japanische Marke dabei zu haben, wird der Meisterschaft gut tun. Wir freuen uns auf den Einstieg von Nissan.

Die Formel E gastiert aktuell nicht in Japan. Dabei könnte Nissan uns aber vielleicht in Zukunft helfen. Wir arbeiten an verschiedenen Orten – darunter auch an einem Rennen in Tokio und Yokohama. Ein Rennen in Japan hat für uns Priorität. Es ist aber nicht einfach, weil die Regierungen in Japan sehr streng sind. Sie sind nicht daran gewöhnt, Rennen mitten in der Stadt zu veranstalten. Das ist aber ein Teil der DNS der Formel E. Hoffentlich werden sich die Chancen mit Nissan erhöhen. Immerhin hat die Marke seinen Sitz in Yokohama. Dort gibt es sehr breite Straßen, die ideal wären. Vielleicht ist das eine gute Möglichkeit.

Bisher fehlt uns noch ein großer Hersteller aus den USA und deshalb arbeiten wir daran, einen anzulocken. Ich würde mich über einen Einstieg freuen, aber ich glaube nicht, dass die amerikanische Kultur bereit für elektrischen Motorsport ist. Wir haben trotzdem große Hoffnungen, dass eine amerikanische Marke ihren Weg in die Formel E findet. Einige Hersteller zeigen Interesse und wir führen einen offenen Dialog. Bisher hat sich aber noch keiner für den Schritt entschlossen. Wir warten weiter.

Das ist alles Zukunftsmusik. Es geht noch immer um den Titel in diesem Jahr und um die Topfahrer Jean-Eric Vergne und Sam Bird. Felix Rosenqvist könnte mit einem überraschenden Comeback noch ein Wörtchen mitreden.

Der Titelkampf zwischen Sam und Felix war schön anzusehen. Es geht da um Fahrer, die die Motorsportleiter hochgeklettert sind, es aber nie in die Formel 1 geschafft haben. Das zeigt, dass unsere Meisterschaft ein Ziel von jungen Fahrern geworden ist.

Die Formel 1 ist sicher noch immer das Hauptziel, aber dort gibt es nicht so viele Sitze und wenn, müssen sie oft bezahlt werden. Die Formel E ist eine gute Alternative für diese Fahrer. Sie werden anerkannt, sind glücklich und genießen die Meisterschaft. Das ist toll.

Sie sind unsere Eigengewächse, wenn man so will. Wir müssen es schaffen, die Formel E größer zu machen. Dann werden die Stars der Serie noch heller scheinen. Die Stars gibt es hier aber bereits jetzt schon. Egal ob Jean-Eric oder Sam gewinnt. Es wird wieder einen neuen Champion geben. In vier Saisons hat noch niemand zwei Titel geholt. Was sagt das über den Wettbewerb in der Formel E aus? Es zeigt, wie unberechenbar und offen der Titelkampf ist. Wir müssen das so beibehalten. Das ist der Charme der Formel E: Jeder kann gewinnen. Viele Serien hätten sicher gerne solch einen Wettbewerb.

In dieser Saison sind elf verschiedene Fahrer auf dem Podium gelandet. Das ist ein wichtiger Teil der Formel E. Es gibt Teams, die im hinteren Mittelfeld Probleme haben, aber selbst deren Fahrer haben die Möglichkeit, einen guten Startplatz zu ergattern. Diesen können sie dann manchmal in ein Podiumsergebnis umwandeln. Edoardo Mortara und Venturi hätten beinahe in Hong Kong gewonnen. Antonio Felix da Costa hat sich in Paris für den zweiten Startplatz qualifiziert. Jeder kann es aufs Podium schaffen. Wir müssen sicherstellen, dass die Rennen so bleiben. Mit Techeetah könnte ein unabhängiges Team dieses Jahr den Titel holen. Das wäre wirklich toll.

Ein System zu entwickeln, dass die unabhängigen Teams schützen, ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die Hersteller nicht gewinnen, besteht die Gefahr, dass sie die Serie wieder verlassen. Wenn wir neun oder zehn Marken haben und sie sich für einen Rückzug entscheiden, benötigt man Strukturen, die unabhängigen Teams einen Einstieg einfach machen. Sie müssen von den übrigen Herstellern einen Antrieb kaufen können und damit auch wettbewerbsfähig sein. Das ist das, was es in der Formel E gibt: Eine gesunde Plattform mit klaren technischen Regeln.

Bildergalerie: Die Formel E in Paris 2018

Wir achten auch immer darauf, ein innovatives Rennformat zu bieten, damit die Läufe immer spannend bleiben. In der kommenden Saison wird es keinen Fahrzeugwechsel mehr geben, da wir im Gen2-Auto neue Batterien verbaut haben. Sie halten die komplette Renndistanz. Alle Teams sind mit der Batterie zufrieden. Sie sagen, McLaren und die technischen Partner hätten einen fantastischen Job gemacht. Ich hatte erst einige Sorgen. Nicht weil ich McLaren oder den Partnern nicht vertraue, sondern weil es eine große Herausforderung war. Ich freue mich, dass sie unsere Ziele erreicht haben.

Um den spannenden Fahrzeugwechsel auszugleichen, arbeiten wir an einem innovativen Rennformat. Die Inspiration ist das Computerspiel Mario Kart. Wir werden bald weitere Details bekanntgeben. Das Rennen wird spektakulärer und noch weniger vorhersehbar werden. Es wird langsamere Stellen auf den Strecken geben, auf denen die Fahrer schnellere Powermodi freischalten können. Es wird großartig werden und ich freue mich riesig darauf. Ich kann es kaum noch abwarten, das Format in Aktion zu sehen. Wir müssen noch einige technische Probleme lösen. Es wird aber fesselnd werden.

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Rennserie Formel E
Urheber Alejandro Agag
Artikelsorte Kolumne