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"Ich vergesse Dinge nicht": Was hinter Pascal Wehrleins Warnung steckt

Nach seinem WM-Triumph in der Formel E rechnet Pascal Wehrlein mit Antonio Felix da Costa ab: Der Jaguar-Pilot kontert und erhebt seinerseits Vorwürfe

"Ich vergesse Dinge nicht": Was hinter Pascal Wehrleins Warnung steckt

Felix da Costa und Wehrlein gerieten auf und neben der Strecke aneinander

Foto: Sam Sam

Das Saisonfinale der Formel E in London bot am Sonntag Hochspannung pur, verkam auf dem engen und verwinkelten Excel-Kurs aber auch zu einer erbitterten Taktikschlacht. Im Zentrum der Kontroverse: Der frisch gebackene Weltmeister Pascal Wehrlein und sein ehemaliger Porsche-Teamkollege Antonio Felix da Costa, der im Titelkampf für Jaguar die Bremsklotz-Rolle übernahm.

Wehrlein sicherte sich im Londoner Double-Header zwar die Weltmeisterschaft vor Jake Dennis und Mitch Evans, doch nach dem Rennen kochten die Emotionen hoch. Sowohl Porsche als auch Jaguar setzten auf massive Teamtaktiken, um die eigenen Titelkandidaten zu unterstützen.

Wehrlein verbrachte den Großteil des Rennens hinter Felix da Costa, der das Tempo massiv drosselte, um Evans' letzte verbliebene Titelchance zu wahren - Evans benötigte einen Sieg, während Wehrlein außerhalb der Punkte landen musste. In Kurve 19 drängte Felix da Costa den Deutschen schließlich weit ab, woraufhin Wehrlein in einem Rutsch mehrere Positionen verlor und aus den Punkterängen fiel.

Wehrlein wirft Jaguar und Felix da Costa unfaire Mittel vor

Auf die Frage nach den Unterschieden in den Taktiken beider Teams - Porsche hatte am Samstag Nico Müller eingesetzt, um Evans einzubremsen - sparte Wehrlein nicht mit Kritik. Nach Ansicht des Deutschen ging Felix da Costa deutlich zu weit.

"Ich denke, der Ansatz war völlig unterschiedlich", sagte Wehrlein auf der Pressekonferenz nach dem Rennen. "Gestern war der Ansatz, Mitch hinter sich zu halten und vor ihm zu bleiben. Heute war der Ansatz, mein Rennen zu zerstören und mich aus den Punkten zu befördern."

Wehrlein erhob schwere Vorwürfe gegen den Portugiesen: "Ich glaube, Antonio hat 20 Runden lang versucht, mein Rennen zu ruinieren; er ist neben mir gefahren, hat verlangsamt, mich gegen die Mauern gedrückt. Er hat verlangsamt, mich ausgebremst und einfach versucht, mein Rennen und meine Meisterschaft zu ruinieren. Dadurch konnte Dennis an mir vorbeigehen."

Selbst als Evans bereits weit entflohen war, habe Felix da Costa nicht nachgelassen: "Selbst als Mitch schon weit weg war, hat er mich weiter blockiert und mich von der Strecke geschoben."

Direkt nach dem Rennen bezeichnete Wehrlein seinen ehemaligen Stallgefährten, zu dem er schon während der drei gemeinsamen Porsche-Jahre ein sehr angespanntes Verhältnis hatte, als "Feind": "Wie Antonio gefahren ist, das ist eine der unsportlichsten und unfairsten Sachen, die ich je gesehen habe. So ist das eben, wenn man Feinde im Fahrerlager hat. Trotzdem haben wir es geschafft [und den Titel geholt]", hatte Wehrlein am Boxenfunk gesagt.

Und schickte eine Warnung hinterher: "Es gibt noch eine Botschaft. Ich vergesse Dinge nicht. Lasst uns hochgehen, eine gute Sommerpause haben. Nächstes Jahr werde ich nicht vergessen, was hier passiert ist."

