Jaguar in der Formel E: Einstieg hätte um zwei Jahre verzögert sein können

Nur aufgrund der Pleite des Trulli-Teams erhielt Jaguar viel früher als erwartet Startplätze - Ansonsten hätte sich der Einsteig um zwei Jahre verzögern können

Jaguar in der Formel E: Einstieg hätte um zwei Jahre verzögert sein können

Jaguar ist seit der Saison 2016/17 Teil der Formel E. Auf technischer Seite wird beim Elektroantrieb mit Williams Advanced Engineering zusammengearbeitet. Nun hat Teamchef James Barclay verraten, dass es ernsthafte Bedenken gegeben hat, dass Jaguar erst deutlich später in die Elektrorennserie hätte einsteigen können.

"Wir mussten Startplätze erhalten. Aber das war nicht so einfach, denn es gab keine freien Plätze", erinnert sich Barclay im Jaguar-Podcast "Re:charge @ home" zurück. "Wir hingen in der Warteschleife und mussten auf eine Möglichkeit warten." Diese Chance ergab sich schließlich zu Beginn der Saison 2015/16.

TrulliGP schaffte es im Herbst 2015 nicht durch die Technische Abnahme bei den ersten beiden Rennen. Schließlich musste der Rennstall, der vom ehemaligen Formel-1-Piloten Jarno Trulli gegründet worden war, die Pforten schließen. Somit wurde aus Sicht von Jaguar viel früher ein Startplatz im Feld frei.

Kurze Vorbereitungszeit mit Williams

"Wir hatten angefangen uns Sorgen zu machen, dass sich diese Chance nicht bis zur fünften Saison ergeben würde", so Barclay. Denn für die fünfte Formel-E-Saison wurde von zehn auf elf Teams aufgestockt. Jaguar hätte fast zwei Jahre warten müssen. "Es war für uns also eine Erleichterung, dass sich die Chance ergeben hatte."

James Barclay

James Barclay leitet das Formel-E-Programm von Jaguar

Foto: Motorsport Images

Jaguar und Williams mussten dann in kurzer Zeit die Entwicklung schaffen. Die erste Formel-E-Saison beendete Jaguar auf dem zehnten und letzten Platz der Teamwertung. Im Gegensatz zu Mercedes wollte Jaguar direkt mit einem Werksteam einsteigen und nicht zunächst eine Saison mit einem anderen Team zusammenarbeiten und einen versteckten Werkseinsatz machen.

"Die Vorbereitungszeit für unsere erste Saison war relativ kurz. Wir wollten uns nicht hinter einem anderen Team verstecken. Wir wollten von Beginn an selbst auftreten, aber uns war klar, dass wir in der Öffentlichkeit lernen mussten. Das haben wir akzeptiert", so Barclay. Kontinuierlich machte Jaguar Fortschritte.

Es gab keine Überbleibsel von ehemaligen Werksprogrammen

In der zweiten Saison wurde der erste Podestplatz erobert und man verbesserte sich auf Rang sechs. Der erste Sieg gelang Mitch Evans in der dritten Saison in Berlin. Nach den ersten vier Rennen der Saison 2019/20 ist Jaguar Dritter der Teamwertung. Evans stand in Santiago de Chile als Dritter auf dem Podest und gewann anschließend in Mexiko.

David Brabham, David Coulthard

1993 gab es das letzte richtige Werksprogramm von Jaguar

Foto: Motorsport Images

Für das Formel-E-Projekt musste Jaguar ein komplett neues Programm auf die Beine stellen. Vom ehemaligen Formel-1-Team gab es keine Ressourcen. Ford hatte 1999 das Stewart-Team gekauft. Zwischen 2000 und 2004 war die Marke Jaguar in der Formel 1 vertreten, obwohl Jaguar auf technischer Seite nicht involviert war. Ende 2004 wurde das Team an Red Bull verkauft.

Das letzte richtige Werksengagement von Jaguar geht zurück auf die XJR-Sportwagen, die Mitte der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre unter anderem bei den 24 Stunden von Le Mans eingesetzt wurden. "Unser letztes Programm geht so weit zurück, dass es bei Jaguar nichts mehr von einem Motorsportteam gegeben hat", sagt Barclay.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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