Interview

Formel E

Susie Wolff im Interview: "Ein Wolff in der Formel 1 ist genug!"

In der aktuellen Folge unserer Interviewreihe #ThinkingForward mit führenden Persönlichkeiten aus dem Motorsport sprechen wir mit Susie Wolff

James Allen

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Bearbeitet: 22.07.2021, 13:02

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Thinking Forward

Interviewreihe #ThinkingForward mit Führungspersönlichkeiten aus dem internationalen Motorsport.

Susie Wolff weiß, wie es für eine Teamchefin ist, wenn ihr Fahrer in der Formel-E-Weltmeisterschaft in einem Moment an der Spitze steht und im nächsten abstürzt. Solch eine Achterbahnfahrt erlebten in der siebten Saison alle Teams, da die Qualifying-Regeln die Meisterschaftsführenden bestrafen und Konstanz fast unmöglich machen.

"Das ist mein erstes Rennen in London, worauf ich mich sehr freue", sagt sie. "Und ja, ich habe einen Fahrer, der um die Meisterschaft kämpft - zusammen mit weiteren zwölf Fahrern, die noch im Rennen sind! Und das ist eine große Herausforderung für die Formel E. Es gibt viele Variablen, die die Konstanz zu einer großen Herausforderung machen. Wir hatten ein schwieriges Wochenende in New York, also müssen wir versuchen, uns davon zu erholen - es sind noch vier Rennen und es geht um alles."

"Ich denke, ein sehr wichtiger Teil der Formel E ist der Unterhaltungsfaktor. Und das ist etwas, dessen wir uns sehr bewusst sind. Wir wollen spannenden Rennsport bieten. Und ich denke, ein großartiges Beispiel dafür war der Monaco-E-Prix. Wir sind auf der Grand-Prix-Strecke gefahren, hatten viele Überholmanöver und die Führung wechselte in der letzten Runde."

Formel E "nicht mehr das junge Start-up"

"Der Attack-Mode macht es tendenziell spannend, was die Strategie angeht, die Autos wechseln ständig die Positionen. Und es gibt andere Elemente wie den Fan-Boost, den wir wahrscheinlich verlieren könnten. Aber es war eine sehr spannende Saison mit so vielen verschiedenen Siegern. Man könnte argumentieren, dass es etwas zu wechselhaft ist und nicht genug auf sportliche Gerechtigkeit setzt. Aber das ist etwas, das wir uns anschauen."

Die Änderung des Qualifying-Formats, wie auch andere nächste Schritte für die Formel E, müssen richtig gehandhabt werden. Diese Serie steckt nicht mehr in den Kinderschuhen. Sie ist jetzt eher ein Teenager, der mit Wachstumsschmerzen zu kämpfen hat und die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen muss. Vor allem nach den jüngsten Ausstiegen von Herstellern.

"Wir sind nicht mehr das junge Start-up mit all dem Trubel um uns herum. Wir kommen jetzt in eine Phase der Veränderungen, in der wir wirklich ein solides Fundament brauchen und einen kurz-, mittel- und langfristigen Plan, wie wir den Sport weiterentwickeln können", sagt Wolff.

Förderung der Frauen ist Wolff weiter ein wichtiges Anliegen

"Es gibt sehr gute Leute im Management, die wissen, dass es bestimmte Bereiche gibt, die sich ändern müssen, um eine bessere Show zu liefen. Und um sicherzustellen, dass wir langfristig in einer besseren Situation sind. Die große offensichtliche Veränderung, die auf uns zukommt, ist das Gen-3-Auto, das am Ende der nächsten Saison eingeführt wird."

"Es gibt natürlich eine Menge Diskussionen, wie man sicherstellt, dass das Format das beste ist, mit Supercharging und vielleicht einer Änderung des Qualifying-Formats, um ein bisschen mehr sportliche Gerechtigkeit zu ermöglichen."

Bei allem, was sie als Teamchefin erreicht hat, wurde Wolff in der vergangenen Dekade vor allem als eine der stärksten Stimmen bekannt, die sich für mehr weibliches Engagement im Motorsport eingesetzt hat. Als Gründerin des "Dare to be Different"-Programms fusionierte sie es mit dem "Girls on Track"-Programm der FIA, das in diesem Jahr mit der "Rising Stars"-Talentsuche in Partnerschaft mit Ferrari ein deutliches Wachstum verzeichnen konnte

Ein Drittel der Venturi-Belegschaft ist weiblich

"Die Tatsache, dass Diversität nicht nur im Motorsport, sondern in der ganzen Welt ein großes Thema ist, hat uns sehr geholfen", sagt sie. "Die Leute erwarten heute ein vielfältiges Umfeld. Und es ist nicht gut genug, wenn es nicht vielfältig ist. Es ist zwar schön darüber zu reden, dass es einen Impuls gibt. Aber es kommt auf die Maßnahmen an, die wir alle ergreifen, um tatsächlich etwas zu bewirken."

Gruppenfoto des Formel-E-Teams Venturi

Gruppenfoto des Formel-E-Teams Venturi

Foto: Motorsport Images

"Wir sehen so viele großartige Möglichkeiten, aber es gibt einfach nicht genug weibliche Talente, die diese Möglichkeiten nutzen. Deshalb konzentrieren wir uns im Rahmen der 'Girls on Track'-Initiative sehr darauf, an die Basis zu gehen und sicherzustellen, dass wir den Sport für alle zugänglich machen. Dann nehmen wir diese sehr klugen und talentierten Frauen, die jetzt im Sport erfolgreich sind, und machen aus ihnen weitere Vorbilder."

Unter Wolff hat sich bei Venturi eine vielfältige Belegschaft entwickelt. Mittlerweile sind 33 Prozent der Mitarbeiter weiblich. Viele davon sind berufstätige Mütter - wie sie selbst: "Wir sind die effizientesten Leute und Multitasking-Menschen, weil wir es einfach sein müssen!" lacht sie.

Kein Wolffs-Rudel in der Formel 1

"Aber ich muss auch beweisen, dass es erfolgreich ist, denn am Ende bin ich für die Leistung des Teams verantwortlich. Und ich hoffe, mit den Leistungen dieses Jahr in der Formel E haben wir gezeigt, dass es tatsächlich funktioniert."

Was ihre eigenen Ambitionen für die Zukunft angeht, schließt Wolff einen Wechsel als Teamchefin in die Formel 1 aus: "Ein Wolff in der Formel 1 ist genug! Sonst wäre es ein Rudel", lacht sie in Anspielung auf ihren Mann Toto, der Teamchef des Formel-1-Teams von Mercedes ist.

"Als ich zu Venturi kam, befand sich das Unternehmen in einer völlig anderen Situation als jetzt. Es kommen aufregende Dinge auf das Team zu. Wir haben einen neuen amerikanischen Besitzer, der sehr ehrgeizig ist. Ich bin jemand, der sich immer gerne weiterentwickelt. Ich mag es, mich zu pushen und mich herauszufordern, um weiter zu wachsen. Wenn die Saison vorbei ist, kann ich Bilanz ziehen, hoffentlich stolz auf das sein, was wir als Team erreicht haben. Und dann schauen, was in der Zukunft kommt."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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