Felix da Costa kontert: "Wer austeilt, muss auch einstecken können"

Felix da Costa verteidigte die aggressive Verteidigungslinie von Jaguar und konterte die Angriffe Wehrleins prompt. Laut dem Portugiesen war die eigene Strategie lediglich die Antwort auf die Spielchen von Porsche am Samstag, als unter anderem Nico Müller Evans im Rennen einbremste.

Antonio Felix da Costa und Pascal Wehrlein

Antonio Felix da Costa und Pascal Wehrlein waren drei Jahre lang Teamkollegen

Foto: Simon Galloway/LAT Images/Getty Images

"Ich kann nicht leugnen, dass sie mich mit ihren Spielchen gestern ein wenig verärgert haben", erklärte Felix da Costa gegenüber der englischsprachigen Ausgabe von Motorsport.com. "Wir haben also eine Strategie gefunden, um ihre eigene Strategie und ihre Spielchen zu stören. Von Runde eins an hat Müller wieder damit angefangen, und ich bin froh, dass ich dem ein Ende setzen konnte."

Felix da Costa sieht die Schuld klar bei der Konkurrenz: "Wir haben nichts getan, was sie nicht angefangen hatten. Wir haben nichts Falsches gemacht. Sie haben mit diesen Spielchen angefangen, und wir haben mitgespielt - nur ein bisschen besser. Sie können nicht erwarten, anderen solche Dinge anzutun, ohne dass zurückgebissen wird. Das ist nicht die Art, wie ich fahren möchte, aber als sie damit angefangen haben, mussten wir es auch tun."

Kollision mit Dennis sorgt für zusätzlichen Zündstoff

Im weiteren Rennverlauf verwickelte sich Wehrlein in eine dramatische Kollision mit Titelrivale Dennis und touchierte vor Kurve 20 zudem den Envision von Joel Eriksson. Eriksson drehte sich und blieb auf der Strecke stehen, was sowohl Wehrlein als auch Dennis kurzzeitig blockierte. Während Dennis' Titelträume damit endgültig platzten - der Brite bezeichnete die Art und Weise von Wehrleins Titelgewinn später als "peinlich" -, reichte es für Wehrlein zur Meisterschaft.

Felix da Costa, der das Geschehen aus nächster Nähe beobachtete, erhob nach dem Rennen schwere Anschuldigungen gegen den neuen Weltmeister: "Für mich ist das völlig klar. Das war ein superdreckiges Manöver. Er hat Jake mit Absicht rausgenommen, um seine Meisterschaft abzusichern - meinetwegen. Aber das sagt viel über das aus, was er tut, auch wenn es nicht an mir ist, das zu kommentieren. Vor zwei Wochen in Tokio hat er dasselbe mit mir gemacht, daher bin ich nicht überrascht."

Die Sportkommissare sahen den Vorfall mit Dennis anders und sprachen Wehrlein frei. Für die Kollision mit Eriksson kassierte der Deutsche jedoch eine Fünf-Sekunden-Strafe, die für den Auftakt der Saison 2026/27 in Dschidda in eine Startplatzstrafe von drei Rängen umgewandelt wurde.

Funkspruch in der Auslaufrunde

Wie tief die Abneigung zwischen den beiden Kontrahenten sitzt, zeigte sich in der letzten Runde, als Wehrlein trotz des feststehenden Titels weiter hart gegen Felix da Costa kämpfte und einen wütenden Funkspruch an seine Box absetzte: "Schaut ihn euch an. Will immer noch kämpfen. Schlechter Verlierer. Ich habe dich drei Jahre in Folge verdammt noch mal geschlagen."

Felix da Costa reagierte gelassen auf die verbalen Spitzen Wehrleins: "Ich habe hier und da ein paar Dinge gehört, aber wenn er will, kann er kommen und mit mir sprechen."

Auf die Frage, ob die Rivalität eine persönliche Ebene erreicht habe, fügte der Jaguar-Pilot an: "Allein in diesem Jahr hat er mir gegenüber ein paar schlechte Sachen abgezogen, und die persönliche Vergangenheit mit ihm möchte ich gar nicht erst anschneiden. Aber man sieht, wie andere Leute gegen mich fahren und wie andere Leute gegen ihn fahren - und das sagt viel über die Menschen aus, die wir sind."

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